Friedrich Spee Gesellschaft e.V. Düsseldorf

 
Ralf Stefan, unser Geschäftsführer, wurde geehrt!
 
Mit dem Rheinlandtaler ehrt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) seit 1976 Menschen, die sich in besonderer Weise um die kulturelle Entwicklung des Rheinlands verdient gemacht haben. Der Taler zeigt das Gesicht der Medusa und wurde von dem rheinischen Künstler Wolfgang Reuter gestaltet. Er orientierte sich dabei an dem 1952 gefundenen Abbild an einer der Quellfassungen der Eifelwasserleitung, dem Grünen Pütz. Ausgezeichnet wird neben ehrenamtlichem Engagement vor allem auch der Einsatz im Bereich der Denkmal- und Bodendenkmalpflege, im Bereich der Archivs- und Museumspflege sowie der besondere Einsatz für die Erforschung der Landesgeschichte, für Volkskunde, Mundartpflege und Sprachgeschichte. Auch besondere Verdienste im Bereich der Naturkunde und des Naturschutzes sowie seit 1996 auch Verdienste um das multinationale Zusammenleben zwischen einzelnen Ethnien im Rheinland können mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet werden. Über die Verleihung der Auszeichnung entscheidet der Kulturausschuss in einer siebenköpfigen Auswahlkommission.

 

Ralf-Günter Stefan (l.) und Dr. h.c. Hans Josef Rothkamp (r.) sind für die Archivierung lokaler geschichtlicher Sammlungen mit dem Rheinlandtaler Kultur ausgezeichnet worden. Während Stefan sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um die historische Bibliothek in der Sammlung des Museums Burg Linn bemüht und verschiedene Ausstellungen kuratiert hat, hat sich Rothkamp vor allem um die Hürther und Brühler Stadtgeschichte verdient gemacht und stellt seine umfangreichen historischen Unterlagen für Ausstellungen immer wieder kostenlos zur Verfügung.

 

 

 

Einen Einblick in die Tätigkeit von Ralf Stefan zeigt uns das Foto unten aus Burg Linn, wo unlängst Ralf Stefan an einer Märchenausstellung und Darbietung maßgeblich mitgearbeitet hat. 

 

 

 

 

 

 

 
Jaques Tilly´s Wimmelbild von Düsseldorf
 
Der bekannte Gestalter des düsseldorfer Rosenmontagszuges hat im Jahre 2019 einen Kalender entworfen mit Wimmelbildern zu Nord-Rhein-Westfälischen Metropolen. Auf dem Blatt zu Düsseldorf finden wir unten links am Rhein das Bildnis Friedrich Spees direkt über der Ruine der Kaiserpfalz. Damit schließt sich Tilly der wahrscheinlicheren geschichtlichen Version an, dass Friedrich Spee in der Dienstwohnung seines Vaters geboren wurde, der Vogt der Kaiserpfalz war. Es gibt allerdings auch die bekannte Legende, dass er im Hause Nummer 11 am Suitbertus-Stifts-Platz geboren worden sei. In dem Hause befindet sich ja bekanntlich unser Spee-Archiv.    
 

 
 
 
 
Spee-Kreuzworträtsel
In der Wochenendausgabe der SZ vom 7/8. August wurde im Kreuzworträtsel nach einem deutschen Dichter, Jesuit gest. 1635 gefragt. Die Rätselfreunde bestätigen, dass das nicht häufig geschieht. Deshalb sei es hier vermerkt und belegt:
 
 

 

 
 
Paul Michel
Physikotheologie
Ursprünge, Leistung und Niedergang einer Denkform

 

Neujahrsblatt auf das Jahr 2008
Herausgegeben von der Gelehrten Gesellschaft in Zürich
(Nachfolgerin der Gesellschaft der Gelehrten auf der Chorherrenstube am
Großmünster)
vormals zum Besten des Waisenhauses 171. Stück
Als Fortsetzung der Neujahrsblätter der Chorherrenstube Nr. 229

 

Friedrich Spee 

S.J. (1590–1635) schreibt in seiner bis ins 19. Jahrhundet in beiden Konfessionen gern gelesenen »Trutznachtigall« (erster Druck 1649) einige Gedichte, die Anleitung zur erkandnuß vnd Liebe des Schöpffers auß den Geschöpfen sein wollen. Hier einige Strophen aus dem Gedicht mit dem Titel Lob des Schöpffers darinn ein kleines wercklein seiner Weißheit, nemblich die wunder liebliche Handthirung der Jmmen oder Bienen poëtisch beschrieben wird:
 
(23, Str. 10)
In lauter Wachs, vnd Hönig
Verwendt sich alle beut,
So mancher Fürst, vnd König
Geneußt mit hertzenfrewd.
Von blumen was sie schaben,
Was sie da fricklen auß,
Wird gleich zur Hönig Waben,
Wans ihnen kombt nach hauß.
(Str. 16)
Offt wan sichs han verweilet
Auf gar zu blossem Feld,
 
 
.....................................
173 Friedrich SPEE, Trvtz-Nachtigal, kritische Ausgabe nach der Trierer Handschrift, hg. von
Theo G. M. van Oorschot, Stuttgart 1985 (Reclams Universalibliothek 2596); Nr. 21 95
 
 
 
Vom Abend vbereylet
Ohn unterschleiff, vnd zelt,
Ob allem dan sie sorgen
Für ihre Flügel zart,
Daß die biß auff den Morgen
Vor Feuchte seyn bewart.
 
(Str. 30)
Gar sehr sie sich vermehren,
Doch keusch ohn heurath sein;
Ohn Lieb sie sich beschweren
Mit süssen kinderlein.
Sie nur von Blumen lesen
Die Kleinen ihrer art;
Da findet sich das wesen
All ihrer Erben zart.
 
(Str. 42)
O Schöpffer der Naturen!
Hoch schwellet mir der Mut,
Wan Dich der Creaturen
Man danckbar loben thut:
Nun dancken wir von hertzen
Dem Schöpffer Lobesan,
Dem sie so manche Kertzen
Mitt frewden stecken an.

 

 

(Physikotheologie: Der Schluss von der wunderbaren Schöpfung auf die wunderbare und allmächtige Gottheit).

 

 

Fundstück: Franz von Seeburg, Die Hexenrichter von Würzburg. 


 

Franz von Seebrug ist das Pseudonym, das sich Franz Xaver Hacker als Schriftsteller zugelegt hat. DAS MARIENKIND (obiges Bild) war sein erster schriftstellerischer Versuch und zugleich sein erfolgreichster. Franz Xaver Hacker war zeitweise Priester in Seebrug am Starnberger See.

 

Hacker wurde 1836 in Nymphenburg geboren. Nach der Volksschule besuchte er das Willhelmsgymnasium in München, das er 1855 mit dem Abitur verließ. In Freising, Metten und München studierte er Philosophie, Jura und Theologie. 1859 erhielt er die Priesterweihe. 1865 erkrankte Hacker schwer und konnte sein priesterliches Amt nur noch teilweise ausüben. Zur Erholung wurde er nach Seeburg am Starnberger See geschickt. Der Verleger Friedrich Pustet wurde auf Xavers Erstling DAS MARIENBILD in einer tiroler Zeitschrift aufmerksam. Er besuchte den Verfasser an seinem Erholungsort und die beiden Männer schlossen Freundschaft.

 

Im Pustet Verlag erschienen dann die zumeist kulturhistorisch ausgerichteten Novellen und Romane Hackers. Die lebensnahen und volkstümlichen Schriften waren überaus erfolgreich. Teilweise werden sie bis heute nachgedruckt.    

 

 

 

 

Unser Exemplar von DIE HEXENRICHTER VON WÜRZBURG präsentiert sich in einem schönen Jugendstil Einband. Die Novelle erzählt von der segensreichen Einflussnahme Friedrich Spees auf die Würzburger Hexenprozesse. In Würzburg absolvierte Spee 1612 bis 1615 sein Noviziat. Sein Einschreiten bei den dortigen Hexenprozessen ist wohl Fiktion.

 

Franz Xaver Hacker starb am 28. Januar 1894 in München. 

 

Der von uns wiedergegebene Novellenauschnitt (unten) zeigt, dass der Verfasser in seinem literarischen Text Originaltexte eingearbeitet hat und den Fundort korrekt in Fußnoten angibt.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Website!

 

Die Trierer Schwestergesellschaft hat eine neue website eingerichtet. Sie erreichen sie unter: 

Home - Friedrich-Spee-Portal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*(Nebenstehend das Logo der Trierer Gesellschaft)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Rose für den Dichter - Dieses Jahr: Wolfgang Borchert

Wie jedes jahr schließt die Spee-Gesellschaft sich der Rosenaktion des Vereins LITERATURLANDSCHAFTEN an.  Wolfgang Borchert (1921-47), der namenhafteste Vertreter der sogennannten TRÜMMERLITERATUR, wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden. Ihm gilt diesmal unser Rosengedächtnis. 

 

 

 

Kleine blasse Rose!

Der Wind, von Luv, der lose,

der dich zerwühlte,

als wär dein Blatt das Kleid von einer Hafenfrau –

er kam so wild und kam so grau!

(1. Strophe)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sein Urnengrab (Ohlsdorfer Friedhof, Hamburg) deckt eine kleine, gestufte Liegeplatte, auf der seine Lebensdaten und die seiner Eltern verzeichnet sind, die an der gleichen Stelle bestattet wurden. Das Umfeld der Grabstätte wird im Volksmund auch „Dichterecke“ genannt.

 

Die kleine Feierstund am Spee-Epitaph an der Kaiserswerther Basilika fand am 5. Juni zwischen 15 und 16 Uhr statt. 

 

Die korrespondierenden Zeilen von Friedrich Spee entnehmen wir TRUTZNACHTIGAL 22, Strophen 1 und 8:

 

Lob Gottes auß beschreibung der frölichen Sommerzeit

 

Jetzt wicklet sich der himmel auff/

Jetzt bwegen sich die räder/

Der Frühling rüstet sich zum lauff

Vmbgürt mit rosen-feder.

