Friedrich Spee Gesellschaft e.V. Düsseldorf

 

Spee-Plakette

 

 

 

Pünktlich zum Geburtstag von Friedrich Spee am 25. Februar 2017 konnten wir für das Friedrich-Spee-Archiv in Kaiserswerth eine Bronzeplakette erwerben. Sie hat die Maße 21 x 13,5 cm und zeigt Friedrich Spee in Anlehnung an das „Urbild“ aus dem 17. Jahrhundert. Wie beim Vorbild fällt der direkte Blick auf den Betrachter auf.  Äußere Merkmale sind  der große Kragen, das Birett in der rechten Hand und die linke Hand, die sich auf ein Buch aufstützt. Zusätzlich rollt sich in dieser Darstellung ein Notenblatt über den Bildrand. Es  stellt die Verbindung zwischen Bildteil und Schrift her und ist ein Hinweis auf den Liederdichter.

 

An der linken linken Seite neben Spees Kopf erkennt man einen kleinen singenden Vogel im Geäst, eine Nachtigall. Sie erinnert somit an Spees Gedichtband „Trutz-Nachtigall“.

Der Nachtigall gegenüber verweist ein lodernder Scheiterhaufen auf die Hexenprozesse, gegen die Friedrich Spee vehement in seinem Buch „Cautio Criminalis“ Stellung bezieht.

 

Die Plakette ist zweigeteilt: im oberen Teil (zweidrittel) ist das Bildprogramm mit dem Namen „Friedrich Spee SJ“ und den Lebensdaten (1591-1635) ergänzt.  Im unteren Drittel liest man eine entsprechende weitergehende Erklärung: „WIRKTE ALS PROF. AM KÖLNER JESUITENKOLLEG - BEDEUTENDER LYRIKER - ALS VERFASSER DER SCHRIFT GEGEN HEXENWAHN UND FOLTER - CAUTIO CRIMINALIS - KÄMPFER F. D. MENSCHENRECHTE“.

 

Die Plakette zeigt die Signatur „O.H“. Dahinter verbirgt sich der Bildhauer und Maler Olaf Höhnen (geb. am 5.4. 1933 in Mendig / Eifel – gestorben am 5.3. 2009 in Frechen. Von Olaf Höhnen stammt auch das Bronze-Relief für Friedrich Spee am ehemaligen Jesuitenkolleg (heute Generalvikariat) in Köln. Vom Künstler befinden sich zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum u.a. in Köln und Frechen.

 

 

Hans Müskens 

Eine Rose für die Dichterin - Eine Rose für den Dichter 

Die Spee-Gesellschaft hat sich der Aktion des Vereins LITERATURLANDSCHAFTEN angeschlossen. An jedem ersten Juni-Wochenende werden landesweit an Dichtergräbern oder anderen literarischen Gedenkorten (in unserem Falle am Spee-Epitaph) Rosen niedergelegt. In der Vergangenheit standen Rosen-Zitate von Hölderlin und Fontane im Mittelpunkt. Es ist in unseren Augen ein sinnvoller Brauch, das zentrale Gedenken in einem lokalen Gedenken zu spiegeln. In diesem Jahr steht Sophie Mereau-Brentano im Zentrum.  

 

 

 

 

"Wohl reizet die Rose mit sanfter Gewalt"; (zweite Strophe des Gedichtes Feuerfarb) 

 

 

 

FEUERFARB


Ich weiß eine Farbe, der bin ich so hold,
die achte ich höher als Silber und Gold,
die trag`ich so gerne um Stirn und Gewand,
und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.

Wohl reizet die Rose mit sanfter Gewalt;
doch bald ist verblichen die süße Gestalt:
drum ward sie zur Blume der Liebe geweiht;
bald schwindet ihr Zauber vom Hauche der Zeit.

Die Bläue des Himmels strahlt herrlich und mild;
drum gab man der Treue dies freundliche Bild.
Doch trübet manch Wölkchen den Äther so rein;
so schleichen beim Treuen oft Sorgen sich ein.

Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht,
heißt Farbe der Unschuld; doch dauert sie nicht.
Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid:
so trüben auch Unschuld Verleumdung und Neid.

Und Frühlings, von schmeichelnden Lüftchen entbrannt,
trägt Wäldchen und wiese der Hoffnung Gewand.
Bald welken die Blätter und sinken hinab:
so sinkt oft der Hoffnungen liebste in`s Grab.

Nur Wahrheit bleibt ewig, und wandelt sich nicht:
sie flammt wie der Sonne alleuchtendes Licht.
Ihr hab`ich mich ewig zu eigen geweiht.
wohl dem, der ihr blitzendes Auge nicht scheut!

Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold,
den heiligen Namen der Wahrheit gezollt? –
Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt,
und ruhige Dauer sie schützend umschließt.

Ihr schadet der nässende Regenguß nicht,
noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht;
drumtrag` ich so gern sie um Stirn und Gewand,
und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.

 

 

 

 

 

 

Das Gedicht der 22-jährigen Sophie Schubart erschien 1792 in Friedrich Justin Bertuchs JOURNAL DES LUXUS UND DER MODEN in Weimar. 1806 hat Ludwig van Bethoven es in seinem Opus 52, 8 LIEDERN ZUM PIANO, vertont. Der Zeit entsprechend wird der Name der Autorin, die inzwischen Sophie Mereau heißt, nicht genannt. 

 

Im Gedicht ist ein Begriff zentral, der lebenslag eine wichtige Bedeutung für die Dichterin hatte: die Wahrheit. Wahrheit ist gekoppelt an Freiheit und an die Liebe, das eine ohne das andere schließt sich aus für die Mereau,  Wahrheit schließlich empfand sie immer, wenn sie in der geliebten Natur war. Die Natur übermittelrte ein Gefühl der Wahrhaftigkeit, hier kam der Mensch zu sich und zur Erkenntnis seiner wahren Gefühle, somit zumit zur eigenen Wahrheit überhaupt. 

Daher ist dieses Gedicht bedeutsam, es kann als eine Art von Bekenntnis verstanden werden: Es geht der Dichterin um die unnachgiebige Verfolgung des eigenen Wegs. Er war nicht der Einfachste.

Sophie Mereau wurde nach Sophie von La Roche zu einer der ersten Berufssriftstellerinnen Deutschlands und hat Naturgedichte geschaffen, die sich auf eine Stufe mit den größten Zeitgenossen stellen, hier sind Goethe und Schiller zu nennen. Daneben entwickelte sie das wohl fortschrittlichste Konzept der freien Liebe im ausgehenden 18. Jhd.. (Aus Anette Seemann: Himmel und Hölle, doch Hölle vorherschend - Leben und Werk der Dichterin Sophie Mereau - in: tabularasa, 51). 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Müskens, der Vorsitzende unserer Gesellschaft, brachte am Spee-Epitaph den symbolischen Gruß Friedrich Spees an. Das Faksimile der Unterschrift Spees entstammt einem Brief an den Ordensgeneral 1617: "Fridericus Spe sst = subscribit". 

 

 

 

 

 

Eine weitere Korrespondenz zum Rosenmotiv entnehmen wir den anonym erschienenen Geistlichen Liedern vor 1625: 

  

 

 

 

 

 

 

                

 

 

 

 

 

Buß-und Bettag (14. Nov. 2020) 

 

 

Spee in der evangelischen Stadtkirche Ratingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Thema des ökumenischen Gottesdienstes hieß „Isolierte besuchen?“. Hans Müskens versuchte, eine Antwort mit Spees Güldenen Tugendbuch zu geben: 

 

 

 

Friedrich Spee

 

Von den Kranken

 

 

 

Habe ich je einen armen Kranken um Gottes Willen besucht?

Könnte ich vor Gottes Angesicht kommen,

ich hätte solches nie getan?

 

Hab ich je mein Leben lang einem Kranken

um Gottes Willen gedient?

Bei ihm eine Nacht oder zwei gewacht?

 

 

Sollte ich nicht irgendwo einigen Kranken oder  Verwundeten

Ein Wohlgefallen erzeigen können?

Sie besuchen?

Mit Gespräch erfreuen?

Ihnen etwas Schönes schicken?

 

Ich will alsbald zu Werk gehen,

um das Wort des Evangeliums zu ehren!

 

 

Aus dem Glauben folgt die Dienstbarkeit dem Nächsten gegenüber. Glaube ist ohne Zuwendung nicht denkbar. Friedrich Spee zieht ganz praktische Konsequenzen aus dem persönlichen Glauben.

 

Der Seelsorger, Theologe und Dichter Friedrich Spee hat in seiner Zeit im 17. Jahrhundert ganz eigene Erfahrungen mit Krankheit und Kranken gemacht. Zunächst wurde auf ihn ein Attentat verübt, wodurch er am Kopf und an den Schultern schwer verletzt wurde. Gerade die Kopfverletzung hat ihn im weiteren Leben belastet. Er war mehr tot als lebendig, als man ihn aus der kleinen Dorfkirche in Woltorp (Niedersachsen) nach Hildesheim schaffte, wo er wochenlang gepflegt werden musste, bis er endlich wieder seinen „normalem“ Dienst aufnehmen konnte.

