Friedrich Spee Gesellschaft e.V. Düsseldorf

Aktuelles Spee-Jahrbuch 2018/19 ist eingetroffen!

 

 

(Siehe dazu unter "Publikationen") Das Jahrbuch ist erhältlich über den Buchhandel und bei den Gesellschaften in Trier und Kaiserswerth.

 

 

 

INTERNATIONALER TAG GEGEN DEN HEXENWAHN

       

Uno verurteilen Hexerei und moderne Hexenverfolgung

Genf, 5.10.17 (kath.ch)

 

 Die Vereinten Nationen wollen der Hexerei und modernen Arten von Hexenverfolgung weltweit den Garaus machen. Es gehe darum, Menschenrechtsverletzungen einzudämmen oder zu verhindern, die durch schädliche Praktiken im Zusammenhang mit Hexerei bewirkt würden, teilte das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte am Donnerstag mit. Mehr als 100 Experten hätten dazu bei einem Treffen in Genf «wirksame» Vorschläge gemacht. Dazu gehöre die bessere Kontrolle der Arbeit traditioneller Heiler ebenso wie das Verbot von Zeitungsanzeigen für Personen, die Hexerei praktizierten. Gesetze müssten diesbezüglich überarbeitet werden, hiess es. Täglich gebe es weltweit entsprechende Menschenrechtsverletzungen. Dazu gehörten Tötungen, rituelle Verstümmelungen, Menschenopfer, Folter, unmenschliche und erniedrigende Behandlung sowie die Diskriminierung und Isolierung von angeblich verhexten Personen. «Der Hexerei beschuldigt zu sein, ist eine Form von psychischer Gewalt und oft mit unbeschreiblichen Angriffen bis hin zur Folter verbunden», so die Menschenrechtsexperten der Uno. Dies betreffe neben Frauen auch Kinder. Selbst wenn diese die Attacken überlebten, würden sie oft stigmatisiert oder gezwungen, auf der Strasse zu leben. Bei dem UnoWorkshop in Genf berichteten unter anderem Vertreter aus Malawi, Nigeria, Tansania, Australien, Indien und Papua-Neuguinea über die schädlichen Auswirkungen von Hexerei. (kna)

 

 

 

Erster afrikanischer Jugend-Humanistentag in Nairobi 22. - 24. Juli 2016

 

Da der internationale Gedenktag am 10. August 2020 zum ersten Mal begangen wurde und der Zusammenhang mit Spees Kampf gegen die Hexenprozesse in der Frühen Neuzeit für uns offenbar ist, hat der Vorsitzende des Friedrich-Spee-Gesellschaft-Düsseldorfs ein Rundschreiben verfasst:

Neues aus dem Friedrich-Spee-Archiv:

 

Internationaler Tag gegen den Hexenwahn

 

Man soll es kaum für möglich halten, dass ein Problem wie der „Hexenwahn“ im 21. Jahrhundert eine hohe Aktualität besitzt. Was seit mehreren Jahrhunderten als nicht mehr existent gilt, lebt heute als Bedrohung in über 30 Ländern unserer Welt weiter. Daher hat das Hilfswerk „missio“ den 10. August zum „Internationalen Tag gegen den Hexenwahn“ ausgerufen. In einem  Interview betont missio-Präsident Dirk Bingener, dass in mindestens  36 Ländern der Erde – hauptsächlich in Afrika, Asien und Ozeanien, aber auch in vier Staaten Lateinamerikas – Menschen als sogenannte Hexen verleumdet und gefoltert würden. Das betreffe „Zehntausende vollkommen unschuldige Opfer“. Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen und den Betroffenen eine Stimme zu geben, habe missio den Tag ins Leben gerufen. Hexenwahn sei kein „Problem von gestern und vorgestern“, erklärte Bingener. Er gehe davon aus, „dass in den vergangenen 60 Jahren mehr Menschen als vermeintliche Hexen getötet wurden als in 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit.“  Wie in früheren Zeiten wird ein „Sündenbock“ gesucht, der angeblich verantwortlich ist für unerklärliche Unglücke, einen Todesfall oder eine Naturkatastrophe.

 

 

 

 

 

Das Friedrich-Spee-Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth erinnert genau  mit seinem Bildprogramm an diese Verletzungen der Menschenrechte. Friedrich Spee hat mit seinem Buch „Cautio Criminalis“ das extreme Unrecht beim Namen genannt. Sein Anliegen ist zeitlos und gilt bis heute. Es geht ihm darum, Gerechtigkeit, Wahrheit und Vernunft im Umgang miteinander möglich zu machen. Sein Buch hatte damals im 17. Jahrhundert den Erfolg, dass sich etwas zum Positiven veränderte. Die Hexenprozesse wurden beendet.

 

So ist das Denkmal in Kaiserswerth auch Mahnung und Aufforderung an uns heute, dem weltweiten Unrecht an Frauen, Kindern und Männern Einhalt zu gebieten. Die „Cautio Criminalis“ hat nichts an Aktualität verloren. Sie sollte von denen, die heute Macht ausüben oder Gerichtsurteile sprechen müssen,  gelesen und aktuell umgesetzt werden.

Hans Müskens

 

 

Mehr zum Thema: www.missio-hilft.de/hexen

 

 

 

 

 

HANNES ESSER

 

Am 8. April wäre er 100 Jahre alt geworden. 1920 wurde er in eine Bäckerfamilie in Pempelfort geboren. Auf Wunsch und Befehl des Vaters erlernte er das Bäckerhandwerk. Als er 2007 in seiner Heimatstadt starb, war er so etwas wie ein Künstleroriginal geworden, das einen Teil der bewegten Kunstszene Düsseldorfs nach dem Krieg verkörperte. In Einbrungen gibt es deshalb einen Hannes-Esser-Platz.

 

Dem Schreiber dieser Zeilen ist der Künstler stets gegenwärtig mit dem Plakat des Museums Kaiserswerth zur Sonderausstellung 400 JAHRE FRIEDRICH SPEE, das seinem Arbeitsplatz gegenüberhängt. Links oben findet sich auf dem Plakat ein Bildnis Spees von Hannes Esser, das auf unseren Seiten unter LITERATUR zu finden ist: 

                     

 

 

                              

     

            

                           

 

 

                                                                          Bleistiftzeichnung von Hannes Esser, 1986.