O wie so schön/ wie frisch vnd krauß!

Wie glantzendt Elementen!

Nit mügens gnugsam streichen auß[117]

Noch Redner/ noch Scribenten.

O Gott ich sing von hertzen mein/ 

Gelobet muß der Schöpffer sein.

 

Die blümlein/ schaw/ wie trettens an/

Vnd wunder schön sich arten!

Violen rosen/ tulipan/

All kleinod stoltz in garten/

Jacynthen/ vnd Gamanderlein/

Dan saffran/ vnd Lauendel;

Auch schwertlein/ gilgen/ nägelein/

Narciß/ vnd sonnenwendel.

O Gott ich sing von hertzen mein/

Gelobet muß der Schöpffer sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Zeit bietet den bequemsten Zugang zur Speeschen Lyrik die von Theo M. van Oorschot besorgte kritische Ausgabe bei Reclam (Nr. 2596)

 

 

 

 

 

Trotz unbeständigen Wetters verfogten einige Spaziergänger die kleine Zeremonie. Einige von ihnen besuchten anschließend unser Spee-Archiv.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wanderausstellung der ALG 

 

Was bleibet aber… Literatur im Land

 

Vor einige Tagen bekamen wir den repräsentativen Katalog zur Wanderausstellung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaft und Gedenkstätten (ALG) zugeschickt. Er berichtet ausführlich und anschaulich über die zur Zeit an wechselnden Orten in Deutschland gezeigte Ausstellung „Was aber bleibt … Literatur im Land“.  Der Katalog ist mit seinen rund 180 Seiten gleichzeitig  ein Lesebuch mit eindrucksvollen aktuellen Themen zur Literatur (1. Teil) und einer Auswahl von Autorinnen und Autoren geordnet nach Bundesländern (2. Teil). Hier hat auch Friedrich Spee „seine“ Tafel unter dem Thema „Kritiker der Hexenverfolgung“.  

 

 

Katalog: „Was bleibet aber … Literatur im Land“, Herausgeberin: Christiane Kussin, Berlin 2021 (ALG) 

 

 

 

 

Wenn diese Nachricht nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Rundbrief Nummer 6 - 2021

Liebe Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,

heute erhalten Sie den aktuellen Rundbrief der ALG mit Informationen, Veranstaltungshinweisen und Neuigkeiten aus den literarischen Museen, Institutionen, Gedenkstätten und Gesellschaften.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

 

Hinweis: Bitte informieren Sie sich über die aktuellen Anmelde- und Reservierungsmodalitäten, mögliche Terminänderungen und COVID 19-Regelungen auf den jeweiligen Webseiten der Veranstalter!

 

(Siehe auch in "Wir über uns").

 

 

 

Bild vom 430. Spee-Geburtstag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spees Adventslied in der SZ

 

Unter der Überschrift Dieses Fest ist leiser als sonst verfasste Matthias Drobinski eine Weihnachtskolumne, die auf Spees Adventslied O Heiland reiß die Himmel auf Bezug nimmt:

 

„Die Illusion ist dahin, Wohlstand und Globalisierung könnten unverwundbar machen

Das passende Adventslied zu dieser Zeit wird übernächstes Jahr 400 Jahre alt. 1622 wurde es erstmals gedruckt, verfasst hat es vermutlich der Jesuitenpater Friedrich Spee von Langenfeld. "O Heiland reiß die Himmel auf!", ruft der Dichter ins Dunkle. "Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für!" Der Schrei kommt mitten aus dem Leben Spees.

Seit vier Jahren herrscht Krieg. Die Pest entvölkert Städte und Dörfer. Hexen sollen schuld sein an dem Elend. Folterknechte pressen den Frauen Geständnisse ab, die sie auf den Scheiterhaufen bringen. Es heißt, Spee habe den gefolterten Frauen die Beichte abgenommen. Ihre Verzweiflung verzweifelt ihn. Er schreibt gegen die Hexenprozesse an. Die Folge: Er wird strafversetzt nach Trier zu den Pestkranken, er infiziert sich, stirbt mit 44 Jahren.“

 

Der vollständige Text: Weihnachten und Corona: Das Fest ist leiser als sonst - Gesellschaft - SZ.de (sueddeutsche.de)

Diese Kolumne von Matthias Dobrinski weckte in uns die Erinnerung an einen ähnlichen Weihnachtskommentar von Heribert Prantl aus dem Jahre 2016:

 

„Es gibt Zeiten der Verzweiflung. In einer solchen Zeit schrieb der Jesuit Friedrich Spee das Lied "O Heiland reiß die Himmel auf". Das war vor bald 400 Jahren, im Dreißigjährigen Krieg, es war die Zeit der Hexenverfolgung; Spee war ihr leidenschaftlicher Gegner - und er war der Beichtvater ihrer Opfer. Er hat die Folter gesehen, den Hass des Mobs und den Wahn in den Augen der Richter. Er hat die Opfer in Blut und Ekel liegen sehen. Er hat die Urteile gehört, Urteile "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Er wusste um die Unschuld der Opfer, aber er hat kein Urteil verhindern, er hat nur trösten können. Er hat sich überlegt, ob er sich selbst "den kopff herunter hawen" lässt. Aber dann hat er ihn lieber zum Denken benutzt, hat weitergetröstet und weiterbegleitet zum Scheiterhaufen - und Gott angeschrien in seinem Lied: Reiß auf! Reiß ab! Schlag aus!

Das Lied ist kein Klingeling. Es ist der bittere Ruf nach Gerechtigkeit; es ist die Klage darüber, dass Weihnachten nicht kommt, obwohl es im Kalender steht. Die Klage legt die Enttäuschung frei und bricht der Sehnsucht Bahn. Sie ist der Versuch, sich zu wehren gegen kollektiven Wahn. Spee flieht nicht, auch nicht in simple Antworten. Er konnte den Terror nicht stoppen; aber er konnte tun, was ein Einzelner tun kann: ihn anklagen. Das hat er getan: Er hat es nicht bei Forderungen an den himmlischen Heiland belassen; er wurde zum Widerständler, zum Whistleblower des 17. Jahrhunderts.“

Der vollständige Text: Anschlag in Berlin, Terror 2016: Nicht verzweifeln - Politik - SZ.de (sueddeutsche.de)

 

Christian Feldmann, der im Herder Verlag 1993 eine Spee-Biographie veröffentlicht hat, schrieb ebenfalls eine Weihnachtskolumne über das Adventslied: 

 

 

 

21.12.2020
Weihnachten und Advent 202 

Welche Geschichte steckt hinter dem Adventslied "O Heiland, reiß die Himmel auf"?

"Es ist ein beunruhigender, herber, bedrängender Text. Ein verzweifeltes Weinen im Dunkel. Ein stürmisches Rufen nach Gott, der den Himmel aufreißen, die Riegel abreißen, zu seiner verwüsteten Schöpfung herablaufen und die verlorenen Menschen retten soll.

Und das nicht irgendwann, bei der endgültigen Abrechnung am Jüngsten Tag, sondern jetzt, auf der Stelle, ganz schnell. Die harten Bilder von Finsternis und Verzweiflung hat Spee beim Propheten Jesaja entlehnt. Es überrascht nicht, dass die evangelische Jugend- und Singbewegung das eine Zeit lang vergessene Lied ausgerechnet während des Ersten Weltkriegs wiederentdeckt hat."

 

 

Erstdruck von 1630; Wikipedia

 

Vollständiger Text der kolumne; siehe: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/welche-geschichte-steckt-hinter-dem-adventslied-o-heiland-reiss-die-himmel-auf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein „neues“ Speebild

 

Anfang des Jahres 2021 entdeckte ich ein „neues“ Speebild. Es ist ein Bronzerelief, gestaltet von dem Kölner Künstler Egino Weinert. So ganz neu ist es nicht. Denn das Relief hat der Künstler bereits in den Jahren 2002/2003 entworfen und in Bronze gießen lassen. Aber jetzt erst in diesen Tagen habe ich  es im Internet gefunden. Es bereichert die Sammlung von unterschiedlichen bildlichen Darstellungen des berühmten Kaiserswerthers im Besitz des Spee-Archiv.

Das Relief ist ca. 16 x 20 cm groß und zeigt Friedrich Spee, frontal an einer Tischplatte. Er schaut den Betrachter an. Kennzeichnend für den Dichter und Seelsorger ist die Schreibfeder in der rechten Hand, mit der er ein angedeutetes  Blatt Papier beschreibt.  Die linke Hand stützt sich auf die Tischplatte. Auffällig sind die klar gestalteten Gesichtszüge. Das erinnert an zeitgleiche oder frühere Spee-Darstellungen anderer Künstler. Auffällig ist hier die hohe Stirn. Dabei wirken  Frisur sowie  Bart eher „modern“. Kennzeichen seines Amtes ist der angedeutete Kragen einer Soutane.

Die Überschrift zum Bild lautet: PATER FRIEDRICH SPEE SJ. Darunter links sind vermerkt: 1591 - 1635. Darunter werden seine Hauptwerke erwähnt: TRUTZNACHTIGALL-GÜLDENES TUGENDBUCH -CAUTIO CRIMINALIS. Diese Buchtitel stehen in direkter Beziehung zur dargestellten Schreibfeder.

Rechts neben dem Kopf erkennt man noch eine kleine Szene, als ob sie auf der Schulter Spees stattfinden würde: eine Umarmung oder helfende Zuwendung. Zwei Personen stehen dicht beieinander. Die hintere Gestalt hat ihren Arm um die vordere gelegt, als ob sie sie stützt und ihr helfen möchte, dass sie nicht zusammenbricht. Das erinnert an die Hilfe, die Spee den als „Hexen“ angeklagten Frauen zukommen ließ.

Die Plakette ist rechts unten signiert mit „W“ für Egino Weinert.