 

Dann hat Spee viele Menschen als Seelsorger im Kerker besucht. Sie waren in der Regel zum Tode verurteilt und wurden bald danach hingerichtet. Hier sah er mit Entsetzen die Verwundungen, die durch die Folter verursacht worden waren. Hier erlebte er aber auch das Siechtum  der Angeklagten in völlig verschmutzten Kerkern.

 

Schließich hat er den 30jährigen Krieg in Trier erlebt, als bei den Straßenkämpfen in der Stadt viele verletzte Soldaten versorgt werden mussten. Spee war zur Stelle und gab auch den Sterbenden die notwendige Hilfe im Angesicht des Todes. Soldaten hatten die Pest mit in die Stadt gebracht. Ein weiteres Problem, dem sich Spee stellte: er pflegte die Kranken und sprach auch jetzt den Sterbenden Trost zu. Dabei infizierte er sich und erlitt die Krankheit am eigenen Leib. Am pestartigen Fieber ist er gestorben.

 

Friedrich Spee hat in seinem „Güldenen Tugendbuch“ die Leser angehalten, die Glaubenswahrheiten konkret umzusetzen. So nimmt er die Probleme seiner Zeit mit ins Gebet, hier konkret die Fragen nach Krankheit und Leiden.

 

Die Texte Friedrich Spees, geben einen allgemeinen Blick frei auf die Krankheiten und die Spitäler in seiner Zeit. Er fordert aber auch dazu auf, sich des Problems bewusst zu werden, was Krankheit bedeutet und was man selbst tun kann.

 

Lesen wir, was Friedrich Spee dazu sagt:

 

Stelle dir vor:

Du siehst in einem großen Spital alle Kranken der Welt.

Da liegen etliche.

Sie wissen wegen der unendlichen  Schmerzen nicht,

wo sie bleiben sollen,

schreien und rufen jämmerlich.

 

Da liegen andere,

welche von unzähligen Krankheiten geplagt werden.

 

Wieder andere

haben etliche Jahre lang

Sich den Leib wund gelegen,

.

Andere

Sind jämmerlich verwundet, gestochen,

gehauen, angeschossen, gequetscht,

halb tot, halb lebendig.

 

Wen wollte nicht grausen, diesem Elend zuzuschauen?

 

Nachdem du dir das vorgestellt hast, frage dich:

Wenn du in diesem Augenblick allen Kranken auf der Welt aufhelfen könntest,

wolltest du das nicht von Herzen gern tun?

 

Die Antwort:

Ja, freilich.

Und sollte ich selbst dafür einen Monat lang krank liegen.

Solches wollte ich gerne auf mich nehmen,

wenn nur ihnen geholfen würde.

 

 

Noch einmal geht Spee auf eine spezielle Form von Kranksein ein. Es ist letztendlich die Krankheit, an der er selbst gestorben ist: die Pest – einer Pandemie früherer Zeiten. Er öffnet dabei auch den Blick dafür, wie unwürdig, unmenschlich die Spitale damals waren. Der Kranke wurde in ein Siechenhaus abgeschoben und jeder Kontakt zu den Mitmenschen und zur bisherigen Welt abgeschnitten. Eine ganz furchtbare Erfahrungen, die diesem Text von Friedrich Spee zu Grunde liegt.

 

 

Stelle dir vor

Ein kleines Spital,

wo etliche arme Kranken liegen,

Verwundete,

Deren Wunden

Und Krankheiten

oder Schäden

Abscheulich sind,

übel riechen.

Der Ort auch selbst

Ist sehr unsauber.

 

Denke nach:

Wirst du aus Liebe zu Gott

Dich überwinden können

in dieses unsaubere Spital hineinzugehen,

den üblen Gestank überstehen,

den abscheulichen Kranken dienen,

ihnen Speise bereiten,

ihre Betten machen,

ihre Wunden verbinden,

ihre Leinwand auswaschen und

dergleichen verrichten können?

 

Denke nach und

antworte,

ob du dich dazu schicken könntest.

 

Die Antwort:

Es würde mir schwer fallen.

Doch, um Gott zu ehren,

würde ich mich tapfer und heroisch überwinden.

Gott würde mir ohne allen Zweifel

genug Gnade und Stärke dazu verleihen.

 

 

Es ist das Gottvertrauen, dass Friedrich Spee tätig werden lässt und damit auch den Leser überzeugen will, ähnlich zu denken, um so den unglücklichen Kranken beizustehen. Solidarisch sein, Nähe zeigen, würde wir heute sagen.

 

Heute – im 21. Jahrhundert - sind sicherlich andere Lösungen gefragt. Aber die Solidarität mit den Kranken ist dieselbe. So geht auch der grundsätzliche Ansatz von Friedrich Spee über ihre Zeit hinaus. „Es würde mir schwer fallen“, heißt es im Text von Spee. Das ist ehrlich. „Gott würde mir ohne Zweifel genug Gnade und Stärke dazu verleihen.“ Das ist das, was auch uns stark machen sollte.

 

Hans Müskens

 

 

 

 

Skulptur von Ulrich Henn 

 

 

 

 

 

  

 

 

Ostern 2021

 

 

 

 

O Traurigkeit, o Herzeleid

 

Meditation zum Vespergottesdienst in der Fastenzeit

in der Basilika St. Suitbertus in Düsseldorf -Kaiserswerth

 

 

Lesung aus dem Propheten Hesekiel (36, 26-27):

 

So spricht der Herr:

Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben.

Ich will das Herz aus Stein aus eurem Körper nehmen und euch ein Herz von Fleisch geben.

Ich will euch meinen Geist geben und will aus euch Menschen machen.

 

Friedrich Spee hat für jede Zeit  des Kirchenjahres Lieder gedichtet, die wir bis heute in unseren Gesangbüchern finden. Heute soll das Lied zur Passionszeit sein: O Traurigkeit, o Herzeleid (GL 188) im Mittelpunkt unserer Überlegungen stehen.

 

Meditation:

 

Zwei Dinge sind für Friedrich Spee kennzeichnend. Da ist einmal  seine Sprache, die sich an der Bibel und am kirchlichen Glauben orientiert, aber dazu einen ganz persönlichen Ton findet, der manchmal sogar ungewöhnlich, aufregend und provokant wirkt. Zum anderen die Aktualität, die durch die Texte oft hindurch scheint, also die Nähe zum Menschen seiner Zeit signalisiert. Gerade darum haben sie aber auch über den konkreten Entstehensanlass hinaus eine Zeitlosigkeit, so dass wir uns heute in ihnen wiederfinden können.

 

Das Lied erscheint zum ersten Mal 1628 und findet sich heute im Stammteil des Gotteslobes und im Evangelischen Gesangbuch. Die Fassung, die wir heute singen, weicht nur wenig von der ursprünglichen Fassung ab. 

 

O Traurigkeit, o Herzeleid!

Ist dass denn nicht zu klagen:

Gott des Vaters einigs Kind

wird zu Grab getragen.

 

Es ist eine ganz innige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die in dieser Strophe zum Ausdruck kommt, eine zutiefst menschliche Erfahrung, wenn Eltern um ihr Kind trauern.

Es ist des Vaters einziges Kind. Gott des Vaters einigs Kind betont aber auch die Einheit zwischen Vater und Sohn. Das, was dem Sohn geschieht, geschieht auch dem Vater.

 

O höchstes Gut, unschuldig Blut!

Wer hätt dies mögen denken,

daß der Mensch sein Schöpfer sollt

an das Kreuz aufhenken.

 

Der Begriff  „O höchstes Gut“ – wir kennen ihn auch aus der eucharistischen Verehrung  - lässt sich bei Friedrich Spee häufiger nachweisen. Dieses höchste Gut, dieses absolut Gute und Unverfälschte, dieser Jesus ist unschuldig, wie der Text betont, und der Mensch hat seinen Schöpfer am Kreuz aufgehängt wie einen Schwerverbrecher.

 

O heiße Zehr, fließ immer mehr!

Wen sollt dies nicht bewegen,

weil sich über Christi Tod

auch die Felsen regen.

 

Hier hören wir das Mitleiden, das Mitleid der Natur heraus, wie sehr muss da erst der Mensch über dieses Fehlurteil trauern, Tränen der Trauer vergießen. Diesen Gedanken, dass die Schöpfung über den Tod ihres Schöpfers betroffen ist, findet sich auch an anderen Stellen im Werk Spees. In dem Lied Bei stiller Nacht heißt es zum Beispiel in der letzten Strophe: Kein Vogelsang noch Freudenklang man höret in den Lüften, / die wilden Tier traurn auch mit mir in Steinen und in Kluften.

 

Wie große Pein, Maria rein,

mußt leiden ohne Maßen;

denn du bist von jedermann

ganz und gar verlassen.

 

Eine Intensivierung des Mitleids erfolgt in dieser Strophe. Die Mutter Maria ist allein auf dem Kreuzweg, allein unter dem Kreuz. Keiner kann ihr den angemessen Trost zusprechen, wenn ihr Sohn stirbt. Sie selbst kann auch nur mitleiden. Auch hier eine zutiefst menschliche Darstellungsweise: die Verlassenheit einer Mutter bei der Trauer um ihren Sohn. 

 

Wie schwer ist doch der Sünden Joch,

weil es tut unterdrücken

Gottes Sohn, als er das Kreuz

Trug auf seinem Rücken.