 

 

 

 

 

                                                                         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die untere Hälfte des Plakates zeigt eine Zeichnung Essers von seinem Keramik-Modell des historischen Kaiserswerth vor der Zerstörung 1702, das im Museum Kaiserswerth zu besichtigen ist.

 

Ein weiterer Portraitversuch schmückt unsere Seite PERSON UND WERK:

 

 

                                                                                                                Linolschnitt zum 400. Spee-Geburtstag von Hannes Esser

 

Das Museum Kaiserswerth hat eine Ausstellung vorbereitet, die an Essers 100. Geburtstag eröffnet werden sollte. Dieser Termin ist aufgrund der akuten Krise auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben worden. Darauf kann man gespannt sein, denn Hannes Esser war ein Mann, der mit Beuys und Grass studiert hat, dessen wichtiger Lehrer Otto Pankoke war, dessen zentrales Erlebnis die Kunst Picassos in seiner Pariser Zeit war, der abenteuerliche Bootsfahrten im Mittelmeer unternahm, der Metzgereien mit aufwendigen und kunstvollen Keramiken versah und der dann am Ende seines Lebens, im elektrischen Rollstuhl sitzend, den Schwarzbach porträtierte.

 

 

Die dritte Auflage ist erschienen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch ist in allen Buchhandlungen für 29,90€ erhältlich, es kann auch bei den Gesellschaften in Düsseldorf und Trier erworben werden.

 

Joseph Sudbrack (Mystikkenner des Jesuitenordens) würdigte 1993 die Erstauflage unseres Lesebuches wie folgt:

 

Das im Auftrag der Friedrich-Spee-Gesellschaft in Düsseldorf herausgegebene •Lesebuch"1 erfüllt die geweckten Erwartungen. Aus den drei bedeutenden Veröf- fentlichungen Spees, dem Güldenen Tugendbuch, der Trutznachtigall und der Cautio criminalis werden längere, möglichst im Zusammenhang wiedergegebene Texte vorgestellt. Es ist zu begrüßen, daß der heutige Leser die Lyrik der Trutz- nachtigall (einige andere Lieder sind in moderner Fassung mit abgedruckt) in der Originalsprache mit den notwendigen Hilfen in die Hand bekommt. Er wird sich - auch mit Hilfe der guten Hinführung - schnell einlesen und eher mit der Länge und den Wiederholungen der Lieder als mit ihrer Sprache Schwierigkeiten haben. Doch das ist eben Spee, das ist Barock! So die 33.(!) Strophe eines Dreifaltigkeits- liedes: •Gelobet sey der Einig Gott, / Zu tausend, tausend mahlen, / Zu tausendmahl Gott Sabaoth, / Vnd noch zu tausend mahlen. / Gelobet die Dreyfältigkeit, / Dreyfältig in Personen: / Gelobet die DreyEinigkeit, / DreyEinig in der Cro- nen." Die ausgewählten Texte der Cautio criminalis (Rechtliches Bedenken we- gen der Hexenprozesse) sind geschickt in eine neue Ordnung gebracht und mit ei- ner guten Einleitung versehen, um dem Leser den Überblick über die Angelegen- heit des Hexen wesens und Spees Kampf zu vermitteln. Ähnliches gilt vom Gülde- nen Tugendbuch, dessen erstaunlich ganzheitliche, von Ignatius beeinflußte As- kese/Mystik durch Kontrastierung zur Imitatio Christi der Devotio moderna ver- deutlicht wird; dabei kommt letzteres von Ignatius geliebte Buch doch zu schlecht weg. Zu erwähnen ist noch van Oorschots Aufsatz, der eine vorzügliche Biographie und Deutung Spees ist.

 

(In Geist und Leben. Zeitschrift für christliche Spiritualität 66. 1993. S. 73-78)

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man vom Kaiserswerther Markt die schmale Dauzenberg-Gasse zum Stiftsplatz benutzt, führt auf halbem Wege rechts eine Pforte zum Garten des ehemaligen Marien-Stiftes. Dort weist jetzt eine Tafel auf die Hospitzgruppe und das Spee-Archiv hin. 

 

 

Deutsche Dichtung des 16. und 17. Jahrhunderts

Der Textfundus des Spee-Archivs ist durch eine Spende erheblich bereichert worden. Es handelt sich um 33 Bände, 18 Bände zur Reformationszeit und 15 Bände zur Barockzeit. Der 13. Band der zweiten Abteilung gilt Friedrich Spee.

 

 

 

 

Wir können davon ausgehen, dass diese Textsammlung in etwa die Literatur enthält, die zu Spees Zeiten den gebildeten Lesern zur Verfügung stand. Die erste Abteilung erschien 1867-1883 bei F.A. Brockhaus, die zweite von 1869-1885 ebenda.

In Zusammenarbeit mit einigen Fachkollegen haben die Bücher Karl Goedeke (1814-1887) und Julius Tittmann (1814-1883) herausgegeben. Insbesondere Karl Goedeke, ein Schüler Jakob Grimms, zählt zu den Gründungsvätern der Wissenschaft von der deutschen Sprache und Literatur. Die Bände stammen ursprünglich aus der Lehrerbibliothek der 1836 gegründeten Cäcilienschule in Oldenburg, einer damaligen höheren Mädchenschule. Die Bände befinden sich in einem guten Zustand, sind im Stil ihrer Zeit gestaltet und werden unser Archiv auch optisch bereichern. 

Prof. Dr. Eckhard Grunewald schenkte dem Archiv die Bände zu dessem 20. Geburtstage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AUSBLICK

 
Wegen des Corona-Virus auf unbestimmten Termin verschoben! (Alle Terminangaben unter Vorbehalt)

 

 

DER 429. SPEE GEBURTSTAG

 

Traditionell gedenken der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth und die Spee-Gesellschaft Düsseldorf des Geburtstages  von Friedrich Spee. Wegen des Karnevals kann der Originaltemin (25. Februar) selten wahrgenommen werden.