Der Künstler Egino Günter Weinert wurde am 3. März 1920 in Berlin- Schöneberg geboren. Als Schüler kam er in das Benediktiner-Kloster in Münster Schwarzach. Hier hatte er auch den Wunsch, in den Orden einzutreten. Vom Kloster wurde er in die Kölner Werkschule geschickt und erlernte hier die Feinheiten des Kunsthandwerks bei verschiedenen Lehrern. Er wurde  Goldschmied, Bildhauer und Maler. Aber kurz vor der „Ewigen Profess“ musste er das Kloster verlassen. Am Ende des Krieges traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Er verlor seine rechte Hand durch eine getarnte Sprengkapsel, verursacht durch Soldaten der „Roten Armee“.  Ein langes Training führte dazu, dass er allmählich nur mit der linken Hand die künstlerischen Arbeiten ausführen konnte.

1951 gründete Egino Weinert  in Bonn sein erstes eigenes Atelier, um nach einem Aufenthalt in der Schweiz ab 1954 in Köln eine Werkstatt zu betreiben.

Egino Weinert schuf eine Vielzahl von sakralen Gegenständen, die in vielen Kirchen in Deutschland, im europäischem Ausland und in den USA zu finden sind.

Das Friedrich-Spee-Relief gehört in eine umfangreiche Reihe  von „Begleitern auf unserem Lebensweg“, die Egino Weinert  im Lauf seines künstlerischen Schaffens entworfen hat. 

 

 

Hans Müskens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Egino Weinert beim Zeichnen eines Entwurfes, undatiert. (Egino Weinert-Stiftung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aktuelles Spee-Jahrbuch 2018/19 ist eingetroffen!

 

 

(Siehe dazu unter "Publikationen") Das Jahrbuch ist erhältlich über den Buchhandel und bei den Gesellschaften in Trier und Kaiserswerth.

 

 

 

  Gerresheims Bildhauerzeichen

 

 

Am 8. Oktober 2020 wird Bert Gerresheim 85 Jahre. Der Künstler ist der Schöpfer des Spee-Epitaphs an der kaiserswerther Basilika und der Gedenktafel für Friedrich Spee am Hexenturm in Rüthen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

INTERNATIONALER TAG GEGEN DEN HEXENWAHN

       

Uno verurteilen Hexerei und moderne Hexenverfolgung

Genf, 5.10.17 (kath.ch)

 

 Die Vereinten Nationen wollen der Hexerei und modernen Arten von Hexenverfolgung weltweit den Garaus machen. Es gehe darum, Menschenrechtsverletzungen einzudämmen oder zu verhindern, die durch schädliche Praktiken im Zusammenhang mit Hexerei bewirkt würden, teilte das Uno-Hochkommissariat für Menschenrechte am Donnerstag mit. Mehr als 100 Experten hätten dazu bei einem Treffen in Genf «wirksame» Vorschläge gemacht. Dazu gehöre die bessere Kontrolle der Arbeit traditioneller Heiler ebenso wie das Verbot von Zeitungsanzeigen für Personen, die Hexerei praktizierten. Gesetze müssten diesbezüglich überarbeitet werden, hiess es. Täglich gebe es weltweit entsprechende Menschenrechtsverletzungen. Dazu gehörten Tötungen, rituelle Verstümmelungen, Menschenopfer, Folter, unmenschliche und erniedrigende Behandlung sowie die Diskriminierung und Isolierung von angeblich verhexten Personen. «Der Hexerei beschuldigt zu sein, ist eine Form von psychischer Gewalt und oft mit unbeschreiblichen Angriffen bis hin zur Folter verbunden», so die Menschenrechtsexperten der Uno. Dies betreffe neben Frauen auch Kinder. Selbst wenn diese die Attacken überlebten, würden sie oft stigmatisiert oder gezwungen, auf der Strasse zu leben. Bei dem UnoWorkshop in Genf berichteten unter anderem Vertreter aus Malawi, Nigeria, Tansania, Australien, Indien und Papua-Neuguinea über die schädlichen Auswirkungen von Hexerei. (kna)

 

 

 

Erster afrikanischer Jugend-Humanistentag in Nairobi 22. - 24. Juli 2016

 

Da der internationale Gedenktag am 10. August 2020 zum ersten Mal begangen wurde und der Zusammenhang mit Spees Kampf gegen die Hexenprozesse in der Frühen Neuzeit für uns offenbar ist, hat der Vorsitzende des Friedrich-Spee-Gesellschaft-Düsseldorfs ein Rundschreiben verfasst:

Neues aus dem Friedrich-Spee-Archiv:

 

Internationaler Tag gegen den Hexenwahn

 

Man soll es kaum für möglich halten, dass ein Problem wie der „Hexenwahn“ im 21. Jahrhundert eine hohe Aktualität besitzt. Was seit mehreren Jahrhunderten als nicht mehr existent gilt, lebt heute als Bedrohung in über 30 Ländern unserer Welt weiter. Daher hat das Hilfswerk „missio“ den 10. August zum „Internationalen Tag gegen den Hexenwahn“ ausgerufen. In einem  Interview betont missio-Präsident Dirk Bingener, dass in mindestens  36 Ländern der Erde – hauptsächlich in Afrika, Asien und Ozeanien, aber auch in vier Staaten Lateinamerikas – Menschen als sogenannte Hexen verleumdet und gefoltert würden. Das betreffe „Zehntausende vollkommen unschuldige Opfer“. Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen und den Betroffenen eine Stimme zu geben, habe missio den Tag ins Leben gerufen. Hexenwahn sei kein „Problem von gestern und vorgestern“, erklärte Bingener. Er gehe davon aus, „dass in den vergangenen 60 Jahren mehr Menschen als vermeintliche Hexen getötet wurden als in 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit.“  Wie in früheren Zeiten wird ein „Sündenbock“ gesucht, der angeblich verantwortlich ist für unerklärliche Unglücke, einen Todesfall oder eine Naturkatastrophe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Tim Wibbels 

 

 

Das Friedrich-Spee-Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth erinnert genau  mit seinem Bildprogramm an diese Verletzungen der Menschenrechte. Friedrich Spee hat mit seinem Buch „Cautio Criminalis“ das extreme Unrecht beim Namen genannt. Sein Anliegen ist zeitlos und gilt bis heute. Es geht ihm darum, Gerechtigkeit, Wahrheit und Vernunft im Umgang miteinander möglich zu machen. Sein Buch hatte damals im 17. Jahrhundert den Erfolg, dass sich etwas zum Positiven veränderte. Die Hexenprozesse wurden beendet.

 

So ist das Denkmal in Kaiserswerth auch Mahnung und Aufforderung an uns heute, dem weltweiten Unrecht an Frauen, Kindern und Männern Einhalt zu gebieten. Die „Cautio Criminalis“ hat nichts an Aktualität verloren. Sie sollte von denen, die heute Macht ausüben oder Gerichtsurteile sprechen müssen,  gelesen und aktuell umgesetzt werden.

Hans Müskens

 

 

Mehr zum Thema: www.missio-hilft.de/hexen

 

 

 

 

 

 

 

 

Klassizistische Hexenskulptur von Karl Cauers

 

1874 schuf Karl Cauer (1828 – 1885) diese Marmorplastik. Sie hat eine Höhe von 173 cm und eine Tiefe von 85 cm. Die jugendliche weibliche Figur hat Fledermausflügel, die Locken sind mit Schlangen durchwunden, die Linke hält eine Schlange umfasst, welche sich um den Leib windet. Unten neben den Füßen findet sich eine Eule mit Eidechse. Die Königin Elisabeth von Rumänien (1843 – 1916) wurde durch diese Figur zu einer Novelle angeregt. Heute befindet sich die „Hexe“ in der Nationalgalerie, Berlin. 

 

 

 

 

 

 

Die neueste Folge der Geschichtspublikation des SPIEGEL hat die Hexenverfolgung zum Thema. Unter der Überschrift GEGENBEWEGUNG bringt der Spiegel ein Ganseitiges Bild von Friedrich Spee. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt allerdings auf THOMASIUS und dem Arzt WEYER. Die Vorsitzende unserer Trierer Schwestergesellschaft, Dr. Rita Voltmar trägt ihre Forschungsergebnisse in einem Interview vor. Für Interessierte, die sich weiter informieren wollen, empfiehlt sie einschlägige Literatur (siehe oben).  

/Siehe auch Literatur.)

 

 

 

 

HANNES ESSER

 

Am 8. April 2020 wäre er 100 Jahre alt geworden. 1920 wurde er in eine Bäckerfamilie in Pempelfort geboren. Auf Wunsch und Befehl des Vaters erlernte er das Bäckerhandwerk. Als er 2007 in seiner Heimatstadt starb, war er so etwas wie ein Künstleroriginal geworden, das einen Teil der bewegten Kunstszene Düsseldorfs nach dem Krieg verkörperte. In Einbrungen gibt es deshalb einen Hannes-Esser-Platz.

 

Dem Schreiber dieser Zeilen ist der Künstler stets gegenwärtig mit dem Plakat des Museums Kaiserswerth zur Sonderausstellung 400 JAHRE FRIEDRICH SPEE, das seinem Arbeitsplatz gegenüberhängt. Links oben findet sich auf dem Plakat ein Bildnis Spees von Hannes Esser, das auf unseren Seiten unter LITERATUR zu finden ist: 

                     

 

 

                              

     

            

                           

 

 

                                                                          Bleistiftzeichnung von Hannes Esser, 1986.

 

 

 

 

 

                                                                         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die untere Hälfte des Plakates zeigt eine Zeichnung Essers von seinem Keramik-Modell des historischen Kaiserswerth vor der Zerstörung 1702, das im Museum Kaiserswerth zu besichtigen ist.

 

Ein weiterer Portraitversuch schmückt unsere Seite PERSON UND WERK:

 

 

                                                                                                                Linolschnitt zum 400. Spee-Geburtstag von Hannes Esser

 

Das Museum Kaiserswerth hat eine Ausstellung vorbereitet, die an Essers 100. Geburtstag eröffnet werden sollte. Dieser Termin ist aufgrund der akuten Krise auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben worden. Darauf kann man gespannt sein, denn Hannes Esser war ein Mann, der mit Beuys und Grass studiert hat, dessen wichtiger Lehrer Otto Pankoke war, dessen zentrales Erlebnis die Kunst Picassos in seiner Pariser Zeit war, der abenteuerliche Bootsfahrten im Mittelmeer unternahm, der Metzgereien mit aufwendigen und kunstvollen Keramiken versah und der dann am Ende seines Lebens, im elektrischen Rollstuhl sitzend, den Schwarzbach porträtierte.