 

Anschaulich ist der Vergleich in dieser Strophe, wenn hier vom Joch der Sünde gesprochen wird. Die Sünde drückt den das Kreuz tragenden Jesus nieder, wie das Joch, das man einem Ochsen auflegt, damit er die Lasten zieht.

 

O großer Schmerz! O steinern Herz,

steh ab von deinen Sünden,

wenn du willst nach deinem Tod

Gottes Gnad empfinden

 

Die letzte Strophe steht in Korrespondenz zur ersten Strophe. Beide umklammern das Gedicht. In der Ersten Strophe die O Traurigkeit, o Herzeleid; in der letzten Strophe O großer Schmerz, o steinern Herz. Der Mensch soll sich von den Sünden lossagen im Blick auf den eigenen Tod und damit verbunden im Hinblick auf das Geschenk der Gnade des ewigen Lebens. Der hartherzige, hart gesottene  Mensch soll dem Ereignis auf Golgatha gegenüber nicht empfindungslos bleiben.

 

Zwei Begriffe möchte ich noch ein wenig mehr meditativ durchdenken: Sünde und hartes Herz: Was ist mit der Sünde gemeint. Mit  dem Begriff „Erbsünde“, die den Menschen grundsätzlich schuldig sein lässt, können wir oft nicht so viel anfangen, weil sie zu wenig konkret gefasst wird. Friedrich Spee sagt in einem anderen Text ganz eindeutig, was die Sünde ist, die Jesus ans Kreuz gebracht hat. In einem längeren Gespräch geht Christus am Kreuz der Frage nach, warum er so enden muss, warum er unschuldig hingerichtet wird. Der letzte, den Christus nach einer Reihe von Gesprächspartnern schließlich anspricht, ist der Mensch. Das ist der Mensch damals vor 2000 Jahren, das ist aber auch der Mensch, der Zeitgenosse von Friedrich Spee aus dem 17. Jahrhundert und es ist der Mensch heute. Gerade vor der konkreten Situation unserer Tage geht dieser Text ganz nahe, wenn man sich ihm öffnet. Dann geht er zu Herzen, trifft die Mitte des Menschen.

 

Hört auf das,

Was ich euch zurufe!

Hört auf,

Euch schuldig zu machen:

An euch selbst,

An anderen Menschen!

Hört auf,

Denn ich muß sterben.

Kehrt um!

Seht das Kreuz an!

Eure Hoffart

Hat mich gekrönt;

Euer Geiz,

Euer Denken an euch selbst

Haben mich ans Kreuz genagelt.

Eure Lieblosigkeit

Hat mich gegeißelt.

Euer Zorn,

Euer Haß

Haben mich durchstochen.

Eure Gier

Hat mich mit Galle getränkt.

Eure Trägheit,

Eure Uneinsichtigkeit

Nehmen mir das Leben.

Schaut das Kreuz an.

Dann kehrt um!

So sehr liebe ich euch!

 

Das steinerne Herz – der zweite Begriff, den ich zum Nachdenken anbiete, ist ein Grundthema bei Friedrich Spee. Damit ist die Kälte  und Gefühllosigkeit des Menschen seinem Mitmenschen gegenüber gemeint. Es ist die mangelnde Einsicht darüber, warum Christus am Kreuz gestorben ist. Wir haben es gerade schon gehört.

 

Friedrich Spee sagt es in einer Meditation auf seine Weise aus, wie dieser Jesus, den er verkündet, mit dem harten Herzen umgeht. Er möchte das harte Herz öffnen, weich, empfänglich machen für seine Botschaft und damit für die Zukunft des Menschen:  

 

Glaube mir, Christus, unser Herr, hat kein steinernes Herz für seine lieben Kinder, sondern will und muß barmherzig sein. Er hat sich so weit und tief mit den Menschen eingelassen, er kann uns in Ewigkeit nicht verlassen, wenn wir es nur selbst nicht verschulden. Was dich also beschwert, was dir Kummer bereitet, was dich betrübt, all dein Kreuz und Leiden, alle Gebrechen und Unvollkommenheiten, trage ihm demütig vor wie ein Kind seiner Mutter. Ich verspreche dir nach dem ausdrücklichen Wort Gottes: er wird sich deiner erbarmen und aus allen Nöten, wenn es dir dienlich ist, erretten. (Aus dem Güldenen Tugend-Buch)

 

Es ist ein Lebensprogramm und ein Auftrag mit Blick auf Ostern 2021 „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebenwill aus euch Menschen machen.“(Hesekiel 36,27)

 

 

Hans Müskens 

 

 

 

 

 L´aime amante de son Diéu (Pia Desidirea, Herman Hugo)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kreuzwegmeditation

 

 

 

 

Wie jedes Jahr bereitet die Friedrich-Spee-Gesellschaft eine Kreuzwegmeditation mit Texten von Friedrich Spee vor.

Termin: Freitag den 27.03.2020, 18 Uhr in der Basilika.

 

 

Günter Dengel (27.10.1931 - 5.3.2019)

 

 

Am 20. März 1985 hielt Prof. Dr. Weber (Trier) in der Reihe der „Düsseldorfer Mittwochgespräche“ einen Vortrag über Friedrich Spee. Anlass war der 350. Todestag (7. August 1635). Dieser Vortrag motivierte Günter Dengel, neben der Heinrich Heine – Gesellschaft die Gründung einer Friedrich Spee – Gesellschaft anzuregen. Er gehörte auch zu denen, die die Gründungsversammlung im Suitbertus – Saal an St. Suitbert in Kaiserswerth (7. August 1985) vorbereiteten. Er ist somit der Gründungsvater der Friedrich Spee – Gesellschaft Düsseldorf, indirekt auch der in Trier, da die Trierer Gesellschaft nach den üblichen Gründungswirren deutscher Vereine sich aus der gemeinschaftlichen Gesellschaft löste. So ist es logisch, dass er die Reihe der Ehrenmitglieder der Gesellschaft anführt.

Günter Dengel ist nun am 5. März 2019 in Düsseldorf gestorben. Geboren wurde er am 27. Oktober 1931 im unterfränkischen Neubrunn zwischen Wertheim und Würzburg. 1998 hat er im Bernadus – Verlag Langwaden unter dem Titel ZEITEN UND BEGEGNUNGEN seine Erinnerungen veröffentlicht. Das Buch hat er seiner Frau Gerti und seinen Kindern Georg und Dorothee gewidmet. Blättert man jetzt nach dreißig Jahren in dem Buche, so muss man dem Verfasser zugestehen, dass er aus seiner Perspektive tatsächlich ein Protokoll der Zeitabläufe liefert, und auf seine Art war er immer dabei.

Seine Kindheit verbringt Günter Dengel in einem katholischen dörflichen Milieu. Als weiterführende Schule besucht er das Kilianeum in Würzburg, ein Knabenseminar, das mittellosen Jungen das Abitur, Theologiestudium und die Ausbildung zum Priester ermöglichen soll. Er absolvierte auch das entsprechende Studium der Philosophie und Theologie in Würzburg, entschied sich aber im Sommersemester 1954 und in den Ferien, nicht Priester zu werden. Er trat vor den Höheren Weihen aus dem Priesterseminar aus. Er studierte nunmehr mit dem Ziel des Lehramtes an den Universitäten in München und Münster. Nach der Referendarausbildung in den Fächern Katholische Religionslehre und Deutsch wird der junge Ehemann und Vater nach einigen Zwischenstationen in Düsseldorf sesshaft. 1994 wird Günter Dengel pensioniert.

München und Münster waren damals führende Universitäten. Der Student Dengel entwickelt außergewöhnlich weitreichende und intensive wissenschaftliche und kulturelle Interessen. Besonders beeindruckt ist er für sein Leben von den Professoren Roman Guardini und Josef Pieper. Er hat auch Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit ihnen. Er nimmt am kirchlichen Leben teil. Beteiligt sich an der Jugend- und Sozialarbeit, beteiligt sich an den Diskussionen über kirchliche und speziell liturgische Reformen. Die Entwicklung des dörflichen Lebens interessiert ihn. In den dreißig Jahren seiner Lehrtätigkeit in Düsseldorf regt er unzählige Projekte an. Er organisiert Lesungen für Schüler mit bedeutenden Autoren wie Martin Walser und Peter Handke. Es gibt kaum eine kulturelle Veranstaltung, wo Günter Dengel nicht als temperamentvoller Debattenredner auftritt.

1974 ist er Mitarbeiter an einem Heine – Lesebuch (Gesellschaftskritik im Werk Heinrich Heines. Hrsg. von Hedwig Walwei – Wiegelmann). 1991 erscheint das FRIEDRICH SPEE – LESEBUCH der Düsseldorfer Spee – Gesellschaft. Günter Dengel übernimmt das Kapitel über das „Güldene Tugendbuch“. Seine sorgfältige Textauswahl und seine Positionierung des Werkes in der deutschen Frömmigkeitsgeschichte könnten ihren Herausgeber und Verfasser um einiges überleben. Darüberhinaus verfasste er einige Aufsätze für das SPEE – JAHRBUCH, hielt etliche Vorträge, und solange es seine Gesundheit zuließ, fehlte Günter Dengel bei keiner Veranstaltung der Friedrich Spee – Gesellschaft Düsseldorf, er war ein Begeisterter, der begeistern konnte.

 

 

 

ZUM JAHRESAUSKLANG

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Speefreunde!