Termin ist dieses Jahr der Dienstag, 17.03.2020 um 19 Uhr in der Kulturkirche der Kaiserswerther Diakonie. (Am Markt 26, das Gebäude kann ach von der Rückseite von der Fliednerstraße aus betreten werden.) 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Vortrag  Prof. Dr. Eckhard Grunewalds:

 

DER GENERAL UND DIE DICHTER

  

 
 

 

 

 

 

 

Eckhard Grunewald

 

                                  

 

 

 

Friedrich Spee, Martin Opitz und Ambrogio Spinola

Der Vortrag beleuchtet die bedeutsame Rolle, die der spanische General Ambrogio Spinola (1569-1630) – ohne es zu wissen – in der Entwicklung der deutschen Barockliteratur eingenommen hat. Spinolas Feldzüge in Deutschland bestimmten den Lebensweg von Martin Opitz (1597-1639) und inspirierten den Dichter zu einem seiner wichtigsten Werke. – Friedrich Spee (1591-1635), der Spinola bei dessen Besetzung Kaiserswerths 1605 persönlich hätte begegnen können (was aber wohl nicht geschah), kam später zumindest indirekt in Kontakt mit dem Feldherrn – durch den Beichtvater des Generals, den belgischen Jesuiten Herman Hugo (1588-1629). Dessen Hauptwerk, das mystische Erbauungsbuch „Pia Desideria“, beeinflusste Spee nicht nur literarisch, sondern bot auch die Vorlage für das Titelbild der „Trutznachtigall“. – Gewürdigt wird schließlich Ambrogio Spinola selbst, der zu seiner Zeit berühmt war für seine strategischen Fähigkeiten und vielleicht mehr noch für seine ritterliche Großherzigkeit, die sprichwörtliche „clementia Spinolae“, die er gegenüber besiegten Gegnern an den Tag legte. – Insgesamt bietet der Vortrag Einblicke in ein bislang wenig bekanntes literarisch-historisches Beziehungsgeflecht, das es zu sichten und zu entwirren lohnt.

 

 

 

 

 

FRIEDRICH SPEE - EIN LEBEN IM DREIßIGJÄHRIGEN KRIEG

 

Diesen Vortrag hält Hans Müskens im Evangelischen Gemeindezentrum Kaiserswerth (Fliednerstraße 6).

Termin: 11. Mai 2020, 19:30 Uhr

 

 

Callot: Schrecken des Krieges 11 (Wikipedia)

 

 

Friedrich Spee ist im Jahre 1618, als der Krieg beginnt, 27 Jahre alt. In dieser Zeit schließt er seine Ausbildung als Priester und Lehrer im Jesuitenorden ab. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod wird er immer wieder mit den Folgen des Krieges konfrontiert. In Peine (bei Hildesheim) wird ein Attentat auf ihn verübt. Aus Paderborn muss er zusammen mit seinen Ordensbrüdern wegen der Kriegsereignisse flüchten. In Köln erlebt er die Unzahl der Flüchtlinge, die in dieser Stadt Schutz suchen.

 

Trier ist die letzte Etappe in seinem Leben. Als die Stadt unmittelbar vom Krieg heimgesucht wird, nimmt er sich als Pfleger und Seelsorger der Verwundeten und Sterbenden in den Straßen und Häusern an. Er versteckt sich nicht hinter Klostermauern. Die Soldaten, die Trier erobern, schleppen – wie so oft – die Pestseuche mit in die Stadt ein. Auch jetzt noch pflegt Spee die Kranken und Sterbenden und begleitet sie auf ihrem letzten Weg. Dabei infiziert er sich und stirbt am 7. August 1635 im Alter von nur 44 Jahren.

 

Noch 13 Jahre dauert der Krieg, bis endlich 1648 der Frieden von Münster und Osnabrück geschlossen wird. Nun erst können zwei Bücher von Spee aufgelegt und gedruckt werden: das „Güldene Tugend-Buch“ und die „Trutz-Nachtigal“, zwei Werke, die er während der Kriegszeiten geschrieben hatte, und die jetzt Zeichen einer neuen Zeit werden.

 

Friedrich Spee hat sich nicht ausdrücklich zum Krieg geäußert. Trotzdem erfährt man auf eine ganz eigene Weise, wie sehr er unter dem Krieg und seinen Folgen gelitten hat. Es ist auch so etwas wie der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Warum musste das alles geschehen?“

 

 

EIN NACHMITTAG IM GARTEN VON FRIEDRICH SPEE

 

Zum 9. Juni 2020 laden gemeinsam die Friedrich-Spee-Akademie Düsseldorf und die Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf ein. Der Nachmittag wird die Teilnehmer/innen im historischen und gärtnerischen Umfeld mit ausgewählten Texten bekannt machen und Spees Schaffen in einen größeren Zusammenhang stellen.

Treffpunkt ist um 14:45 Uhr auf dem St. Suitbertus-Stiftsplatz am Spee-Epitaph (Siehe auch: Spee Archiv; Genius Loci; Foto von Julia Brabeck weiter unten).

Siehe auch: Programmheft der Friedrich-Spee-Akademie Düsseldorf, Seite 33 - www.fsa-duesseldorf.de

 

 

 

RÜCKBLICKE

 

 

 

70. Jahre Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth

Der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth ist geschichtlich so etwas wie der Mutter-Verein der Friedrich Spee Gesellschaft Düsseldorf. So ist es für uns selbstverständlich, dass wir uns bei der Feier des 70-jährigen Bestehens eingeschlossen fühlen. Die Gründung des Vereins ist eng verbunden mit dem Namen Herbert Eulenberg, dem bekannten Schriftsteller um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jhd.

Aus diesem Anlass fand ein Empfang in der Aula der Grundschule im Gebäude des ehemaligen Lyzeums der Diakonie statt.

 

 

 Herbert Eulenberg von Otto Dix

 

 

 

 

 

 

Foto: Julia Brabeck

 

Die Räume links von der Tür beherbergen die Hospizgruppe, rechts von der Tür befinden sich die Räume von der Spee-Gesellschaft. Diese Nachbarschaft in der Idylle währt nun schon zwanzig Jahre. Am 30. Oktober feierte die Hospizgruppe ihr Zwanzigjähriges. Wir freuen uns mit den Hospizlern und gratulieren.