 

 

Die dritte Auflage ist erschienen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch ist in allen Buchhandlungen für 29,90€ erhältlich, es kann auch bei den Gesellschaften in Düsseldorf und Trier erworben werden.

 

Joseph Sudbrack (Mystikkenner des Jesuitenordens) würdigte 1993 die Erstauflage unseres Lesebuches wie folgt:

 

Das im Auftrag der Friedrich-Spee-Gesellschaft in Düsseldorf herausgegebene •Lesebuch"1 erfüllt die geweckten Erwartungen. Aus den drei bedeutenden Veröf- fentlichungen Spees, dem Güldenen Tugendbuch, der Trutznachtigall und der Cautio criminalis werden längere, möglichst im Zusammenhang wiedergegebene Texte vorgestellt. Es ist zu begrüßen, daß der heutige Leser die Lyrik der Trutz- nachtigall (einige andere Lieder sind in moderner Fassung mit abgedruckt) in der Originalsprache mit den notwendigen Hilfen in die Hand bekommt. Er wird sich - auch mit Hilfe der guten Hinführung - schnell einlesen und eher mit der Länge und den Wiederholungen der Lieder als mit ihrer Sprache Schwierigkeiten haben. Doch das ist eben Spee, das ist Barock! So die 33.(!) Strophe eines Dreifaltigkeits- liedes: •Gelobet sey der Einig Gott, / Zu tausend, tausend mahlen, / Zu tausendmahl Gott Sabaoth, / Vnd noch zu tausend mahlen. / Gelobet die Dreyfältigkeit, / Dreyfältig in Personen: / Gelobet die DreyEinigkeit, / DreyEinig in der Cro- nen." Die ausgewählten Texte der Cautio criminalis (Rechtliches Bedenken we- gen der Hexenprozesse) sind geschickt in eine neue Ordnung gebracht und mit ei- ner guten Einleitung versehen, um dem Leser den Überblick über die Angelegen- heit des Hexen wesens und Spees Kampf zu vermitteln. Ähnliches gilt vom Gülde- nen Tugendbuch, dessen erstaunlich ganzheitliche, von Ignatius beeinflußte As- kese/Mystik durch Kontrastierung zur Imitatio Christi der Devotio moderna ver- deutlicht wird; dabei kommt letzteres von Ignatius geliebte Buch doch zu schlecht weg. Zu erwähnen ist noch van Oorschots Aufsatz, der eine vorzügliche Biographie und Deutung Spees ist.

 

(In Geist und Leben. Zeitschrift für christliche Spiritualität 66. 1993. S. 73-78)

 

 

 

 

 

 

 

Wenn man vom Kaiserswerther Markt die schmale Dauzenberg-Gasse zum Stiftsplatz benutzt, führt auf halbem Wege rechts eine Pforte zum Garten des ehemaligen Marien-Stiftes. Dort weist jetzt eine Tafel auf die Hospitzgruppe und das Spee-Archiv hin. 

 

 

Deutsche Dichtung des 16. und 17. Jahrhunderts

Der Textfundus des Spee-Archivs ist durch eine Spende erheblich bereichert worden. Es handelt sich um 33 Bände, 18 Bände zur Reformationszeit und 15 Bände zur Barockzeit. Der 13. Band der zweiten Abteilung gilt Friedrich Spee.

 

 

 

 

Wir können davon ausgehen, dass diese Textsammlung in etwa die Literatur enthält, die zu Spees Zeiten den gebildeten Lesern zur Verfügung stand. Die erste Abteilung erschien 1867-1883 bei F.A. Brockhaus, die zweite von 1869-1885 ebenda.

In Zusammenarbeit mit einigen Fachkollegen haben die Bücher Karl Goedeke (1814-1887) und Julius Tittmann (1814-1883) herausgegeben. Insbesondere Karl Goedeke, ein Schüler Jakob Grimms, zählt zu den Gründungsvätern der Wissenschaft von der deutschen Sprache und Literatur. Die Bände stammen ursprünglich aus der Lehrerbibliothek der 1836 gegründeten Cäcilienschule in Oldenburg, einer damaligen höheren Mädchenschule. Die Bände befinden sich in einem guten Zustand, sind im Stil ihrer Zeit gestaltet und werden unser Archiv auch optisch bereichern. 

Prof. Dr. Eckhard Grunewald schenkte dem Archiv die Bände zu dessem 20. Geburtstage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AUSBLICK

 
Wegen des Corona-Virus auf unbestimmten Termin verschoben! (Alle Terminangaben unter Vorbehalt)

 

 

DER 429. SPEE GEBURTSTAG

 

Traditionell gedenken der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth und die Spee-Gesellschaft Düsseldorf des Geburtstages  von Friedrich Spee. Wegen des Karnevals kann der Originaltemin (25. Februar) selten wahrgenommen werden.

Termin ist dieses Jahr der Dienstag, 17.03.2020 um 19 Uhr in der Kulturkirche der Kaiserswerther Diakonie. (Am Markt 26, das Gebäude kann ach von der Rückseite von der Fliednerstraße aus betreten werden.) 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Vortrag  Prof. Dr. Eckhard Grunewalds:

 

DER GENERAL UND DIE DICHTER

  

 
 

 

 

 

 

 

Eckhard Grunewald

 

                                  

 

 

 

Friedrich Spee, Martin Opitz und Ambrogio Spinola

Der Vortrag beleuchtet die bedeutsame Rolle, die der spanische General Ambrogio Spinola (1569-1630) – ohne es zu wissen – in der Entwicklung der deutschen Barockliteratur eingenommen hat. Spinolas Feldzüge in Deutschland bestimmten den Lebensweg von Martin Opitz (1597-1639) und inspirierten den Dichter zu einem seiner wichtigsten Werke. – Friedrich Spee (1591-1635), der Spinola bei dessen Besetzung Kaiserswerths 1605 persönlich hätte begegnen können (was aber wohl nicht geschah), kam später zumindest indirekt in Kontakt mit dem Feldherrn – durch den Beichtvater des Generals, den belgischen Jesuiten Herman Hugo (1588-1629). Dessen Hauptwerk, das mystische Erbauungsbuch „Pia Desideria“, beeinflusste Spee nicht nur literarisch, sondern bot auch die Vorlage für das Titelbild der „Trutznachtigall“. – Gewürdigt wird schließlich Ambrogio Spinola selbst, der zu seiner Zeit berühmt war für seine strategischen Fähigkeiten und vielleicht mehr noch für seine ritterliche Großherzigkeit, die sprichwörtliche „clementia Spinolae“, die er gegenüber besiegten Gegnern an den Tag legte. – Insgesamt bietet der Vortrag Einblicke in ein bislang wenig bekanntes literarisch-historisches Beziehungsgeflecht, das es zu sichten und zu entwirren lohnt.

 

 

 

 

 

FRIEDRICH SPEE - EIN LEBEN IM DREIßIGJÄHRIGEN KRIEG

 

Diesen Vortrag hält Hans Müskens im Evangelischen Gemeindezentrum Kaiserswerth (Fliednerstraße 6).

Termin: 11. Mai 2020, 19:30 Uhr

 

 

Callot: Schrecken des Krieges 11 (Wikipedia)

 

 

Friedrich Spee ist im Jahre 1618, als der Krieg beginnt, 27 Jahre alt. In dieser Zeit schließt er seine Ausbildung als Priester und Lehrer im Jesuitenorden ab. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod wird er immer wieder mit den Folgen des Krieges konfrontiert. In Peine (bei Hildesheim) wird ein Attentat auf ihn verübt. Aus Paderborn muss er zusammen mit seinen Ordensbrüdern wegen der Kriegsereignisse flüchten. In Köln erlebt er die Unzahl der Flüchtlinge, die in dieser Stadt Schutz suchen.

 

Trier ist die letzte Etappe in seinem Leben. Als die Stadt unmittelbar vom Krieg heimgesucht wird, nimmt er sich als Pfleger und Seelsorger der Verwundeten und Sterbenden in den Straßen und Häusern an. Er versteckt sich nicht hinter Klostermauern. Die Soldaten, die Trier erobern, schleppen – wie so oft – die Pestseuche mit in die Stadt ein. Auch jetzt noch pflegt Spee die Kranken und Sterbenden und begleitet sie auf ihrem letzten Weg. Dabei infiziert er sich und stirbt am 7. August 1635 im Alter von nur 44 Jahren.

 

Noch 13 Jahre dauert der Krieg, bis endlich 1648 der Frieden von Münster und Osnabrück geschlossen wird. Nun erst können zwei Bücher von Spee aufgelegt und gedruckt werden: das „Güldene Tugend-Buch“ und die „Trutz-Nachtigal“, zwei Werke, die er während der Kriegszeiten geschrieben hatte, und die jetzt Zeichen einer neuen Zeit werden.

 

Friedrich Spee hat sich nicht ausdrücklich zum Krieg geäußert. Trotzdem erfährt man auf eine ganz eigene Weise, wie sehr er unter dem Krieg und seinen Folgen gelitten hat. Es ist auch so etwas wie der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Warum musste das alles geschehen?“

 

 

EIN NACHMITTAG IM GARTEN VON FRIEDRICH SPEE

 

Zum 9. Juni 2020 laden gemeinsam die Friedrich-Spee-Akademie Düsseldorf und die Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf ein. Der Nachmittag wird die Teilnehmer/innen im historischen und gärtnerischen Umfeld mit ausgewählten Texten bekannt machen und Spees Schaffen in einen größeren Zusammenhang stellen.