 

 

Bald schon feiern wir Weihnachten und den Jahreswechsel. Wie schon häufiger in den letzten Jahren, darf ich Sie auch dieses Mal mit einem Meditationstext aus dem „Güldenen Tugend-Buch“ von Friedrich Spee bekannt machen, den ich bei Textlesungen oder bei Gottesdiensten gerne vortrage:

 

 Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Edvard_Munch#/media/File:Solen_av_Edvard_Munch.jpg

 

Meditation

 

Stell dir mit geschlossenen Augen vor:

DU siehst eine sehr schöne,

hell scheinende Sonne.

Schau,

wie sie ihre goldenen Strahlen

über den ganzen Erdkreis ausgiesst.

Alle Welt,

Menschen und Tiere,

Berg und Tal,

Städte und Dörfer,

Meer und Land

Werden von ihr beschienen.

 

Wenn du Dem Schauspiel

Ein wenig zugeschaut hast,

so bedenke:

das heilige Sakrament

ist eine solche Sonne,

die die Herzen der Menschen

mit dem Licht der Gnade

zu bescheinen vermag,

wenn man sich nur nicht

vor ihren Strahlen verbirgt.

 

Wenn du das ein wenig bedacht hast,

so sprich mit deinem Herzen:

 

Jesus, du selbst bist hier.

Du bist die auserwählte Sonne !

Ich armer Mensch komme zu dir.

Erleuchte nun die Dunkelheit meiner Seele.

 

 

Vielleicht können Sie den Meditationstext mit in die Adventszeit und die kommenden Feiertage hinein nehmen. Er ist ja in gewisser Weise eine Interpretation oder Weiterführung des Weihnachtsliedes von Friedrich Spee „Zu Betlehem geboren“. „In deine Lieb versenken will ich mich ganz hinab...“heißt es in der 2. Strophe, und die 5. Strophe geht genau auf den Gedanken der Meditation ein: „Dich wahren Gott ich finde / in meinem Fleisch und Blut, / darum ich fest mich binde / an dich mein höchstes Gut“.

 

Das zu Ende gehende Jahr brachte eine Reihe guter Veranstaltungen. Besonders schön und neu war der Tag „Eine Rose für Friedrich Spee“. Das war am 2. Juni, als wir uns an einer weit verbreiteten Aktion beteiligten. Mit einer Rose wurde an diesem 1. Juni-Wochenende an vielen Orten in Deutschland an die Dichter und Schriftsteller gedacht und zwar da, wo sie geboren sind, gelebt haben oder wo eine Gedenktafel an den Menschen und sein Werk erinnern. So bekam auch Friedrich Spee an dem Tag eine Rose geschenkt wegen seiner Verdienste um die barocke Dichtung aber auch wegen seiner außergewöhnlichen Bemühungen um die Menschenrechte. Dem Besucher fällt auf, wenn er das Epitaph an der Basilika in Kaiserswerth besucht und den Blick durch den Torbogen auf das Spee-Archiv richtet, dass hier im sommerlichen Garten mehrere Rosensträucher blühen und die Blüten den Duft verbreiten.

 

Viele Besucher haben in diesem Jahr unsere Archiv- und Arbeitsräume am Kaiserswerther Stiftplatz besucht. Das Gästebuch gibt darüber interessante Auskünfte. Es sind oftmals Zufallsbesucher, aber auch Gäste, die sich angemeldet haben, Gruppen, die „Kaiserswerth mit den Augen Friedrich Spees“ sehen möchten. Alle Besucher sind von der schönen Atmosphäre der Einrichtung angetan und lassen sich gerne über unsere Arbeit und vor allem über Friedrich Spee informieren, was hier vor Ort sehr viel Anschaulichkeit erfährt. Selbstverständlich sind Sie alle eingeladen. Vielleicht planen Sie einen Ausflug mit Bekannten oder mit den Gruppierungen, zu denen Sie Kontakt haben. Sie dürfen in Ihrem Bekanntenkreis gerne auf unsere Einrichtung in Kaiserswerth hinweisen.

 

Auch in diesem Jahr haben einige Damen und Herren ihre Bereitschaft erklärt, Mitglied in unserer Gesellschaft zu werden. Ich begrüße sie auch in diesem Brief und freue mich auf eine gute und intensive Zusammenarbeit.

 

Es gibt im Laufe eines Jahres aber auch immer wieder traurige Anlässe, wenn wir die Nachricht bekommen, dass ein Mitglied verstorben ist. Wir werden an die Verstorbenen aus unserer Gesellschaft bei einem Gottesdienst in besonderer Weise gedenken.

 

Im Namen des Vorstandes wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2019

 

Ihr

 

Hans Müskens

(Vorsitzender)

Rückblick 

Im Mittelpunkt der diesjährigen Feier des Geburtstages Friedrich Spees stand der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Finger:

 

Kaspar Ulenberg - Ein Konvertit zwischen Tridentinischer und Kölnischer Reform.

 

Kaspar Ulenberg (1548 - 1617), der in Lippstadt in einem orthodoxen lutherischen Milieu aufwuchs, war von 1567 bis 1583 Kanoniker und Pfarrer in Kaiserswerth. Nachdem er einen nahen Verwandten für das Luthertum zurückgewonnen hatte, konvertierte er selbst im damaligen Köln zum Katholizismus. Das geschieht, ohne dass wir irgendeinen Beleg für ein entscheidendes, religiöses Erlebnis haben. Prof. Finger stieg tief in die Kölner Kirchengeschichte ein.

,,Um Ulenbergs Stellung zwischen Kölnischer und Tridentinischer Reform wenigstens einigermaßen zu umschreiben, ist es wohl am sinnvollsten, ihm zu unterstellen, dass er in dieser Hinsicht mit dem konservativen Flügel der Gelehrten unter dem damaligen Kölner Säcularklerus übereinstimmte. In einem ganz wichtigen Punkt unterschied sich Ulenberg allerdings sehr vom im Köln damals oft noch mittelalterlich bestimmten älteren priesterlichen Leitbild. Ulenberg sah sich - anders als seine vorneuzeitlichen Amtsvorgänger - nicht fast ausschließlich nur als Sakramentenspender. Er wirkte ganz besonders als Katechet im weitesten Sinn und war in dieser Beziehung auch nach seiner Mentalität sicher kein 'Traditionalist'.

 

So bedeutsam er als Professor, Bibelübersetzer, Komponist, Dichter, Kirchenpolitiker und nicht zuletzt als Kontroverstheologe auch war und so unverzichtbar er zu Lebzeiten in all diesen Bereichen im Kölner Erzbistum gewirkt hat, die Nachwelt hat ihn nur als Seelsorger in Erinnerung behalten, als das, was er selbst allein sein wollte."

 

 

Das musikalische Rahmenprogramm gestalteten Martin Roemer, Grevenbroich (Cello) und Jan Stoll, Düsseldorf (Querflöte). Sie spielten Musik von der Barock-Zeit bis zur Moderne. Als besonderer Tribut an Ulenberg spielten sie Variationen zu den Liedern 393 und 421 des Gotteslobes, beides Lieder von Caspar Ulenberg.

 

 

 

 

 

 

*Der Wachsamste

 

 

 

Jahreshauptversammlung

 

Die diesjährige Jahreshauptversammlung entsprach nicht der Satzungsregelmäßigkeit, was insbesondere durch den Tod des Schatzmeisters, Herrn Prof. Henrichs, verursacht war.

Unter den Besuchern im Spee-Archiv wurden besonders der Besuch der "Großfamilie" Spee aus Linnep und die Besuche der Spee-Akademien Bonn und Wuppertal erwähnt. Hingewiesen wurde auf die aktuelle Ulenberg-Ausstellung der Universitäts- und Landesbibliothek Bibel, Psalmen, Kontroversen, die von unserem Geschäftsführer Herrn Stephan curatiert wurde.

Es wurde in diesem Zusammenhang über eventuelle Aktivitäten der Spee-Gesellschaft zur Erinnerung an Caspar Ulenberg diskutiert. Erwogen wurde eine Andacht mit Ulenberg-Liedern in der Basilika. Relativ sicher ist ein Vortrag Prof. Fingers "Caspar Ulenberg - Ein Konvertit zwischen tridentinischer und Kölnischer Kirchenreform".

Der Vorstand wurde entlastet und für ein weiteres Jahr im Amte bestätigt.

Herr Cornelius Georg Fetsch wurde zum neuen Schatzmeister bestellt (vorläufig für ein Jahr); als Nachfolger für den verstorbenen Th. M. van Oorschot wurde Dieter Kunze zum Beisitzer gewählt.

Herr Mayer, Vorsitzender des Kaiserswerther Heimat- und Bürgervereins, erhielt zu seinem 80. Geburtstag ein Buchgeschenk.