 

 

Habilitation über Spee zweifach Preisgekrönt

 

Der 1972 in Paderborn geborene katholische Theologe mit Studienabschlüssen in Jura, Geschichte und Latein hat eine Habilitationsschrift "Folter und Geständnis: Friedrich Spee SJ (1591-1635) in der Gesellschaft Jesus" vorgelegt. Die Trierer Friedrich Spee Gesellschaft nahm diese Habilitation zum Anlass, dem Paderborner Theologen ihren Friedrich Spee Förderpreis zu verleihen. Die Vorsitzende der Trierer Gesellschaft, Frau Dr. Rita Voltmer, überreichte den Preis an Dr. Frank Sobiech (Mitte) zusammen mit dem Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Peter Kayser (links).

 

 

Foto: Jan Kreller

 

Frau Dr. Voltmer führte in ihrer Ladatio aus, dass Spee mit seiner "Cautio criminalis" (1631) gegen die Folter augmentiert habe, sich für generelle Unschuldsvermutung, Verteidigungsmöglichkeiten und unparteiische Richter eingesetzt habe. Damit habe er bis heute gültige Forderungen formuliert nach einer unabhängigen und menschenrechlichen Prinzipien folgenden Justiz. Dr. Sobiech habe eine wichtige Lektüre für jeden geschaffen, der sich mit Friedrich Spee, der Gegenreformation, mit der Konfessionalisierung, mit der Geschichte des Jesuitenordens und den Hexenverfolgungen beschäftigen möchte. Das Buch diene den gleichen Zwecken wie die Friedrich Spee Gesellschaft.

In seinem anschließenden Vortrag sprach der Preisträger viele Fassetten von Spees Leben an. Besonderen Wert legte er auf zeitgenössische Charakterisierungen, wie er sei ein kritischer Kopf und habe ein quecksilbriges Temperament gehabt.

Mit der Urkunde erhielt der Preisträger ein Preisgeld von 2000 Euro.

Die preisgekrönte Schrift erscheint ende des Jahres unter dem Titel "Jesuit Prison ministry in Witch Trials of the Holy Roman Empire: Friedrich Spee SJ and his cautio criminalis".

Mittlerweile hat Dr. Sobiech zusätzlich dem Ignaz -Theodor-Liborius-Meyer-Preis für seine Arbeit zugesprochen bekommen. Der Pres ehrt junge Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der westfälischen Landesgeschichte tätig sind und dort mit herausragenden Leistungen aufwarten. Benannt ist der preis nach dem Domkapitular, Archivar und Historiker gleichen Namens (1773-1843), dem Initiator und ersten Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Die feierliche Preisverleihung ist am 8. Dezember 2019, um 16:00 Uhr im Kapitelsaal des Generalvikariats, Domplatz 2, Paderborn.

 

  

 

Schulabschluss

Einige Schülerinnen und Schüler des Philosophiekurses Phil Gk 12.2 des Steinbart Gymnasiums Duisburg wünschten sich, in geselligem Rahmen ihren Schulabschluss zu begehen. Ihr Kursleiter Dieter Kunze schlug ihnen das Spee-Archiv vor. Damit wurden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Man hatte einen attraktiven Rahmen für das Beisammensein und nebenbei konnte der Kursleiter einiges über den historischen Ort und die Bedeutung Spees vermitteln. 

 

 

                                                                      Zum Programm gehörte auch die Lesung barocker Lyrik.

 

 

 

 

 

 

 

Spee-Epitaph 

 

 

 

 

 Mittlerweile hat die katholische Gemeinde unterhalb des Epitaphs einen informierenden Schriftzug anbringen lassen.

 

 

 

Eine Rose für die Dichterin - Eine Rose für den Dichter 

Die Spee-Gesellschaft hat sich der Aktion des Vereins LITERATURLANDSCHAFTEN angeschlossen. An jedem ersten Juni-Wochenende werden landesweit an Dichtergräbern oder anderen literarischen Gedenkorten (in unserem Falle am Spee-Epitaph) Rosen niedergelegt. In der Vergangenheit standen Rosen-Zitate von Hölderlin und Fontane im Mittelpunkt. Es ist in unseren Augen ein sinnvoller Brauch, das zentrale Gedenken in einem lokalen Gedenken zu spiegeln. In diesem Jahr steht Sophie Mereau-Brentano im Zentrum.  

 

 

 

"Wohl reizet die Rose mit sanfter Gewalt"; (zweite Strophe des Gedichtes Feuerfarb) 

 

 

 

FEUERFARB


Ich weiß eine Farbe, der bin ich so hold,
die achte ich höher als Silber und Gold,
die trag`ich so gerne um Stirn und Gewand,
und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.

Wohl reizet die Rose mit sanfter Gewalt;
doch bald ist verblichen die süße Gestalt:
drum ward sie zur Blume der Liebe geweiht;
bald schwindet ihr Zauber vom Hauche der Zeit.

Die Bläue des Himmels strahlt herrlich und mild;
drum gab man der Treue dies freundliche Bild.
Doch trübet manch Wölkchen den Äther so rein;
so schleichen beim Treuen oft Sorgen sich ein.

Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht,
heißt Farbe der Unschuld; doch dauert sie nicht.
Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid:
so trüben auch Unschuld Verleumdung und Neid.

Und Frühlings, von schmeichelnden Lüftchen entbrannt,
trägt Wäldchen und wiese der Hoffnung Gewand.
Bald welken die Blätter und sinken hinab:
so sinkt oft der Hoffnungen liebste in`s Grab.

Nur Wahrheit bleibt ewig, und wandelt sich nicht:
sie flammt wie der Sonne alleuchtendes Licht.
Ihr hab`ich mich ewig zu eigen geweiht.
wohl dem, der ihr blitzendes Auge nicht scheut!

Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold,
den heiligen Namen der Wahrheit gezollt? –
Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt,
und ruhige Dauer sie schützend umschließt.

Ihr schadet der nässende Regenguß nicht,
noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht;
drumtrag` ich so gern sie um Stirn und Gewand,
und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.

 

 

 

 

 

Das Gedicht der 22-jährigen Sophie Schubart erschien 1792 in Friedrich Justin Bertuchs JOURNAL DES LUXUS UND DER MODEN in Weimar. 1806 hat Ludwig van Bethoven es in seinem Opus 52, 8 LIEDERN ZUM PIANO, vertont. Der Zeit entsprechend wird der Name der Autorin, die inzwischen Sophie Mereau heißt, nicht genannt. 