Treffpunkt ist um 14:45 Uhr auf dem St. Suitbertus-Stiftsplatz am Spee-Epitaph (Siehe auch: Spee Archiv; Genius Loci; Foto von Julia Brabeck weiter unten).

Siehe auch: Programmheft der Friedrich-Spee-Akademie Düsseldorf, Seite 33 - www.fsa-duesseldorf.de

 

 

 

RÜCKBLICKE

 

 

 

70. Jahre Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth

Der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth ist geschichtlich so etwas wie der Mutter-Verein der Friedrich Spee Gesellschaft Düsseldorf. So ist es für uns selbstverständlich, dass wir uns bei der Feier des 70-jährigen Bestehens eingeschlossen fühlen. Die Gründung des Vereins ist eng verbunden mit dem Namen Herbert Eulenberg, dem bekannten Schriftsteller um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jhd.

Aus diesem Anlass fand ein Empfang in der Aula der Grundschule im Gebäude des ehemaligen Lyzeums der Diakonie statt.

 

 

 Herbert Eulenberg von Otto Dix

 

 

 

 

 

 

Foto: Julia Brabeck

 

Die Räume links von der Tür beherbergen die Hospizgruppe, rechts von der Tür befinden sich die Räume von der Spee-Gesellschaft. Diese Nachbarschaft in der Idylle währt nun schon zwanzig Jahre. Am 30. Oktober 2020 feierte die Hospizgruppe ihr Zwanzigjähriges. Wir freuen uns mit den Hospizlern und gratulieren.

 

 

Habilitation über Spee zweifach Preisgekrönt

 

Der 1972 in Paderborn geborene katholische Theologe mit Studienabschlüssen in Jura, Geschichte und Latein hat eine Habilitationsschrift "Folter und Geständnis: Friedrich Spee SJ (1591-1635) in der Gesellschaft Jesus" vorgelegt. Die Trierer Friedrich Spee Gesellschaft nahm diese Habilitation zum Anlass, dem Paderborner Theologen ihren Friedrich Spee Förderpreis zu verleihen. Die Vorsitzende der Trierer Gesellschaft, Frau Dr. Rita Voltmer, überreichte den Preis an Dr. Frank Sobiech (Mitte) zusammen mit dem Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Peter Kayser (links).

 

 

Foto: Jan Kreller

 

Frau Dr. Voltmer führte in ihrer Ladatio aus, dass Spee mit seiner "Cautio criminalis" (1631) gegen die Folter augmentiert habe, sich für generelle Unschuldsvermutung, Verteidigungsmöglichkeiten und unparteiische Richter eingesetzt habe. Damit habe er bis heute gültige Forderungen formuliert nach einer unabhängigen und menschenrechlichen Prinzipien folgenden Justiz. Dr. Sobiech habe eine wichtige Lektüre für jeden geschaffen, der sich mit Friedrich Spee, der Gegenreformation, mit der Konfessionalisierung, mit der Geschichte des Jesuitenordens und den Hexenverfolgungen beschäftigen möchte. Das Buch diene den gleichen Zwecken wie die Friedrich Spee Gesellschaft.

In seinem anschließenden Vortrag sprach der Preisträger viele Fassetten von Spees Leben an. Besonderen Wert legte er auf zeitgenössische Charakterisierungen, wie er sei ein kritischer Kopf und habe ein quecksilbriges Temperament gehabt.

Mit der Urkunde erhielt der Preisträger ein Preisgeld von 2000 Euro.

Die preisgekrönte Schrift erscheint ende des Jahres unter dem Titel "Jesuit Prison ministry in Witch Trials of the Holy Roman Empire: Friedrich Spee SJ and his cautio criminalis".

Mittlerweile hat Dr. Sobiech zusätzlich dem Ignaz -Theodor-Liborius-Meyer-Preis für seine Arbeit zugesprochen bekommen. Der Pres ehrt junge Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der westfälischen Landesgeschichte tätig sind und dort mit herausragenden Leistungen aufwarten. Benannt ist der preis nach dem Domkapitular, Archivar und Historiker gleichen Namens (1773-1843), dem Initiator und ersten Vorsitzenden des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens. Die feierliche Preisverleihung war am 8. Dezember 2019, um 16:00 Uhr im Kapitelsaal des Generalvikariats, Domplatz 2, Paderborn.

 

 

 

 

Unser Trierer Spee-Freund Gunther Franz veröffentlichte im Rottenburger Jahrbuch 39 folgende Rezension: 

 

Frank Sobiech: Jesuit Prison Ministry in the Witch Trials of the Holy Roman Empire: Friedrich Spee SJ and his Cautio Criminalis (1631) (Bibliotheca Instituti Historici Socie tatis Iesu vol. 80). Rom: Institutum Historicum Societatis Iesu 2019. 539 S. ISBN 978-88- 7041-380-9. Geb. € 60,00.

 

Diese Habilitationsschrift an der Würzburger Katholisch-Theologischen Fakultät 2017 erscheint wegen der internationalen Verbreitung in englischer Übersetzung. Sie kann als wichtigster Beitrag zur Spee-Forschung nach dem Abschluss der vierbändigen Historisch-kritischen Ausgabe sämtlicher Schriften von Friedrich Spee (1591–1635) durch Theo G. M. van Oorschot im Jahr 2005 gewürdigt werden. Sobiech konnte unterstützt von Stipendien und Gastfreundschaft in einem Zeitraum von mehr als einem Dreiviertel jahr erstmals umfassend die römischen Quellen zu Spee studieren. Auch die benutzten deutschen Archive und Bibliotheken ergeben eine lange Liste. Den Fleiß und das Finder glück des Autors konnte der Rezensent sehen bei den Ergänzungen zu seiner Liste der erhaltenen Exemplare der Cautio Criminalis 1631 und 1632 (in der historisch-kritischen Ausgabe 2005, Sobiech S. 15f.) und in dem Briefwechsel, der wegen des Verbleibs eines Exemplars in Privatbesitz geführt wurde. Von besonderer Bedeutung ist Teil II über den Lebenslauf von Friedrich Spee und seine Schwierigkeiten im Jesuitenorden (S. 25–164), die bei der Publikation der Cautio Criminalis und ihren Konsequenzen (1629 bis zu Spees Tod in Trier 1635) kumulieren. Zu den verschiedenen Stationen seiner Ausbildung und Lehre (Trier, Speyer, Worms, Mainz, Paderborn, Köln) sind erstmals die örtlichen Verhältnisse und die Jesuiten und Persön lichkeiten, die Spee begegnet sind, mit Daten und Quellen genannt. Zum Druck der Erstausgabe der Cautio Criminalis beim Universitätsdrucker Lucius in Rinteln wird die »Lücke der Zensur« (Gap in Censorship) im Dreißigjährigen Krieg erörtert. Die zweite Ausgabe 1632, gedruckt von Cornelius ab Egmondt in Köln, wurde nach Sobiech neben Spee von Egmondts Gast, dem Juristen Helfrich Ulrich Hunnius (1583–1636) – ehemals Professor in Marburg, zum Katholizismus konvertiert, Vizekanzler des Trierer Kur fürsten – befördert, nicht aber vom Jesuitenprovinzial Nickel. Wenn die beiden Ausgaben mit der Angabe Incerto theologo Romano oder orthodoxo als pseudonymous bezeichnet werden (S. 339–352 u.ö.), kann angemerkt werden, dass es sich nicht um einen falschen Namen, sondern eine korrekte Angabe zur Verschleierung handelt. Der III. Teil behandelt – dem Haupttitel des Buches entsprechend – als zweites Haupt thema die Gefängnisseelsorge der Rheinischen Jesuiten bei Hexenprozessen als Voraus setzung und Kontrast zu Spees Kritik in der Cautio Criminalis (S. 165–334, davon S. 311– 334 Spee). Die Seelsorge bei Fragen der Hexerei und Zauberei beginnt nicht mit Besuchen der Jesuiten in Gefängnissen und auf Hinrichtungsstätten, sondern viel früher mit Kate chismusunterricht, Predigten, Seelsorgegesprächen, Exerzitien, Segnungen und Exorzis mus. Behandelt wird die Rheinische Provinz der Jesuiten, die große Teile Deutschlands umfasste und 1626 in die Niederrheinische und Oberrheinische Provinz geteilt wurde. Abgesehen von Andreas Kirchberger SJ, der 1576 in Rottenburg geboren wurde, sind aus dem Gebiet der späteren württembergischen Diözese Rottenburg die Hexenprozesse in der Fürstpropstei Ellwangen angeführt. Quellen befinden sich vor allem im Archivum Romanum SI in Rom (Germ., Rh.Inf. und Rh.Sup.) und in deutschen Archiven, bei spielsweise dem Hauptstaatsarchiv Koblenz (Best. 211 mit den Hexenprozessen von der Reichsabtei St. Maximin bei Trier). Ein Kapitel über die Gutachtertätigkeit von Jesuiten (The Expert Opinions, S. 275–292) wurde mit einer Quellenedition (lat., engl.) im Anhang ergänzt und in einer modifizierten deutschen Fassung im Spee-Jb. (2018/19, S. 139–-185) veröffentlicht: »Der Mertesdorfer Bauer und ›Zauberer‹ Thomas Feilen vor Gericht. Die St. Maximiner Gutachten (1629) der Trierer Jesuitenprofessoren…«. Die herausragende Bedeutung von Spees Argumentation ist bekannt, wird aber durch den Vergleich mit sei nen Mitbrüdern, die dem »Zeitgeist« folgten, untermauert. BUCHBESPRECHUNGEN 457 Teil IV des Buches behandelt die Rezeption der Cautio Criminalis und das offizielle Gedenken an Spee im Jesuitenorden vom 17. bis 20. Jahrhundert, das zu keiner Unterstüt zung der Seligsprechung führte. Die Schlussbetrachtung ist deswegen unter Anknüpfung an Stellungnahmen der Jesuiten Karl Rahner 1983 und Paolo Molinari 1985 den Grenzen des Gehorsamsgelübdes gewidmet. Dass neben anderen Institutionen 14 Erzdiözesen und Diözesen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (auch solche, in denen Spee nicht selber gewirkt hat) sich an den Druckkosten beteiligt haben, sei als Hinweis auf die heutige Spee-Rezeption notiert.