 

 

 

Spee-Geburtstag 2017

 

Im Zentrum der heilige Suitbertus mit seinem Stern

 

 

Wegen des Karnevals hatten der Heimat- und Bürgerverein und die Spee-Gesellschaft die Veranstaltung auf den 2. März verschoben. die Feier wurde musikalisch umrahmt von Martin Roemer, Grevenbroich (Cello) und Jan Stoll, Düsseldorf (Querflöte). Prof. Dr. Gunther Franz (Trier), ein alter Bekannter in Kaiserswerth (siehe TABULA HONORIS), hatte sich für seinen Vortrag das Spee-Epitaph von Bert Gerresheim vorgenommen (siehe GENUIS LOCI). Gerresheim zitiert in seinem Epitaph zahlreiche Persönlichkeiten, die in einem argumentativen Bezug zu den Hexenprozessen stehen. Das Epitaph sei, so Prof. Franz, wohl das einzige Denkmal, das die Gesamtheit des Kampfes gegen die Hexenprozess würdigen will. Entschiedene Vorläufer von Spee, die unterschiedlich argumentierten, der Arzt Johann Weyer, der am Niederrhein wirkte, und der Theologe Cornelius Loos, der 1592 einen Traktat "D vera et falsa magia" gegen den Trierer Weihbischof Binsfeld verfasste. Die beiden Kollegen als Jesuitenprofessoren Paul Laymann und Adam Tanner hätten differenziert geurteilt. Auch der umstrittene Universalgelehrte Agrippa von Nettesheim und der Jurist Dietrich Flade verdienten eine nähere Betrachtung, während der Abt Johann Malmuder zu Unrecht auf die Ehrentafel gelangt sein.

  

 

Prof. Dr. Gunther Franz

 

Weihnachtsbrief

Viel Positives liegt hinter uns. Ein Grund zum Danken und zum Innehalten, ein Grund den Blick zurück und nach vorne zu wagen. Wie gerne möchte ich im Jahre 2018 ein Wort sagen,

 

das weiterführt,

das ein Lächeln hervorbringt,

das erhellt, 

das froh macht,

das beglückt,

das Frieden bringt. 

 

So möchte ich es wenigsten heute tun in Gedanken an das Vergangene, an Hilfe und Verständnis und in der Vorfreude auf das Kommende, in Gedanken an die Besinnung auf das Wesentliche, was uns Menschen ausmacht.

 

Mit den besten Wünschen zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr

Ihr

 

Hans Müskens

(Vorsitzender)

 

 

 

 

 

 

 

Sagt, was ich gestehen soll!: Hexenprozesse. Entstehung - Schicksale - Chronik

In dritter Auflage erschien:

Hetty Kemmerich: Sagt, was ich gestehen soll!

Ingrid Lessing Verlag Dortmund.

 

 

 

Das Buch schildert 56 Schicksale vom Niederrhein ausführlich. Es bietet eine einzigartige regionale Chronik von etwa 700 Opfern der Hexenverfolgungen. Sie sind gewissermaßen die Fallstudien für die Hexenproblematik der Zeit von 1400 – 1782.

Die Verfasserin versteht ihr Buch nicht rein historisch. „Wer das Unrecht der Hexenverfolgung versteht, kann auch sensibel werden für das Unrecht von heute. Damals suchten Menschen – gemäß der Kirchenlehre – das Böse außen: Im Teufel, in Ketzern, in Hexen – und heute?“

 

 

 

 

Professor Dr. Walter Scheele - kein Opportunist

Ein Nachruf

 

 

 

Am 30. Juni ist der langjährige Vorsitzende der Friedrich-Spee-Gesellschaft, Professor Dr. Walter Scheele, verstorben. Rund acht Jahre hatte er den Vorsitz inne und in der Gesellschaft eine Menge bewegt. Auf der Jahreshauptversammlung 1997 ließ er sich nicht mehr wählen. Für seine großen Verdienste wurde er von den Mitgliedern zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In einem Interview zum 70. Geburtstag bekannte er freimütig, als er gefragt wurde, warum er sich in die Spee-Gesellschaft eingebracht habe: „Ich wusste eigentlich nichts von dieser Gesellschaft… Aber was mir von Spee bekannt war, faszinierte mich.“ Besonders Spees Unerschrockenheit beeindruckte ihn. „Wäre Spee Opportunist gewesen, hätte er nie die Cautio Criminalis geschrieben. Opportunismus sei für ihn eines der schlimmsten Dinge in unserer bürgerlichen Gesellschaft“. So sah er das Anliegen Spees ganz aktuell auf unsere Zeit bezogen und begründete auch so sein Engagement.

 

Begleiten wir Professor Scheele ein wenig auf seinem Lebensweg, so wie er ihn uns in einem Interview und persönlichen Gesprächen mitgeteilt hat.  

Walter Scheele wurde am 26. Januar 1926 in Düsseldorf geboren. Tiefe Erkenntnisse, aus denen er lebensbegleitende Schlüsse gezogen habe, so berichtete er einmal, machte er schon in der Schulzeit: „Eigentlich haben wir nur fünf Jahre die Schulbank gedrückt, bedingt durch Ausfallzeiten im Nationalsozialismus, besonders während des Krieges.“ Das habe jedoch dazu geführt, dass Lernen nicht eine Frage des Stoffes und der zur Verfügung stehenden Stunden sei, sondern „wie es dem Lehrer gelingt, Interesse zu wecken.“ So habe  er es auch in den Jahren mit leitender Stellung in verschiedenen Werbe- und PR-Agenturen und an der Fachhochschule gehalten: „Bei jeder Wissensvermittlung muss etwas von delectare dabei sein. Kurzweil fördert die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer. Langeweile macht schläfrig.“

 

Es ist die Generation, die als junge Menschen – fast noch Schüler – den Krieg am eigenen Leib erlebten. Es folgte die britische Kriegsgefangenschaft in Ägypten mit einer ganz eigenen Erfahrung. Der mehr von der Geisteswissenschaft geprägte junge Mann machte hier „einen Ausflug in die Naturwissenschaften“. Er wurde nämlich Meteorologe bei der Royal Air Force. Gleichzeitig machte er, als die Kameraden im Lager ein „Theater in der Wüste“ gründeten, engagiert mit.

 

Zurück in Deutschland, immatrikulierte er sich in Köln mit den Fächern Soziologie und Volkswirtschaft. Einige Hürden waren in dieser Zeit zu überwinden, so meinte er. Aber wieder kamen ihm, so vermutet man zu Recht, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit zugute. Nach sechs Semestern, „das war damals so üblich“, beendete er sein Studium. Seine erste Arbeitsstelle fand der frisch gebackene Diplom-Volkswirt am Wirtschaftsmuseum im Düsseldorfer Ehrenhof. Es blieb ihm Zeit, die Promotion zum Dr. rer. pol. zu schreiben. Hin und wieder führte er auch Besuchergruppen durch das Museum. Das war für ihn ein gutes Trainingsfeld, seine von vielen Menschen geschätzte rhetorische Begabung zu verfeinern. Wichtig war aber für ihn von jetzt an, Neues zu tun und zu entdecken. Bald bildete er für einen Mineralölkonzern Führungskräfte weiter. Aber, so sagte er einmal: „Ich bin kein Mensch, der auf Dauer in Riesenorganisationen arbeiten kann.“ In der Folgezeit war Walter Scheele in Werbe- und PR-Gesellschaften tätig. Eine von ihm gegründete PR-Agentur avancierte rasch zur größten Deutschlands. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, als die Werbung für politische Parteien professionell startete. So kam er auch viel herum in der Welt.

 

Seiner konsequenten Haltung blieb er auch bei seiner Dozententätigkeit in der Fachhochschule treu, als er in der „68-Ära“ eine opportunistische Anbiederung ablehnte, um eine fragwürdige Beliebtheit zu erlangen. Das schien das Ende der Hochschulkarriere zu sein. Aber da gab es dann die Aktion „Haltet Scheele“, wo innerhalb von zwei Tagen 80 Prozent der Studenten den Aufruf unterschrieben, um so seine Professur zu unterstützen. Für Walter Scheele war das wie eine Auszeichnung, führte aber auch zu einem getrübten Verhältnis zu dem einen oder anderen Kollegen, der in diesen Tagen mangelende Zivilcourage gezeigt hatte.

 

Walter Scheele ist Autor einiger Bücher und mehreren  hundert Veröffentlichungen. Der Schwerpunkt lag für ihn eher in der persönlichen Ansprache: „Ich habe immer ungern geschrieben.“ Mancher Zuhörer hätte gern ein Redemanuskript bekommen. Der Wunsch blieb meistens unerfüllt: „Denn ich mache nur Stichworte, die Rede selbst halte ich frei.“

Wichtig für das Leben von Walter Scheele war seine Familie. 30 Jahre war er mit seiner Frau Annemie verheiratet. Er war dreifacher Vater und vielfacher Großvater mit Überzeugung. So stellte er einmal fest, den vielen Jahren in der Ehe verdanke er „tiefe Erkenntnisse, aus denen er lebensbegleitende Schlüsse“ gezogen habe. In zweiter Ehe war er mit Ingrid Hamm-Scheele verheiratet, eine glückliche Zeit, die auch in die Spee-Gesellschaft hineinwirkte. Seine Frau formulierte in dem bereits oben erwähnten Interview ihre Ansicht über ihren Mann: „Er ist der dynamischste Mensch, den ich kennengelernt habe. Voller Leidenschaft geht er seinen breit gefächerten Interessensgebieten nach, auf halbem Wege stehen zu bleiben, ist seine Sache nicht.“ Interesse und Leidenschaft galten neben seiner Familie der Kunst – er war engagierter Kunstsammler und Freund des Theaters, besonders des Musiktheaters. Er engagierte sich aber ebenso in der Kirche (so u.a. im Katholikenrat der Stadt Düsseldorf).