 

Im Gedicht ist ein Begriff zentral, der lebenslag eine wichtige Bedeutung für die Dichterin hatte: die Wahrheit. Wahrheit ist gekoppelt an Freiheit und an die Liebe, das eine ohne das andere schließt sich aus für die Mereau,  Wahrheit schließlich empfand sie immer, wenn sie in der geliebten Natur war. Die Natur übermittelrte ein Gefühl der Wahrhaftigkeit, hier kam der Mensch zu sich und zur Erkenntnis seiner wahren Gefühle, somit zumit zur eigenen Wahrheit überhaupt. 

Daher ist dieses Gedicht bedeutsam, es kann als eine Art von Bekenntnis verstanden werden: Es geht der Dichterin um die unnachgiebige Verfolgung des eigenen Wegs. Er war nicht der Einfachste.

Sophie Mereau wurde nach Sophie von La Roche zu einer der ersten Berufssriftstellerinnen Deutschlands und hat Naturgedichte geschaffen, die sich auf eine Stufe mit den größten Zeitgenossen stellen, hier sind Goethe und Schiller zu nennen. Daneben entwickelte sie das wohl fortschrittlichste Konzept der freien Liebe im ausgehenden 18. Jhd.. (Aus Anette Seemann: Himmel und Hölle, doch Hölle vorherschend - Leben und Werk der Dichterin Sophie Mereau - in: tabularasa, 51). 

 

 

 

 

 

Hans Müskens, der Vorsitzende unserer Gesellschaft, brachte am Spee-Epitaph den symbolischen Gruß Friedrich Spees an. Das Faksimile der Unterschrift Spees entstammt einem Brief an den Ordensgeneral 1617: "Fridericus Spe sst = subscribit". 

 

 

 

 

Eine weitere Korrespondenz zum Rosenmotiv entnehmen wir den anonym erschienenen Geistlichen Liedern vor 1625: 

  

 

 

 

 

                

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuerscheinungen 

 

Hetty Kemmerich: Sagt, was ich gestehen soll. Ingrid Lessing-Verlag. Dortmung. 2011³.

(Mit Hilfe Hartmut Hegelers wurde das Buch digitalisiert: http://www.anton-praetorius.de/downloads/Kemmerich_Hexenprozesse_Rheinland_Chronik_Einzelschicksale.pdf)

 

 

 

 

Wir stellen ein Buch vor, das im Dezember 2017 herauskam. Erika Münster-Schroer ,,Hexenverfolgung und Kriminalität: Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit". Die Autorin hat sich über viele Jahre mit dem Thema ,,Hexenverfolgung" beschäftigt und durch zahlreiche Vorträge und Aufsätze immer wieder neue Aspekte gefunden bzw. ortsbezogene Phänomene näher untersucht. Einen der ersten Aufsätze zum Thema konnte sie im Spee-Jahrbuch Nr. 7 (2000) unterbringen. Jetzt hat sie erstmals das gesamte Gebiet der ehemaligen Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, das heute Teile des Maas- und Rheinlandes, des Bergischen Landes und des Ruhrgebietes umfasst, in den Blick genommen. Das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg galt in der älteren Forschung als wenig prozessfreudig im Hinblick auf die Hexenproblematik. Das mag für eine bestimmte Zeit gelten. Aber Münster-Schroer weist nach, dass es eben auch Zeiten und Orte gab, in denen Hexenverfolgungen durchaus zum Problem wurden. Das sieht man allein daran, dass einer der letzten Hexenprozesse am Niederrhein 1737/38 in Düsseldorf geführt wurde und zwei Frauen aus Gerresheim betraf. Das ist das letzte große Kapitel in ihrem Buch. Bis dahin beschreibt sie detailliert die ganze Thematik, angefangen bei der frühen Hexenverfolgungen um 1500. An zahlreichen Beispielen aus einzelnen Ortschaften im Herzogtum - veranschaulicht an konkreten Personen, die der Hexerei angeklagt wurden - zeichnet sie ein umfassendes Bild der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts. Somit wird auch Landesgeschichte in ihren zahlreichen Facetten erzählt. Die Quellen, die Münster-Schroer benutzt, sind die Gerichtsakten und vor allem die Amts- und Stadtrechnungen, die sich an zahlreichen Orten erhalten haben und aus denen sich oftmals die Prozesse und Gerichtsverfahren ablesen lassen. Ein mühsames aber - wie man sieht - erfolgreiches Forschen. Wichtig für die Autorin sind die bereits bekannten und veröffentlichten  Quellen, aber dann vor allem auch die handschriftlichen Quellen aus verschiedenen Archiven, die sie - oft zum ersten Mal - für eine Untersuchung herangezogen hat und hier zum Teil im Wortlaut nachzulesen sind. Bei der umfassenden Darstellung des Themas dürfen die Gegner der Hexenverfolgung nicht fehlen, hier vor allem Johann Weyer, der Leibarzt von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Weyer hat das Problem der Hexerei als Arzt untersucht und so maßgeblich Einfluss auf seinen Landesherrn genommen. In Weyers Schriften werden Bezüge zum Humanismus deutlich. Aus diesem Grund ist er auch auf dem Spee-Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth dargestellt.

 

Zur Autorin: Dr. Erika Münster-Schroer ist Historikerin und Germanistin. Sie ist Leiterin des Stadtarchivs und des Medienzentrums in Ratingen sowie Lehrbeauftragte im Fachbereich Frühe Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied der Friedrich-Spee-Gesellschaft.

 

Hans Müskens

 

 

Info:

Erika Münster-Schroer

Hexenverfolgung und Kriminalität

Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit

Essen 2017 (450 Seiten)

 

 

 

 Foto: Janicki, Dietrich  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Bedeutung die der Arzt Johannes Weyer für die Hexenproblematik hat, weshalb er auch in allen entsprechenden Publikationen erwähnt wird, verweisen wir auf die Gedenktafel aus dem Jahre 1926. Diese Gedenktafel schmückte damals den Eingang zur Medizinischen Akademie Düsseldorf. Diese ist heute in der Universitätsklinik aufgegangen und die Gedenktafel muss man heute ein wenig suchen unter der Adresse: Moorenstraße 5. Der Künstler war Karl Damian.