 

Gunther Franz

 

(Siehe auch Publikationen.)

 

 

Schulabschluss

Einige Schülerinnen und Schüler des Philosophiekurses Phil Gk 12.2 des Steinbart Gymnasiums Duisburg wünschten sich, in geselligem Rahmen ihren Schulabschluss zu begehen. Ihr Kursleiter Dieter Kunze schlug ihnen das Spee-Archiv vor. Damit wurden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Man hatte einen attraktiven Rahmen für das Beisammensein und nebenbei konnte der Kursleiter einiges über den historischen Ort und die Bedeutung Spees vermitteln. 

 

 

                                                                      Zum Programm gehörte auch die Lesung barocker Lyrik.

 

 

 

 

 

 

 

Spee-Epitaph 

 

 

 

 

 Mittlerweile hat die katholische Gemeinde unterhalb des Epitaphs einen informierenden Schriftzug anbringen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ludwig Tieck, nach einem Gemälde von Joseph Karl Stieler aus dem Jahr 1838

 

 

Literarisches Fundstück: Ludwig Tieck: Hexensabbat

 

Die 1832 erschienene Novelle gehört zu den weniger bekannten Werken Tiecks. So stolperten wir auch mehr durch Zufall über den Text und da besonders über den Schluss, denn dort heißt es:

 

Aber das Vermögen, das Leben der Angeklagten war verschwunden und längst vernichtet. Friedrich, so wenig wie Sophie oder deren Kinder, wollten bei dieser Ehrenerklärung gegenwärtig sein. An derselben Stelle, wo vor vielen Jahren die Angeklagten waren verbrannt worden, wurde, nachdem man ihre Ehrenrettung laut vorgelesen hatte, eine lustige Komödie gespielt, über welche die Zuschauer viel lachten. Und doch war dieser unsinnige Hexenprozeß nur der erste große in Europa, nach dessen Form bis 1700, bis auf Thomasius' und Spees Einrede, so viele Unschuldige und Wahnsinnige dem Feuer geopfert wurden.

 

Tieck entnahm den Stoff den Memoiren des Jaques du Clereq, wo Ausführlich von einem Hexenwahn in der Stadt Aras im Jahre 1459 berichtet wird. In seiner Novellenbearbeitung gelingt es Tieck, die handelnden Individuen trotz psychologischer Vertiefung als Teile eines pathologischen Soziogrammes erscheinen zu lassen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuerscheinungen 

 

Hetty Kemmerich: Sagt, was ich gestehen soll. Ingrid Lessing-Verlag. Dortmung. 2011³.

(Mit Hilfe Hartmut Hegelers wurde das Buch digitalisiert: http://www.anton-praetorius.de/downloads/Kemmerich_Hexenprozesse_Rheinland_Chronik_Einzelschicksale.pdf)

 

 

 

 

Wir stellen ein Buch vor, das im Dezember 2017 herauskam. Erika Münster-Schroer ,,Hexenverfolgung und Kriminalität: Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit". Die Autorin hat sich über viele Jahre mit dem Thema ,,Hexenverfolgung" beschäftigt und durch zahlreiche Vorträge und Aufsätze immer wieder neue Aspekte gefunden bzw. ortsbezogene Phänomene näher untersucht. Einen der ersten Aufsätze zum Thema konnte sie im Spee-Jahrbuch Nr. 7 (2000) unterbringen. Jetzt hat sie erstmals das gesamte Gebiet der ehemaligen Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, das heute Teile des Maas- und Rheinlandes, des Bergischen Landes und des Ruhrgebietes umfasst, in den Blick genommen. Das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg galt in der älteren Forschung als wenig prozessfreudig im Hinblick auf die Hexenproblematik. Das mag für eine bestimmte Zeit gelten. Aber Münster-Schroer weist nach, dass es eben auch Zeiten und Orte gab, in denen Hexenverfolgungen durchaus zum Problem wurden. Das sieht man allein daran, dass einer der letzten Hexenprozesse am Niederrhein 1737/38 in Düsseldorf geführt wurde und zwei Frauen aus Gerresheim betraf. Das ist das letzte große Kapitel in ihrem Buch. Bis dahin beschreibt sie detailliert die ganze Thematik, angefangen bei der frühen Hexenverfolgungen um 1500. An zahlreichen Beispielen aus einzelnen Ortschaften im Herzogtum - veranschaulicht an konkreten Personen, die der Hexerei angeklagt wurden - zeichnet sie ein umfassendes Bild der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts. Somit wird auch Landesgeschichte in ihren zahlreichen Facetten erzählt. Die Quellen, die Münster-Schroer benutzt, sind die Gerichtsakten und vor allem die Amts- und Stadtrechnungen, die sich an zahlreichen Orten erhalten haben und aus denen sich oftmals die Prozesse und Gerichtsverfahren ablesen lassen. Ein mühsames aber - wie man sieht - erfolgreiches Forschen. Wichtig für die Autorin sind die bereits bekannten und veröffentlichten  Quellen, aber dann vor allem auch die handschriftlichen Quellen aus verschiedenen Archiven, die sie - oft zum ersten Mal - für eine Untersuchung herangezogen hat und hier zum Teil im Wortlaut nachzulesen sind. Bei der umfassenden Darstellung des Themas dürfen die Gegner der Hexenverfolgung nicht fehlen, hier vor allem Johann Weyer, der Leibarzt von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Weyer hat das Problem der Hexerei als Arzt untersucht und so maßgeblich Einfluss auf seinen Landesherrn genommen. In Weyers Schriften werden Bezüge zum Humanismus deutlich. Aus diesem Grund ist er auch auf dem Spee-Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth dargestellt.

 

Zur Autorin: Dr. Erika Münster-Schroer ist Historikerin und Germanistin. Sie ist Leiterin des Stadtarchivs und des Medienzentrums in Ratingen sowie Lehrbeauftragte im Fachbereich Frühe Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen. Sie ist seit vielen Jahren Mitglied der Friedrich-Spee-Gesellschaft.

 

Hans Müskens

 

 

Info:

Erika Münster-Schroer

Hexenverfolgung und Kriminalität

Jülich-Kleve-Berg in der frühen Neuzeit

Essen 2017 (450 Seiten)

 

 

 

 Foto: Janicki, Dietrich  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Bedeutung die der Arzt Johannes Weyer für die Hexenproblematik hat, weshalb er auch in allen entsprechenden Publikationen erwähnt wird, verweisen wir auf die Gedenktafel aus dem Jahre 1926. Diese Gedenktafel schmückte damals den Eingang zur Medizinischen Akademie Düsseldorf. Diese ist heute in der Universitätsklinik aufgegangen und die Gedenktafel muss man heute ein wenig suchen unter der Adresse: Moorenstraße 5. Der Künstler war Karl Damian.

 

 

 

 

Holzschnit von dem 60-Jährigen Leibarzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ernst Müller: Literarisches Rheinland. Nyland-Stiftung Köln. Edition Virgines 2018.

 

 

Das Buch zählt 15 Kapitel. Es handelt sich um den Versuch, eine literarische Topographie des Rheinlandes zu erstellen. Behandelt werden Klassiker wie Goethe und Heine, Heinrich Böll aus Köln, Albert Vigoleis Thelen aus Viersen, der Frühsozialist Georg Weerth und andere. Das Nibelungenlied kommt in Xanten und Konrad von Würzburg in Kleve zur Sprache. Die Ironie des "Menschenschlages" vertritt Hans Dieter Hüsch aus Moers. Die Spee Freunde finden im fünften Kaiserswerth gewidmeten Kapitel vor allem den geistlichen Dichter gewürdigt. Der Autor geht unter anderem auf die unterschiedliche Namensgebung im Falle Spees ein. 

 

 

 

Foto: Petra Diedrichs 

Ernst Müller mit seinem Buch

 

 

Der Autor Ernst Müller liest für die Volkshochschule Viersen zur Zeit aus seinem Buch. Die daraus entstandenden Videos enthalten im zweiten Video den Abschnitt über Friedrich Spee und die Anmerkungen des Verfassers zu unserem Spee-Archiv in Kaiserswerth: https://vimeo.com/showcase/6999895

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fulda-Baltimore-Langenfeldt

 

Im Juni 2017 kündigte eine englisch sprechende Frau ihren Besuch im Spee-Archiv an. Es erschien eine junge, sportliche Frau, die sich als Stephanie Joyal aus Baltimore vorstellte.

 

Sie habe Griechisch und Latein studiert. Aufgrund dieser Sprachkenntnisse habe sie einen Jahresvertrag innerhalb des Digitalisierungsprojektes des Walters-Museums in Baltimore bekommen.

Das Walters Art Museum, das seine Ursprünge in den Kunstsammlungen von William Thompson Walters seit der Bürgerkriegszeit hat, beherbergt neben den Kunst-, Keramik-, Möbel- und Waffensammlungen auch seltene Handschriften, Drucke und alte Bücher. Letztere wurden und werden digitalisiert.

Stephanie Joyal erzählte uns, sie suche uns auf, weil in einem der von ihr bearbeiteten Bücher der Name Spee von Langenfeldt auftauche. Sie konnte uns die entsprechende Buchseite zeigen, wobei uns das Speesche Wappen sofort ins Auge fiel.

 

                                                                        

 

 

Es handelt sich um ein weitgehend handschriftliches Buch, das unter dem Titel LIBER AMICORUM OF JOANNES CAROLUS ERLENWEIN kategorisiert wurde. Es geht auf das Jahr 1615 zurück und versammelt Widmungen von Freunden, Bekannten, Verwandten und Studienfreunden aus Fulda - ein Vorläufer der Freundschaftsalmanache und Poesiealben.

 

Freundschaftsbuch Cover

 

Auf Seite 109 findet sich der Hinweis auf Spee von Langenfeldt und eine Sibilla Spee, die eine Schwester Friedrich Spees sein könnte.