Auch die Spee-Gesellschaft partizipierte von seiner hohen Einsatzbereitschaft. Zahlreiche Veranstaltungen fanden unter seiner Ägide statt: Tagungen, Vorträge, Ausstellungen; die „Spee-Post“ wurde in dieser Zeit auf den Weg gebracht und in Nachfolge dazu das „Spee-Jahrbuch“. Vieles hat er bewegt und immer wieder Menschen gefunden, die seine Ideen umzusetzen halfen.

 

Bis wenige Tage vor seinem Tod hat er den Kontakt zur Spee-Gesellschaft gehalten. In einem der   letzten Anrufe bedankte er sich für das aktuelle Spee-Jahrbuch, das er Anfang dieses Jahres erhalten hatte. Im Interview zum 70. Geburtstag ließ er durchblicken, dass ihm die Tätigkeit als 1. Vorsitzender Freude bereite. Diese Freude hatte er auch auf die Zeit danach übertragen. Am 20. Juni 2016 ist Professor Scheele verstorben. Wir sind dankbar, dass er uns über viele Jahre begleitete und immer wieder wichtige Impulse für die Arbeit in der Spee-Gesellschaft gesetzt hat.

 

Hans Müskens

(Einige Zitate finden sich im Interview mit Gerd Mauermann: „Voller Leidenschaft und Dynamik – Prof. Dr. Walter Scheele zum 70. Geburtstag“. (Spee-Jahrbuch 1996, S. 21 ff.)

 

 

Zu Ostern

 

 

 

Ostern - Hoffnungszeichen bis heute

 

Friedrich Spee, der Seelsorger und Dichter aus Kaiserswerth, schrieb 1623 das bekannte Osterlied Ist das der Leib, Herr Jesu Christ, der tot im Grab gelegen ist? Es ist ein Text voller Freude und Hoffnung:

 

Ist das der Leib, Herr Jesu Christ,

der tot im Grab gelegen ist?

Kommt, kommt, ihr Christien, jung und alt,

schaut die verklärte Leibsgestalt.

 

Das Lied beginnt mit einer Frage, die man auch so formulieren könnte: Bist du es, der tot war und jetzt vor mir steht? Der Dichter ist so fasziniert, dass er alle Menschen herbeiruft, das Ereignis wahrzunehmen. Dichterische Bilder bestimmen die Strophen, um das Außergewöhnliche darzustellen.

 

Das Leib ist klar, klar wie Kristall.

Rubinen gleich die Wunden all,

die Seel durchstrahlt ihn licht und rein

wie tausendfacher Sonnenschein.

 

Der Leib ist wie ein Kristall: wertvoll geschliffen, er bricht das Licht vielfach und geheimnisvoll. Die Wunden verweisen auf den gemarterten Christus. Jetzt sind sie von unschätzbaren Wert wie ein Rubin. Die Mitte des Auferstanden, seine Seele, ist unendlich hell. Die Übertreibung vom tausendfachen Sonnenschein muss herhalten, um die Aussage verständlich zu machen. Es ist ein Licht, das der Mensch eigentlich nicht ertragen kann, vor dem er die Augen verschließen muss.

 

Der Leib empfindet nimmer Leid,

bleibt unverletzt in Ewigkeit,

gleichwie so viele tausend Jahr

die Sonne leuchtet eben klar.

 

Was wir uns alle wünschen, die Unverletzbarkeit, ist in Jesus Wirklichkeit geworden. Die Ewigkeit, die uns fremd ist, vergleicht der Dichter mit dem unendlich langen Leuchten der Sonne. Der Erklärungsversuch deutet an: Unsere Grenzen werden überschritten.

 

O Leib, wie zart, o Leib, wie fein,

dringst durch verschlossene Türen ein

wie durch das Glas die Sonne geht,

da nichts den Strahlen widersteht.

 

Die Besonderheit der Situation findest einen neuen Ausdruck: zart, fein. Das sind nun die ganz leisen Töne. Begriffe, die sich der Mensch wünscht. Zart und fein sind aber auch Zeichen dafür, dass dieser Jesus unsere festen Dimensionen und Vorstellungen durchbricht. Es gibt keine verschlossenen Türen. Das, was nicht selbstverständlich ist, können wir im Bild nachvollziehen: Jesus ist wie die Sonne, deren Strahlen ein Glas nicht zurückhalten kann.

 

Schnell ist der Leib, schnell und geschwind,

gleichwie ein Pfeil, gleichwie der Wind,

gleichwie die Wet viel tausend Meil

die Sonn umläuft in schneller Eil.

 

Die Einzigartigkeit dieses Jesus zeigt sich auch im Bild der Schnelle. Das heißt, dass Menschen zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten die Erfahrung des Auferstandenen machen. Schnell wie ein Pfeil, wie der Wind oder wie die Erdumdrehung. Die dreimalige Wiederholung des Wortes gleichwie ist eine weitere Steigerung: Jesus ist eben der ,,Ganz-Andere".

 

Bedeck, o Mensch, dein Augenlicht!

Bor dieser Sonn besteht es nicht.

Kein Mensch auf dieser Erde kann

Den Glanz der Gottheit schauen an.

 

Was bleibt? Der Mensch kann nur die Augen schließen vor diesem österlichen Jesus. Das heißt aber nicht, die Augen verschließen oder wegschauen. Es ist eine Erfahrung, in sich hineinzuschauen. Die Zukunft wird den Blick öffnen. Die Schau Gottes ist uns verheißen. Das will der Dichter mit dem Lied zum Ausdruck bringen. Darum heißt es auch nach jeder Strophe dankbar: Halleluja

 

 

Hans Müskens

 

 

 

NORBERT HENRICHS IN 2012

 

 

 

 Oral History Interview, Düsseldorf, 2012

 

 

Zum Tode von Professor Dr. Norbert Henrichs

 

Am 2. Mai 2016 ist Prof. Dr. Norbert Henrichs verstorben. Die Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf ist dankbar, dass er von Anfang an dabei war und die Arbeit der Gesellschaft stetig und kenntnisreich begleitete. Im Laufe vieler Jahre hat er immer wieder Impulse gesetzt, die das Leben und Werk Friedrich Spees und seiner Zeit erklärt haben. In den letzten Jahren war er Schatzmeister der Gesellschaft. Wir konnten uns gerade in diesem Aufgabenbereich restlos auf ihn verlassen. So hat er eine wichtige Funktion in der Vorstandsarbeit ausgefüllt und entsprechend den Kontakt zu den Mitgliedern gepflegt.

Oftmals haben wir im Spee-Archiv Gespräche geführt, die weit über die aktuelle Vereinsarbeit hinausgingen. Mit mir persönlich gab es zahlreiche Berührungspunkte z. B. durch das Theologie- und Philosophiestudium in Bonn. Diese Studien hat Norbert Henrichs in München und Köln vorerst abgeschlossen. Bei ihm kamen dann später die Fortführung des Philosophiestudiums und der Psychologie in Düsseldorf hinzu sowie Geschichte als weiteres Fach an der Universität Köln. 1968 promovierte er mit einer Arbeit zur existentiellen Hermeneutik Martin Heideggers.

Die Festschrift zur seinem 65. Geburtstag beschreibt umfangreich seinen weiteren beruflichen Weg als Universitätslehrer: „Auf dem Weg zur Informationskultur. Wa(h)re Information?“[1]  Die Vielzahl der Autoren - Kollegen, ehemalige Studenten, Freunde - zeigt das breite Spektrum seines Anliegens und seiner „Welt- und Menschensicht“.

Norbert Henrichs ist nicht nur Universitätslehrer, sondern er ist auch eingebunden in seine nähere Heimat z.B. durch seine Tätigkeit im Heimat- und Bürgerverein oder in der Pfarrei St. Suitbertus in Kaiserswerth. Er beschäftigte sich mit den Menschen, die mit diesem Ort verbunden sind: dem Missionar Suitbertus, Friedrich Spee, Theodor Fliedner. Hier und an vielen anderen Beispielen lässt sich Norbert Henrichs großes Interesse nachweisen, was sich auch durch Vorträge und Aufsätze belegen lässt. Für das historische Kirchenarchiv von St. Suitbertus brachte er ebenfalls viel Energie auf.

Eine hohe Verantwortung zeigte er für die Menschen der Dritten Welt. Vehement trat er dafür ein, dass der Zuwachs an Macht und Reichtum der „Ersten Welt“ nicht auf Kosten der Menschen in der „Dritten Welt“ geschehe. Dieser Zustand sei nicht zu verantworten. Aus diesem Grund engagierte er sich im Arbeitskreis Dritte Welt / EINE Welt und veranstaltete Büchermärkte mit nicht unerheblichen Erträgen als Spenden für bedürftige Menschen.

Vielleicht in Erinnerung an Friedrich Spee setzte er seine Kräfte ein – zusammen mit seiner Frau – um im Gefängnisverein in Düsseldorf Straffälligen zu helfen bzw. ihre Resozialisierung zu ermöglichen. Norbert Henrichs hat vielen Menschen die Hand gereicht als Zeichen der Akzeptanz, der Fürsorge und der Freundschaft. Jetzt hat er selbst eine andere Hand gefunden, die ihn hält:

 

                                    An die Hand genommen

 

                                    Du reichst mir deine Hand,

                                    Und ich finde herüber.