 

 

 

 

Holzschnit von dem 60-Jährigen Leibarzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ernst Müller: Literarisches Rheinland. Nyland-Stiftung Köln. Edition Virgines 2018.

 

 

Das Buch zählt 15 Kapitel. Es handelt sich um den Versuch, eine literarische Topographie des Rheinlandes zu erstellen. Behandelt werden Klassiker wie Goethe und Heine, Heinrich Böll aus Köln, Albert Vigoleis Thelen aus Viersen, der Frühsozialist Georg Weerth und andere. Das Nibelungenlied kommt in Xanten und Konrad von Würzburg in Kleve zur Sprache. Die Ironie des "Menschenschlages" vertritt Hans Dieter Hüsch aus Moers. Die Spee Freunde finden im fünften Kaiserswerth gewidmeten Kapitel vor allem den geistlichen Dichter gewürdigt. Der Autor geht unter anderem auf die unterschiedliche Namensgebung im Falle Spees ein. 

 

 

 

Foto: Petra Diedrichs 

Ernst Müller mit seinem Buch

 

 

Der Autor Ernst Müller liest für die Volkshochschule Viersen zur Zeit aus seinem Buch. Die daraus entstandenden Videos enthalten im zweiten Video den Abschnitt über Friedrich Spee und die Anmerkungen des Verfassers zu unserem Spee-Archiv in Kaiserswerth: https://vimeo.com/showcase/6999895

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fulda-Baltimore-Langenfeldt

 

Im Juni 2017 kündigte eine englisch sprechende Frau ihren Besuch im Spee-Archiv an. Es erschien eine junge, sportliche Frau, die sich als Stephanie Joyal aus Baltimore vorstellte.

 

Sie habe Griechisch und Latein studiert. Aufgrund dieser Sprachkenntnisse habe sie einen Jahresvertrag innerhalb des Digitalisierungsprojektes des Walters-Museums in Baltimore bekommen.

Das Walters Art Museum, das seine Ursprünge in den Kunstsammlungen von William Thompson Walters seit der Bürgerkriegszeit hat, beherbergt neben den Kunst-, Keramik-, Möbel- und Waffensammlungen auch seltene Handschriften, Drucke und alte Bücher. Letztere wurden und werden digitalisiert.

Stephanie Joyal erzählte uns, sie suche uns auf, weil in einem der von ihr bearbeiteten Bücher der Name Spee von Langenfeldt auftauche. Sie konnte uns die entsprechende Buchseite zeigen, wobei uns das Speesche Wappen sofort ins Auge fiel.

 

                                                                        

 

 

Es handelt sich um ein weitgehend handschriftliches Buch, das unter dem Titel LIBER AMICORUM OF JOANNES CAROLUS ERLENWEIN kategorisiert wurde. Es geht auf das Jahr 1615 zurück und versammelt Widmungen von Freunden, Bekannten, Verwandten und Studienfreunden aus Fulda - ein Vorläufer der Freundschaftsalmanache und Poesiealben.

 

Freundschaftsbuch Cover

 

Auf Seite 109 findet sich der Hinweis auf Spee von Langenfeldt und eine Sibilla Spee, die eine Schwester Friedrich Spees sein könnte.

 

 

Wir haben unserem Besuch unser Archiv, den Stiftsplatz mit dem Epitaph und Basilika sowie die Stelen im Stadtgarten gezeigt. Vor allem aber haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass Langenfeld hier ein Haus in Wankum ist und nicht ein Ort.

 

Haus Langenfeld im Ortsteil Wankum (Foto: Holger Bauer, pivatana)

 

Dieses Haus hat noch dem Großvater Friedrich Spees gehört, ist aber zu der Zeit des Eintrages von Sibilla Spee (1618) nicht mehr im Besitz der Familie.

Beim Abschied haben wir uns versprochen in Kontakt zu bleiben.

 

Online-Bibliothek Walter Arts Museum

 

 

Weitere Recherchen

Nichts spricht dagegen, dass die im LIBER AMICORUM auftretende Sibilla Spee von Langenfeldt eine Schwester Friedrich Spees ist. Vielleicht diente ja der Zusatz "von Langenfeldt" 1618 zur Kennzeichnung des Familienzweiges des Burgvogtes, obwohl der Besitz in Langenfeld veräußert war, gewissermaßen die Linie Langenfeld.

 

Zu den Ämtern Linn und Uerdingen gibt es Wikipedia-Artikel. In beiden Artikeln findet sich der Hinweis "Im 18. Jahrhundert hatte die Schultheißen-Familie Erlenwein eine bedeutende Machtposition". Damit sind wir bei der Familie unseres Johann Karl Erlenwein angelangt. Der Vater Johann Karls war Theobalt Erlenwein, seit 1589 Schultheiß zu Linn und Uerdingen, Schiffszoll-Einnehmer zu Kaiserswerth. Er starb wahrscheinlich 1631 in Kaiserswerth. Sein Sohn Johann Karl Erlenwein (1595-1667) hatte das Schultheißen-Amt in Linn und Uerdingen von 1623 bis 1666 inne.

 

Im heutigen Behördenverständnis kann man das Schultheißen-Amt folgendermaßen umschreiben: Kreisdirektor, Oberzollrat, Leiter des Finanzamtes, Polizeidirektor und Direktor des Amtsgerichtes.

 

Johann Karl zog für seinen Kurfürsten in den Krieg. Für seine Verdienste erhielt er von König Ludwig XIII. eine goldene Gedenkmünze. Den Paderbornern brachte er die Reliquien des Heiligen Liborius zurück. Zum Dank erhielt er einen Ehrenbecher. Erzbischof und Kurfürst Ferdinand überreichte ihm eine goldene Ehrenmünze, Zeichen für eine erfolgreiche Amtsführung. 1663 wurde der Schultheiß Johann Karl Erlenwein Binnenumschlagsspediteur und Lagerhalter. Ein Vorgriff auf die noch heute existierende Spedition in Krefeld, als deren Gründer Balthasar Karl Hubert (1831-69) gilt. Der Bruder Ferdinand August Karl Hubert (1827-65) übernahm das Destilleriegeschäft und gilt als Gründer der Likörfabrik August Erlenwein & Cremer (1863). Wir sehen, dass die Freundschaftsbeziehung der Spee-Schwester einer angesehenen Familie galt.