 

 

Wir haben unserem Besuch unser Archiv, den Stiftsplatz mit dem Epitaph und Basilika sowie die Stelen im Stadtgarten gezeigt. Vor allem aber haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass Langenfeld hier ein Haus in Wankum ist und nicht ein Ort.

 

Haus Langenfeld im Ortsteil Wankum (Foto: Holger Bauer, pivatana)

 

Dieses Haus hat noch dem Großvater Friedrich Spees gehört, ist aber zu der Zeit des Eintrages von Sibilla Spee (1618) nicht mehr im Besitz der Familie.

Beim Abschied haben wir uns versprochen in Kontakt zu bleiben.

 

Online-Bibliothek Walter Arts Museum

 

 

Weitere Recherchen

Nichts spricht dagegen, dass die im LIBER AMICORUM auftretende Sibilla Spee von Langenfeldt eine Schwester Friedrich Spees ist. Vielleicht diente ja der Zusatz "von Langenfeldt" 1618 zur Kennzeichnung des Familienzweiges des Burgvogtes, obwohl der Besitz in Langenfeld veräußert war, gewissermaßen die Linie Langenfeld.

 

Zu den Ämtern Linn und Uerdingen gibt es Wikipedia-Artikel. In beiden Artikeln findet sich der Hinweis "Im 18. Jahrhundert hatte die Schultheißen-Familie Erlenwein eine bedeutende Machtposition". Damit sind wir bei der Familie unseres Johann Karl Erlenwein angelangt. Der Vater Johann Karls war Theobalt Erlenwein, seit 1589 Schultheiß zu Linn und Uerdingen, Schiffszoll-Einnehmer zu Kaiserswerth. Er starb wahrscheinlich 1631 in Kaiserswerth. Sein Sohn Johann Karl Erlenwein (1595-1667) hatte das Schultheißen-Amt in Linn und Uerdingen von 1623 bis 1666 inne.

 

Im heutigen Behördenverständnis kann man das Schultheißen-Amt folgendermaßen umschreiben: Kreisdirektor, Oberzollrat, Leiter des Finanzamtes, Polizeidirektor und Direktor des Amtsgerichtes.

 

Johann Karl zog für seinen Kurfürsten in den Krieg. Für seine Verdienste erhielt er von König Ludwig XIII. eine goldene Gedenkmünze. Den Paderbornern brachte er die Reliquien des Heiligen Liborius zurück. Zum Dank erhielt er einen Ehrenbecher. Erzbischof und Kurfürst Ferdinand überreichte ihm eine goldene Ehrenmünze, Zeichen für eine erfolgreiche Amtsführung. 1663 wurde der Schultheiß Johann Karl Erlenwein Binnenumschlagsspediteur und Lagerhalter. Ein Vorgriff auf die noch heute existierende Spedition in Krefeld, als deren Gründer Balthasar Karl Hubert (1831-69) gilt. Der Bruder Ferdinand August Karl Hubert (1827-65) übernahm das Destilleriegeschäft und gilt als Gründer der Likörfabrik August Erlenwein & Cremer (1863). Wir sehen, dass die Freundschaftsbeziehung der Spee-Schwester einer angesehenen Familie galt.

 

(Dr. Heribert Houben aus Krefeld und Rolf-Günter Stefan, dem Geschäftsführer der Düsseldorfer Spee-Gesellschaft, danken wir für sachdienliche Literaturhinweise.)

 

 

Kurfürst und Erzbischof Ferdinand war der Landesherr des Amtmannes Peter Spee und des Schultheißen Johann Karl Erlenwein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 Vor 305 Jahren

starb am 14.11 in Hannover Gottfried Wilhelm Leibniz. 1646 wurde er in Leipzig geboren. Der universelle Gelehrte war Philosoph, Mathematiker, Historiker, Naturforscher und Diplomat. In seinem rastlosen Leben verfasste er nur wenige Werke, die abgeschlossen auf uns gekommen sind. Sein Werk besteht zum größten Teil aus Notizen, Entwürfen und Briefen. Erst heute wird der riesige Nachlass erschlossen.

 

 

Porträt von Christoph Bernhard Francke, um 1700

 

Griechisch und Latein lernte der junge Leibniz als Autodidakt. Das humanistische Studium genügte ihm bald nicht, er wandte sich der Logik zu. Getreu seinem Wahlspruch THEORIA CUM PRAXI entwickelte er im Zusammenhang seiner logischen und mathematischen Studien die erste mechanische Rechenmaschine, die dividierte und multiplizierte (1674). Die Zeichen für Multiplikation (Punkt) und Division (Doppelpunkt) stammen von Leibniz. Er entwarf die Infinitesimalrechnung. Als Bibliothekar führte er als erster den

alphabetischen Katalog ein.

1710 erschien die Theodicée (=Rechtfertigung Gottes). Seine letzten Lebensjahre waren überschattet von dem Prioritätenstreit über die Differentialrechnung mit Newton.

Als der zuletzt kränkelnde Leibniz in Hannover starb, stand ihm als Hofrat eine Begräbnisstätte in der Hofkirche zu. Zur offiziellen Trauerfeier waren auch korrekt alle Hofbeamte geladen worden, aber sein Sekretär Johann Georg von Eckhart war der einzige Trauergast. Die Familie war im entfernten Leipzig, und die Hannoveraner fanden sich für den fremden Gelehrten nicht verantwortlich.

 

Karl-Jürgen Miesen † hat seinerzeit in einem Vortrag vor der katholischen Studenten- und Hochschulgemeinde Hannover auf die Würdigung Spees durch Leibniz hingewiesen. Wir zitieren aus der Einleitung zum Vortrag:

 

 

,,Kaum eine Größe des deutschen Geisteslebens hat mehr zum frühen Nachruhm Friedrich Spees beigetragen als Leibniz. Über dreißigmal hat der hannoverische Philosoph und Jurist, Historiograph und Mathematiker in seinen Werken und Briefen Friedrich Spee lobend erwähnt;

er soll gar eine ausführliche Würdigung Spees vorgehabt haben, aber nicht dazu gekommen sein; gewiß aber hat er ein vierseitiges Elogium Patris Friderici Spee SJ', eine Lobrede also, auf Pater Friedrich Spee gehalten, dessen Werk gegen die Hexenverfolgungen Cautio criminalis er hier preist und dessen asketische Schrift »Gülden-tugend-Kleinod «er sich» in den Händen aller Christen« wünscht. »Blühend schön ist hier der Gedankenfluß und gleichsam himmlischen Atem ausströmend«, rühmt Leibniz das Spee-Werk, »die Aussagen sind großartig, die Ausführungen einsichtig und naturgemäß, die Einfälle geistvoll und wohltuend.«"

Quelle: Spee-Jahrbuch 7. Jg. 2000, S. 167f.

 

Siehe hierzu auch Günter Dengel in unserem Friedrich Spee-Lesebuch, S. 82ff.

 

 

 

 

 

 

Düsseldorf - Literarisch

Unter der Leitung von Dr. Corinna Schlicht und Prof. Dr. Jörg Wesche bot die Universität Duisburg-Essen ein Seminar Düsseldorf - Literarisch an. Zum Seminarprogramm gehörte eine Tagesexkursion nach Düsseldorf. Ein Besuch im Spee-Archiv stand selbstverständlich auf ihrem Programm.

Bei der Vorstellung des Spee-Epitaphs suchen wir oft an dem etwas versteckten Hakenkreuz. Auf diesem Foto ist es aus günstiger Perspektive gut zu erkennen.

 

Irritation

Unlängst erreichte uns eine e-Mail eines Kaiserswerth-Besuchers, den das Hakenkreuz irritiert hatte. Wir weisen deshalb darauf hin, dass der Künstler auf der linken Seite des Epitaphes, vom Betrachter aus, im Rahmen des Bildes vom Jüngsten Gericht eine Linie der gesellschaftlichen "Sündenfälle" zitiert. Das beginnt mit den japanischen Haritsuke, Kreuzigungen, die Missionaren des 16. und 17. Jhd. galten, und endet in einer Ansammlung von Folterwerkzeugen, wo sich auch das Hakenkreuz befindet. Damit gewinnt es seinen Stellenwert innerhalb dieses Bedeutungszusammenhanges.   

 

 

Dieses Stillleben aus den Regalen des Archivs dokumentiert unsere ständige Konkurrenz mit dem Waschmittel der Henkelwerke¹.

 

 

 

 

Die Fotos verdanken wir Herrn Tim Wübbels, einem der Seminarteilnehmer.

 

 

 

¹ "Spee" ist seit der deutschen Wiedervereinigung eine Marke für Waschmittel von Henkel. Die Marke steht für Spezial-Entwicklung. Spee war eine der wenigen ostdeutschen Marken, die sich nach der Wende in den westlichen Bundesländern durchsetzen konnte. (Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Norbert-Gymnasium Knechtsteden erfahren wir von einem neuen Musikzentrum der Schule. Leonard Bernstein, Louis Armstrong und Friedrich Spee sind die Namenspatrone der neuen Musik-, Proben- und Konzert-Räume. Die Eröffnung feierte die Schule am 03. März 2016.

Aus einer ehemaligen Kapelle wurde der Friedrich-Spee-Saal mit einer kleinen Bühne und Platz für etwa 120 Zuhörer oder Zuschauer gestaltet. Um diesen neu gewonnenen Raum sowohl für Konzerte und Schulaufführungen als auch das Musizieren im Unterricht und in den AGs nutzen zu können, wurden zusätzliche zwei angrenzende Schulräume renoviert und modernisiert. Zusammen bilden diese drei Räume, der Friedrich-Spee-Saal, der Louis-Armstrong- und der Leonard-Bernstein-Raum das neue Musikzentrum des Norbert-Gymnasiums.

 

Wir vermelden dieses Ereignis gerne als Beleg dafür, wie lebendig der Name Friedrich Spees in der Erinnerungskultur des Niederrheins ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peine - Das Attentat bei Woltorf (1628/29)

Ab dem Herbst 1628 wurde Friedrich Spee in Peine und Umgebung eingesetzt, um dort die Rekatholisierung voranzutreiben. Zu diesem Engagement gehörten auch repressive Maßnahmen, die nicht recht zu unserem Spee-Bild passen wollen (Siehe dazu: Theo. G. M. van Orschoot in unserem Spee-Lesebuch).