                                    Wunderschön ist diese Erfahrung.

                                    Du greifst mit deiner Hand

                                    Über den Graben,

                                    Der wie ein Abgrund ist.

                                    Du hilfst mir.

                                    Deine Hand fasst mich, und ich habe es geschafft.

                                    Das Leben war nicht umsonst.

                                    Gott sei Dank!

                                    Ich bin bei dir.[2]

 

Hans Müskens



[1] Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Band 32. Herausgegeben von Thomas A Schröder,

Düsseldorf 2000

[2] Nach Psalm 139, 8 + 10

 

 

 

Rüthen im Kreise Soest

 

 

 

Copyright: Stadt Rüthen

 

Das Luftbild Rüthens zeigt uns ein beschauliches Landstädtchen im nordöstlichen Sauerland. Wir wissen nicht, ob der im benachbarten Paderborn lehrende Professor Spee jemals seinen Fuß in diesen Ort setzte. Gleichwohl wird hier an ihn erinnert.

 

 

 

 

 

Das städtische Gymnasium trägt seinen Namen. Die Schule dachte bei der Namensgebung an den Verfasser der CAUTIO CRIMINALIS, war Rüthen doch im 17. Jahrhundert eines der Zentren der westfälischen Hexenverfolgung. Über 100 Frauen und Männer wurden in der Zeit von 1573 bis 1659 wegen Hexerei angeklagt. Etwa 70 von Ihnen sind noch heute namentlich bekannt. Eine Klasse 8a des Gymnasiums hat einige Fälle genauer untersucht. Angeregt durch den Pfarrer Hartmut Hegeler (siehe Archiv) schrieben die Schülerinnen und Schüler dem Bürgermeister Peter Weiken einen Brief, indem sie eine Rehabilitation der damals Verurteilten verschlugen. Sie wollten ihnen nachträglich wenigstens symbolisch Gerechtigkeit sich widerfahren lassen und auch in der Gegenwart ein Zeichen gegen vorschnelle Vorverurteilungen setzen.

Am 31. März 2011 hat der Rat der Stadt Rüthen die "hingerichteten Personen solzial-ethisch rehabilitiert". Die Ratsvertreter und die Anwesenden erhoben sich zu einer Schweigeminute.

 

 

 

Copyright: Kulturserver NRW

 

 

Der Trum ist von der ehemaligen Stadtbefestigung erhalten geblieben, und wird in der volkstümlichen Überlieferung Hexenturm genannt, da er wahrscheinlich im Mittelalter und der Frühen Neuzeit Folterzwecken diente. Der Kulturring Rüthen erarbeitete eine Ausstellung zur Hexenverfolgung, die sich im Hexenturm befindet.

 

 

 

 

Das Relief von Bert Gerresheim ist auf dem obigen Bild rechts neben der Türöffnung zu erkennen.

 

 

Schon 1991 wurde ein Bronzerelief des Bildhauers Bert Gerresheim am Hexenturm in Rüthen enthüllt.

Über die Schulter Spees schaut der Landpfarrer Michael Stappert, etwa 1590 in Rüthen geboren, gestorben 1663. Sein Antlitz wurde vom Bildhauer erfunden, da kein Bildnis überliefert ist. Der einfach Landpfarrer begleitete die Delinqenten in 21 Prozessen. Dabei kamen ihm erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verfahren. Seine Aufzeichnungen wurden durch die Vermittlung des Niederländers Herman Löher (1676) bekannt. Mitstifter des Reliefs ist das Mitglied unserer Gesellschaft Prof. Dr. Gößmann, der in Rüthen zur Welt kam und heute auf dem Hof Gößmann wohnt.

 

 

Prof. Dr. Wilhelm Gößmann                                         Copyright: Grupello Verlag

 

Im Rahmen der Veranstaltungen der Christine-Koch-Gesellschaft (Christine Koch - 1896 - 1951, war eine Lyrikerin in sauerländischer Mundart) lädt Prof. Dr. Gößmann immer wieder zu literarisch-historischen Spaziergängen ein, in deren Verlauf am geeigneten Ort Friedrich Spee gewürdigt wird.

 

 

Prof. Dr. Wilhelm Gößmann konnte am 20. Oktober 2016 seinen 90. Geburtstag feiern. Die Spee-Freunde gratulieren!

 

 

 

 

Von Schlössern und Riegeln

 

Eine Betrachtung zum Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“

 

Jedes Jahr in der Adventszeit singen wir das Lied O Heiland, reiß die Himmel auf. Friedrich Spee, der bekannte Dichter, Seelsorger und Verteidiger der Frauen, die zu seiner Zeit als Hexen angeklagt wurden, hat dieses Lied gedichtet. Er wurde 1591 in Kaiserswerth in direkter Nachbarschaft zur St. Suitbertus - Basilika geboren. Er starb mit 44 Jahren 1635 in Trier, nachdem er sich bei der Versorgung und Pflege von Pestkranken infiziert hatte. Über die Jahrhunderte hat das Lied seinen Platz in den Gesangbüchern der Christen behalten. Der Grund liegt unter anderem in der Thematik, die zu jeder Zeit aktuell ist – gerade heute wieder, wo wir die Friedlosigkeit in der Welt erleben: Der Mensch ist von der Sehnsucht nach Heil und Heilung geprägt. Zutiefst ist der Wunsch im Menschen angelegt, der Friede möge ihm und der Welt geschenkt werden. Die Akzeptanz des Liedes liegt aber auch in der Art der Darstellung, in der dichterischen Kraft, die den Text prägt. Die Eindringlichkeit der Bitte, der Heiland möge kommen, wird unter anderem durch Bilder und Vergleiche erreicht, die Friedrich Spee in der Bibel, gefunden hat. Ich möchte dem Gedankengang des Liedes nachgehen:

 

O Heiland, reiß die Himmel auf, herab,

herab vom Himmel lauf.

Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,

reiß ab, wo schloß und Riegel für (1).

 

Der Mensch wünscht sich, dass das Heil von „Oben“ kommt. Der Retter muss die verschlossene Himmelstüre aufreißen. Dass die Wohnung Gottes oben ist, entspricht so ganz dem alten (biblischen) Weltbild, bei dem sich der Mensch „unten“ auf der Erde befindet und zu Gott aufschaut: ein Gott-Mensch-Verhältnis, das uns ja auch heute noch im Sprachgebrauch vertraut ist.

 

O Gott, ein‘ Tau vom Himmel gieß,

 im Tau herab, o Heiland fließ,

 Ihr Wolken, brecht und regnet aus,

den König über Jakobs Haus (2).

 

Entsprechend dieser Heilsbewegung von oben nach unten ist die Bitte formuliert, dass der Heiland den Weg von Tau und Regen benutzen möge, die aus den Schleusen des Himmels auf die Erde fließen.

 

O Erd, schlag aus, schlag aus o Erd,

daß Berg und Tal grün alles wird.

O Erd herfür dies Blümlein bring.

O Heiland, aus der Erden spring (3).

 

Die Bewegung von oben nach unten wird in der dritten Strophe umgekehrt, indem der Heiland jetzt wie eine Blume, wie das Grün aus der Erde springt und sprießt. Damit formuliert der Dichter einen weltumfassenden und „modernen“ Gedanken:

 

Der Retter ist nicht an einen Ort gebunden,

sondern Rettung und Heil kommen von überall

und umgreifen somit auch alles,

die ganze Welt und jeden Menschen.

Wo bleibst du Trost der ganzen Welt,

darauf sie all ihr Hoffnung stellt.

O komm, ach komm vom höchsten Saal,

 komm, tröst uns hier im Jammertal. (4)

 

Öffnen der Himmelstüre, Herabfließen im Tau und Regen, Herausbrechen und Springen aus der Erde sind Hoffnungsbilder, die in der 4. Strophe wie in einer intensiven und existentiellen Glaubensfrage zusammengefasst werden: „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt?“ Die Frage begründet sich in der nachfolgenden Glaubenslehre:

 

Darauf sie (die Welt) all ihre Hoffnung stellt.

Und wieder haben wir das Verhältnis von oben nach unten:

dem höchsten Saal (dem Wohnraum Gottes) steht das Jammertal

(der Lebensraum des Menschen) konträr gegenüber.

O klare Sonn, du schöner Stern,

dich wollen wir anschauen gern,

o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein,

 in Finsternis wir alle sein. (5)

 

In der 5. Strophe gibt Friedrich Spee eine weitergehende Begründung, dass das Kommen des Heilands notwendig ist. Wie die Welt ohne Sonne und ohne Sterne in der Nacht dunkel wäre, so wäre auch das menschliche Leben ohne die „Sonne“ und den „Stern“ Christus ein Leben in Kälte und Finsternis – also kein lebenswertes Leben.

 

Hier leiden wir die größte Not,

vor Augen steht der ewig Tod.

Ach komm, führ uns mit starker Hand

Vom Elend zu dem Vaterland (6).

 

Die letzte Strophe verdeutlicht die Finsternis noch einmal durch die allgemeine Aussage: „Hier leiden wir die größte Not“, die wiederum ihren tiefsten Ausdruck im ewigen Tod findet. Der Mensch braucht einen, der ihn durch diese Welt, durch Lebensnöte, durch Angst und Tod führt, ihn an die starke Hand nimmt, damit er seine eigentliche Bestimmung – das „Vaterland“ erreicht. Damit hat das menschliche Leben Orientierung, Wegweisung und Ziel.