 

(Dr. Heribert Houben aus Krefeld und Rolf-Günter Stefan, dem Geschäftsführer der Düsseldorfer Spee-Gesellschaft, danken wir für sachdienliche Literaturhinweise.)

 

 

Kurfürst und Erzbischof Ferdinand war der Landesherr des Amtmannes Peter Spee und des Schultheißen Johann Karl Erlenwein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 Vor 303 Jahren

starb am 14.11 in Hannover Gottfried Wilhelm Leibniz. 1646 wurde er in Leipzig geboren. Der universelle Gelehrte war Philosoph, Mathematiker, Historiker, Naturforscher und Diplomat. In seinem rastlosen Leben verfasste er nur wenige Werke, die abgeschlossen auf uns gekommen sind. Sein Werk besteht zum größten Teil aus Notizen, Entwürfen und Briefen. Erst heute wird der riesige Nachlass erschlossen.

 

 

Porträt von Christoph Bernhard Francke, um 1700

 

Griechisch und Latein lernte der junge Leibniz als Autodidakt. Das humanistische Studium genügte ihm bald nicht, er wandte sich der Logik zu. Getreu seinem Wahlspruch THEORIA CUM PRAXI entwickelte er im Zusammenhang seiner logischen und mathematischen Studien die erste mechanische Rechenmaschine, die dividierte und multiplizierte (1674). Die Zeichen für Multiplikation (Punkt) und Division (Doppelpunkt) stammen von Leibniz. Er entwarf die Infinitesimalrechnung. Als Bibliothekar führte er als erster den

alphabetischen Katalog ein.

1710 erschien die Theodicée (=Rechtfertigung Gottes). Seine letzten Lebensjahre waren überschattet von dem Prioritätenstreit über die Differentialrechnung mit Newton.

Als der zuletzt kränkelnde Leibniz in Hannover starb, stand ihm als Hofrat eine Begräbnisstätte in der Hofkirche zu. Zur offiziellen Trauerfeier waren auch korrekt alle Hofbeamte geladen worden, aber sein Sekretär Johann Georg von Eckhart war der einzige Trauergast. Die Familie war im entfernten Leipzig, und die Hannoveraner fanden sich für den fremden Gelehrten nicht verantwortlich.

 

Karl-Jürgen Miesen † hat seinerzeit in einem Vortrag vor der katholischen Studenten- und Hochschulgemeinde Hannover auf die Würdigung Spees durch Leibniz hingewiesen. Wir zitieren aus der Einleitung zum Vortrag:

 

 

,,Kaum eine Größe des deutschen Geisteslebens hat mehr zum frühen Nachruhm Friedrich Spees beigetragen als Leibniz. Über dreißigmal hat der hannoverische Philosoph und Jurist, Historiograph und Mathematiker in seinen Werken und Briefen Friedrich Spee lobend erwähnt;

er soll gar eine ausführliche Würdigung Spees vorgehabt haben, aber nicht dazu gekommen sein; gewiß aber hat er ein vierseitiges Elogium Patris Friderici Spee SJ', eine Lobrede also, auf Pater Friedrich Spee gehalten, dessen Werk gegen die Hexenverfolgungen Cautio criminalis er hier preist und dessen asketische Schrift »Gülden-tugend-Kleinod «er sich» in den Händen aller Christen« wünscht. »Blühend schön ist hier der Gedankenfluß und gleichsam himmlischen Atem ausströmend«, rühmt Leibniz das Spee-Werk, »die Aussagen sind großartig, die Ausführungen einsichtig und naturgemäß, die Einfälle geistvoll und wohltuend.«"

Quelle: Spee-Jahrbuch 7. Jg. 2000, S. 167f.

 

Siehe hierzu auch Günter Dengel in unserem Friedrich Spee-Lesebuch, S. 82ff.

 

 

 

 

 

 

Düsseldorf - Literarisch

Unter der Leitung von Dr. Corinna Schlicht und Prof. Dr. Jörg Wesche bot die Universität Duisburg-Essen ein Seminar Düsseldorf - Literarisch an. Zum Seminarprogramm gehörte eine Tagesexkursion nach Düsseldorf. Ein Besuch im Spee-Archiv stand selbstverständlich auf ihrem Programm.

Bei der Vorstellung des Spee-Epitaphs suchen wir oft an dem etwas versteckten Hakenkreuz. Auf diesem Foto ist es aus günstiger Perspektive gut zu erkennen.

 

Irritation

Unlängst erreichte uns eine e-Mail eines Kaiserswerth-Besuchers, den das Hakenkreuz irritiert hatte. Wir weisen deshalb darauf hin, dass der Künstler auf der linken Seite des Epitaphes, vom Betrachter aus, im Rahmen des Bildes vom Jüngsten Gericht eine Linie der gesellschaftlichen "Sündenfälle" zitiert. Das beginnt mit den japanischen Haritsuke, Kreuzigungen, die Missionaren des 16. und 17. Jhd. galten, und endet in einer Ansammlung von Folterwerkzeugen, wo sich auch das Hakenkreuz befindet. Damit gewinnt es seinen Stellenwert innerhalb dieses Bedeutungszusammenhanges.   

 

 

Dieses Stillleben aus den Regalen des Archivs dokumentiert unsere ständige Konkurrenz mit dem Waschmittel der Henkelwerke¹.

 

 

 

 

Die Fotos verdanken wir Herrn Tim Wübbels, einem der Seminarteilnehmer.

 

 

 

¹ "Spee" ist seit der deutschen Wiedervereinigung eine Marke für Waschmittel von Henkel. Die Marke steht für Spezial-Entwicklung. Spee war eine der wenigen ostdeutschen Marken, die sich nach der Wende in den westlichen Bundesländern durchsetzen konnte. (Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Norbert-Gymnasium Knechtsteden erfahren wir von einem neuen Musikzentrum der Schule. Leonard Bernstein, Louis Armstrong und Friedrich Spee sind die Namenspatrone der neuen Musik-, Proben- und Konzert-Räume. Die Eröffnung feierte die Schule am 03. März 2016.