Die katholische Kirchengemeinde zu den HEILIGEN ENGELN in Peine gedenkt mit der Namensgebung des Gemeindehauses des Jesuiten Paters.

 

 

 

 

Die Stadt Peine hat eine Gedenktafel vorzuweisen:

 

 

 

Mittlerweile hat der städtische Alltag die Tafel aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit verdrängt.

 

 

 

Wer es weiß, findet die schwarze Tafel oberhalb der Sonnenschirme zwischen den beiden unteren Fenstern.

 

Reinhold Schneider schildert das Attentat auf Spee:

 

 

 

(Quelle: Friedrich von Spee: TRUTZ-NACHTIGALL. Auswahl mit einem Essay von Reinhold Schneider - Gürzenich Bücherei. Köln 1947)

 

 

 

 

Rekonvaleszenz im Stift Falkenhagen (1629)

 

 

 

In unserem "Lebenslauf von Friedrich Spee" ist die Rekonvaleszenzzeit in Falkenhagen vermerkt. In der Peiner Gegend war auf Spee ein Attentat verübt worden. Dabei erlitt er lebensbedrohliche Verletzungen. Der in Falkenhagen um seine Genesung ringende Spee steht im Mittelpunkt eines 1937 von Reinhold Schneider veröffentlichten Essays. Hier ein Ausschnitt:

 

Endlich lenkte Spee wieder in die Richtung nach Falkenhagen ein; es erhob sich, während er auf und nieder getragen wurde, die Felder sacht vorüberglitten, der helle Wald sich öffnete und schloß und wieder öffnete, in ihm ein Klingen, das aus all den vorüberziehenden Dingen zu tönen schien, um in seiner Seele sich zu sammeln und Gestalt zu werden: so hatte er, wohl nach längerem Ritt, als ihn je ein Reiter zwischen Corvey und Falkenhagen getan, erst in der Dämmerung zwischen den Stämmen des zurückweichenden Waldes den Blick über die brachliegenden Felder auf die nackten Dachsparren der Klosterkirche. Er hatte freilich keinen Wohlstand erwartet, doch im Heranreiten sah er nun, daß es auch hier weit schlimmer stand, als er vermutet; wohl schon seit Jahr und Tag mochte kein Pflug mehr gegangen sein über die verwilderte, überwucherte Erde, und Flammen, Regen und Sturm schienen abwechselnd in dem alten hochragenden Mauerwerk der Kirche und des Klosterbaus eingekehrt zu sein: Falkenhagen der bedeutendste Grundbesitz des Jesuitenkollegiums zu Paderborn, dem Spee angehörte, hatte, trotz seiner Abgeschiedenheit, kein besseres Schicksal gehabt als die alte Bischofs- und Kaiserstadt vor dem Teutoburger Wald, ja, vielleicht noch ein schlimmeres. Doch da der Reisende nun in den Bereich der zerstörten Mauer kam, sah er wohl, daß hier tapfere Hände den Kampf aufgenommen hatten mit Steinen und Dornen; zaghaft und spärlich sproß die Saat, in einem schmalen Bande den Mauertrümmern folgend, aus der Erde auf, deren Kraft kein Brand und Hufschlag hatten töten können. Und als Spee, der abgestiegen war, die müde und widerwillig gehorchende Pforte aufgestoßen hatte, da, im letzten ausgegossenen Licht des Tages, empfing ihn der kleine Garten mit einem so fröhlichen Blühen und Leuchten seiner enggedrängten Stauden und Büsche, daß er ergriffen vor dem schon schlafenden Bienenhaus verweilte, ehe er sich nach einer Unterkunft für sein Grautier umsah.

 

Im Mai hat Hans Müskens Falkenhagen besucht und für uns die Spee-Gedenktafel an der katholischen Kirche St. Michael beim Kloster Falkenhagen fotografiert.

 

 

 

 

 

  

Am Beginn des Tages

Erzählung

 

Friedrich Spee saß im Garten des Klosters Falkenhagen. Das Attentat, das auf ihn vor einigen Wochen verübt worden war, hatte er noch nicht vergessen. Aber es war doch in seiner Erinnerung zurückgetreten. Denn viele Menschen hatten sich liebevoll um ihn gesorgt. Zunächst in Woltorp, dem kleinen Dorf, wo er am Sonntag des Guten Hirten schwer verwundet angekommen war und während der Predigt zusammenbrach; dann in Hildesheim, wo sich die Ordensbrüder um ihn gekümmert hatten, obwohl am Anfang keiner mehr viel Hoffnung hatte, dass er noch einmal gesund werden würde. Leute aus Peine hatten ihm Briefe geschickt und ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, er möge doch bald wieder bei ihnen sein. Das tat gut. Es war nicht alles umsonst gewesen. Als besonderes Geschenk empfand er den Aufenthalt hier in Falkenhagen, der kleinen Ordensniederlassung im Weserbergland. Die schöne Kirche war ihm besonders wichtig - aber auch der Klostergarten, der morgens in der Frühe angefüllt war vom Gesang der Vögel. Inzwischen fühlte er sich so stark, dass er sogar bei einem Überfall auf das Kloster die Angreifer eigenhändig in die Flucht schlagen konnte. Der Friede war zurückgekehrt.

Die Zeit, in der er in den Wirren der Auseinandersetzung der unterschiedlichen Glaubensauffassungen Stellung beziehen musste, war im Augenblick unterbrochen. Er kam zur Ruhe. Die Zeit der Vorlesungen in Paderborn war ebenfalls unterbrochen. Was er am meisten bedauerte, war, dass er im Augenblick nicht mehr als Beichtvater zu den Angeklagten ins Gefängnis gehen konnte. Vielleicht war das seine wichtigste Aufgabe als Priester und Seelsorger gewesen. Jetzt fand er aber Ruhe, um wieder ganz gesund zu werden. Er tat das, was für ihn unendlich wichtig war: er las seine Gedichte durch, die er zwischendurch immer wieder verfasst hatte, korrigierte das eine oder andere, schrieb neue Strophen und ganze Texte dazu: „Wan Morgenröt sich zieret …“ -  Der Augenblick war da, um sich hier im Garten dem neuen Tag zu öffnen, der aufgehenden Sonne hinter den hohen Bäumen entgegen zu sehen. Die Nacht der Angst, der Todesangst nach dem Attentat war vorbei. Gott sei Dank!

In diesem Augenblick sah er sich als kleinen Jungen, wie er mit seinem Vater in Kaiserswerth auf den Turm der Burg am Rhein stieg. Der Vater hatte ihn immer wieder hierhin mitgenommen: Morgens in der Frühe, wenn die Sonne gerade über dem Kreuzberg aufstieg, am Mittag, wenn ihr Licht  die Burg und die kleine Stadt zu ihren Füßen fast schattenlos  erscheinen ließ, am Abend, wenn sie auf der anderen Seite des Rheins  in der Ferne unterging und am Schluss des Tages  Land und Strom noch einmal in Gold tauchte. In diesem Augenblick sah er das Bild der Sonne in der Stadt, in der er geboren wurde. Gerne würde er noch einmal hierher kommen.

Der Klostergarten von Falkenhagen war jetzt der Burggarten der kaiserlichen Pfalz in Kaiserswerth. Er blätterte in seinen Unterlagen und las:

 

Gleich früh sich wan entzündet /Der silberweisse tag

Und klar die Sonn verkündet, / Was nachts verborgen lag,

Die Lieb in meinem hertzen, /Ein Flämmlein stecket an,

Das brennt gleich einer kertzen / ,So niemand leschen kan.

 

Die Liebe in seinem Herzen: er dachte an seine Eltern, an seine Geschwister, an alle, die damals mit ihm zur Schule gegangen waren, ja, an alle, die er in Kaiserswerth kannte. Lange ist es her! Kannten sie ihn noch? Er würde gerne jetzt in diesem Augenblick  in der Kirche des heiligen Suitbertus eine Kerze anzünden: „So niemand leschen kan.“ Den Gedanken fand er gut und auch dass er ihn als Schlusszeile für seine Gedichtstrophe gewählt hatte.

Der Morgengesang der Vögel war längst leiser geworden. Die Sonne bestrahlte den Chor der Kirche und würde den Raum mit Licht erfüllen, dem Licht des neuen Tages. Er verließ langsam den stillen Garten, öffnete das Kirchenportal und sah das Licht der  Morgensonne durch die Chorfenster fließen. Er nahm an dem Licht teil und betete: „Auff, auff, Gott will gelobet sein  / Der Schöpffer hoch von Ehren.“

 

Tag und Nacht, das hatte ihm sein Vater auf dem Turm der Burg beigebracht, sei das Licht anders und hatte  hinzugefügt: „Tag und Nacht erlebst du Gott in einem anderen Licht.“

 

Hans Müskens

 

 

 

 

Edvard Munch, Die Sonne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Blinde und Sehbehinderte im historischen Kaiserswerth

 

Foto: Lokalkurier

 

 

Mit Mitte Mai fand, wie der LOKALKURIER am 11. Juni 2015 berichtet, eine historische Stadtführung für Blinde und Sehbehinderte statt. Besonders berührt hat uns, wie die Teilnehmer am Spee-Epitaph den Vortrag ertasten.

 

 

  

 

 

Zum 400. Geburtstag Friedrich Spees gab die deutsche Bundespost eine Gedenkbriefmarke heraus, die von der Grafikerin Frau Graschberger gestaltet wurde.

 

 

Die Sankt-Ansgar-Schule - Staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium jesuitischer Tradition (Hamburg) - hat diese Briefmarke in Großformat zur Gestaltung ihrer Cafeteria verwendet.

 

Mit der Bezeichnung "Spee-Haus" hat die Schule schon vor einiger Zeit dem Jesuitenpater ein Denkmal gesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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