Aus einer ehemaligen Kapelle wurde der Friedrich-Spee-Saal mit einer kleinen Bühne und Platz für etwa 120 Zuhörer oder Zuschauer gestaltet. Um diesen neu gewonnenen Raum sowohl für Konzerte und Schulaufführungen als auch das Musizieren im Unterricht und in den AGs nutzen zu können, wurden zusätzliche zwei angrenzende Schulräume renoviert und modernisiert. Zusammen bilden diese drei Räume, der Friedrich-Spee-Saal, der Louis-Armstrong- und der Leonard-Bernstein-Raum das neue Musikzentrum des Norbert-Gymnasiums.

 

Wir vermelden dieses Ereignis gerne als Beleg dafür, wie lebendig der Name Friedrich Spees in der Erinnerungskultur des Niederrheins ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peine - Das Attentat bei Woltorf (1628/29)

Ab dem Herbst 1628 wurde Friedrich Spee in Peine und Umgebung eingesetzt, um dort die Rekatholisierung voranzutreiben. Zu diesem Engagement gehörten auch repressive Maßnahmen, die nicht recht zu unserem Spee-Bild passen wollen (Siehe dazu: Theo. G. M. van Orschoot in unserem Spee-Lesebuch).

Die katholische Kirchengemeinde zu den HEILIGEN ENGELN in Peine gedenkt mit der Namensgebung des Gemeindehauses des Jesuiten Paters.

 

 

 

 

Die Stadt Peine hat eine Gedenktafel vorzuweisen:

 

 

 

Mittlerweile hat der städtische Alltag die Tafel aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit verdrängt.

 

 

 

Wer es weiß, findet die schwarze Tafel oberhalb der Sonnenschirme zwischen den beiden unteren Fenstern.

 

Reinhold Schneider schildert das Attentat auf Spee:

 

 

 

(Quelle: Friedrich von Spee: TRUTZ-NACHTIGALL. Auswahl mit einem Essay von Reinhold Schneider - Gürzenich Bücherei. Köln 1947)

 

 

 

 

Rekonvaleszenz im Stift Falkenhagen (1629)

 

 

 

In unserem "Lebenslauf von Friedrich Spee" ist die Rekonvaleszenzzeit in Falkenhagen vermerkt. In der Peiner Gegend war auf Spee ein Attentat verübt worden. Dabei erlitt er lebensbedrohliche Verletzungen. Der in Falkenhagen um seine Genesung ringende Spee steht im Mittelpunkt eines 1937 von Reinhold Schneider veröffentlichten Essays. Hier ein Ausschnitt:

 

Endlich lenkte Spee wieder in die Richtung nach Falkenhagen ein; es erhob sich, während er auf und nieder getragen wurde, die Felder sacht vorüberglitten, der helle Wald sich öffnete und schloß und wieder öffnete, in ihm ein Klingen, das aus all den vorüberziehenden Dingen zu tönen schien, um in seiner Seele sich zu sammeln und Gestalt zu werden: so hatte er, wohl nach längerem Ritt, als ihn je ein Reiter zwischen Corvey und Falkenhagen getan, erst in der Dämmerung zwischen den Stämmen des zurückweichenden Waldes den Blick über die brachliegenden Felder auf die nackten Dachsparren der Klosterkirche. Er hatte freilich keinen Wohlstand erwartet, doch im Heranreiten sah er nun, daß es auch hier weit schlimmer stand, als er vermutet; wohl schon seit Jahr und Tag mochte kein Pflug mehr gegangen sein über die verwilderte, überwucherte Erde, und Flammen, Regen und Sturm schienen abwechselnd in dem alten hochragenden Mauerwerk der Kirche und des Klosterbaus eingekehrt zu sein: Falkenhagen der bedeutendste Grundbesitz des Jesuitenkollegiums zu Paderborn, dem Spee angehörte, hatte, trotz seiner Abgeschiedenheit, kein besseres Schicksal gehabt als die alte Bischofs- und Kaiserstadt vor dem Teutoburger Wald, ja, vielleicht noch ein schlimmeres. Doch da der Reisende nun in den Bereich der zerstörten Mauer kam, sah er wohl, daß hier tapfere Hände den Kampf aufgenommen hatten mit Steinen und Dornen; zaghaft und spärlich sproß die Saat, in einem schmalen Bande den Mauertrümmern folgend, aus der Erde auf, deren Kraft kein Brand und Hufschlag hatten töten können. Und als Spee, der abgestiegen war, die müde und widerwillig gehorchende Pforte aufgestoßen hatte, da, im letzten ausgegossenen Licht des Tages, empfing ihn der kleine Garten mit einem so fröhlichen Blühen und Leuchten seiner enggedrängten Stauden und Büsche, daß er ergriffen vor dem schon schlafenden Bienenhaus verweilte, ehe er sich nach einer Unterkunft für sein Grautier umsah.

 

Im Mai hat Hans Müskens Falkenhagen besucht und für uns die Spee-Gedenktafel an der katholischen Kirche St. Michael beim Kloster Falkenhagen fotografiert.

 

 

 

 

Die Detailaufnahme des inneren Portait-Kreises zeigt uns deutlich die Anspielungen auf die Wirkungsstätten Spees.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blinde und Sehbehinderte im historischen Kaiserswerth

 

Foto: Lokalkurier

 

 

Mit Mitte Mai fand, wie der LOKALKURIER am 11. Juni 2015 berichtet, eine historische Stadtführung für Blinde und Sehbehinderte statt. Besonders berührt hat uns, wie die Teilnehmer am Spee-Epitaph den Vortrag ertasten.

 

 

  

 

 

Zum 400. Geburtstag Friedrich Spees gab die deutsche Bundespost eine Gedenkbriefmarke heraus, die von der Grafikerin Frau Graschberger gestaltet wurde.

 

 

Die Sankt-Ansgar-Schule - Staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium jesuitischer Tradition (Hamburg) - hat diese Briefmarke in Großformat zur Gestaltung ihrer Cafeteria verwendet.

 

Mit der Bezeichnung "Spee-Haus" hat die Schule schon vor einiger Zeit dem Jesuitenpater ein Denkmal gesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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