 

In diesem Adventslied zeigt sich die ganze Spannung, in der sich der Mensch des 17. Jahrhunderts wiederfand, der dieses Lied im Gottesdienst sang: Auf der einen Seite die durchaus positiven und schönen Merkmale der Schöpfung Gottes – Himmel, himmlischer Tau, Berg und Tal, Grün und Blumen, Sonne und Sterne - auf der anderen Seite dann aber auch die Vergänglichkeit, die im persönlichen Tod ihren Höhepunkt findet. Auch der Mensch, der im Gefängnis saß, oftmals zu unrecht, wie Spee in seiner „Cautio Criminalis“, dem engagierten Buch gegen die damalige Praxis bei den Hexenprozessen überzeugend feststellt - fand sich hier wieder: mit seiner Sehnsucht nach Freiheit, aber auch in seiner grenzenlosen Angst vor der Dunkelheit des Kerkers mit all den grausamen Folgen. Auch diese Türen der Ungerechtigkeit müssen aufgesprengt werden. Christus der letzte Halt vor dem Absturz, Christus die Hoffnung bei den zugeschlagenen Türen. Ein Gedanke, der heute so gültig ist wie damals.

 

Christus, der Heiland ist der, der die trennenden Türen aufreißt, der damit der eigentliche Sinngeber für die Welt ist, der die zutiefst menschliche Hoffnung darstellt. Sonst wäre der Mensch ohne jegliche Hoffnung und lebte in finsterer Nacht, was seine Existenz betrifft. So aber hat das Leben einen Sinn: als Weg durch die Welt zum Vater im Himmel an der starken Hand des Heilands Christus. Reiß ab, wo Schloss und Riegel für. Es sind die Schlösser und Riegel des Menschen, die der Heiland öffnet.

 

 

Hans Müskens

 

 

 

 

 

 

SPEE-FLIEDNER-FORUM

zur

Erforschung sozial-christlichen Engagements

in Geschichte und Gegenwart

 

 

 

   

Friedrich Spee

 

Theodor Fliedner

 

 

Durch Vorträge, Ausstellungen und Publikationen sucht das Forum, Leben und Werk der beiden biographisch mit Düsseldorf-Kaiserswerth verbundenen sozial-christlichen Reformer

Friedrich Spee (1591–1635)

und

Theodor Fliedner (1800–1864)

 

im kollektiven Gedächtnis wach zu halten. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der historischen Hinterlassenschaft von Spee und Fliedner gilt es, aus beider Leben und Werk Impulse für die Gegenwart und Perspektiven für die Zukunft im Sinne einer christlichen Verantwortung für die Welt zu entwickeln. Viele der Missstände des 17. und 19. Jahrhunderts, auf die Spee und Fliedner zu ihrer Zeit reagiert haben, sind inzwischen behoben, nicht wenige jedoch haben die Zeiten in veränderter Form überdauert: Dazu zählen u. a. gesellschaftliche Ächtung und Ausgrenzung von Minderheiten, ideologische Verblendung und parteiliche Alternativlosigkeit, ökonomische Kurzsichtigkeit und ökologisches Desinteresse, ängstliche Besitzstandswahrung und mangelndes zivilcouragiertes Engagement.

Hier neue Denkanstöße zu vermitteln und damit das Erbe Friedrich Spees und Theodor Fliedners nicht nur museal zu wahren, sondern auch gegenwartsbezogen und zukunftsorientiert weiterzuführen, ist Aufgabe und Ziel des „Spee-Fliedner-Forums“, das seine Arbeit im Jahr 2015 mit der Vortragsreihe „Vernunft und Frömmigkeit“ aufnimmt.

 

 

 

 

In  Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Düsseldorf startet das Spee-Fliedner-Forum im Herbst 2015 eine Vortragsreihe Vernunft und Frömmigkeit.

 

Veranstaltungsort: Ev. Stadtkirche, Fliednerstr. 6. Düsseldorf – Kaiserswerth.

Beginn: 19:00 Uhr; Eintritt frei.

 

 

 

Wie jedes Jahr luden der Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth und die Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf

 

 

 

 

Zum 425. Geburtstag von Friedrich Spee

 

Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Prof. Dr. Joseph Anton Kruse, von dem er uns eine Zusammenfassung zur Verfügung stellte:

 

 

 

 

Menschlichkeit und Toleranz

 

 

Geistliche Szenen und Spee-Bezüge in Ricarda Huchs Darstellung des Dreißigjährigen Krieges.

 

Die bedeutende Schriftstellerin Ricarda Huch (1864-1947) hat in ihrem aus protestantischer Herkunft und ebensolchem Bewusstsein gegründeten, mehr als bewundernswerten historischen Werk über den „Großen Krieg in Deutschland“ (1912-1914), wie der Titel des über 1000 Seiten umfassenden Buches ursprünglich lautete, nämlich über den 30jährigen Krieg von 1618-1648, auf ebenso souveräne wie sachlich über den Konflikten stehenden Art das gesamte Leben des 17. Jahrhunderts abgebildet. Besonders intensiv sind die Verweise und Szenen mit geistlichem Charakter, die bereits das Vorspiel am Düsseldorfer Hofe beeinflussen, jedoch auch durchgehend durch Anspielungen auf das religiöse Leben, Denken und Handeln sämtlicher Landstriche und Menschen während des in Frage stehenden Zeitraums von 1585 bis 1650 den Fluss der Darstellung sowohl untergründig wie in jeweils herausragender Funktion prägen.

 

 

Der 30jährige Krieg war zwar ein politisches Ereignis, aber immer bestimmt von seinen Ursachen, den konfessionellen Folgen von Reformation und Gegenreformation mit ihren bis aufs Blut betriebenen unaufhaltsamen Exzessen von Machtgelüsten, Hexenwahn und soldatischen Übergriffen. Elend, Seuchen, Hungersnot und Verderben an Leib und Seele waren an der Tagesordnung. Dass im Rahmen der kirchlich grundierten Schilderungen von Gebet, Beichte und Gottesdienst der Jesuitenpater Friedrich Spee eine besondere Rolle spielt, lohnt in der Tat eine eigene Betrachtung. Er ist unter allen handelnden Figuren einer der erstaunlichsten Helden als Repräsentant von Menschlichkeit und Toleranz. Für Ricarda Huch ist er im Schrecken seiner Zeit ein Heiliger von verehrungswürdiger Besonderheit.

Die sozusagen als „Speesches Prinzip“ zu bezeichnende Grundhaltung eines gütigen, barmherzigen, hoffnungsvollen Glaubens, wodurch alle irdisch-menschlichen Grenzen gesprengt werden, hat sich, wenigstens für eine leider so gar nicht lange von Humanität geprägte Weile, im österlich ökumenischen Gottesdienst am Ende des Buches durchgesetzt, an dem das Verzeihen dominiert, das der protestantische Pastor walten lässt. An solchen geradezu übermenschlichen Konfliktlösungen im ganzen Geschehen trägt vor allem Friedrich Spee einen maßgeblichen Anteil. Sein bedeutender Sieg über Welt und Zeit besteht nämlich im Zusammenhang dieses großen Werkes von Ricarda Huch gerade in seiner von Vernunft und Gefühl gleichermaßen geleiteten Fähigkeit zum Mitleid sowie durch sein stellvertretendes Leiden, das im Verständnis für die menschlichen Schwächen und Nöte über jeden konfessionellen Unterschied hinweg die göttliche Heilsordnung sichtbar zu machen versteht.

                                                                                                          Joseph Anton Kruse

 

 

 

 

 Ricarda Huch (1864 - 1947)

 

 

  

Musikalisches Rahmenprogramm:

 

Dimitri Shostakovich (1908 - 1975): Sonate in D-Moll, Opus 40, 2. Satz

 

Antonio Vivaldi (1678 - 1741): Sonate in E-Moll: Largo - Allegro

 

Felix Mendelsohn-Bartholdy (1809 - 1847): Lied ohne Worte, Opus 109

 

 

Ansgar Wallenhorst

Kantor und Organist an St. Peter und Paul in Ratingen (Klavier)

 

Martin Roemer

Grevenbroich (Cello).

 

 

 

 

 

Offener Brief an Frau Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

 

 

 

 
 

Wuppertal, 2.3.2016

 

 

Frau

Dr. Angela Merkel

Bundeskanzlerin der Bundespublik Deutschland

Bundeskanzleramt

Willy-Brandt-Straße 1                                                             

11011 Berlin

 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

 

36 literarische Gesellschaften (Mitglieder der AG Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten) wenden sich in einem Offenen Brief an Sie: Mit der Bitte, im Rahmen einer Regierungserklärung zur Flüchtlingsfrage die Deutschen daran zu erinnern, dass einst Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Anna Seghers, Kurt Tucholsky, aber auch Albert Einstein, Paul Hindemith, Max Ernst, Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Lilli Palmer oder Willy Brandt  und viele andere vor Diktatur und Krieg geflohen sind. 

Wir Deutschen haben auch deshalb eine moralische Verpflichtung, eine Bringschuld. Tausende von deutschen Schriftstellern und anderen Künstlern waren während der NS-Diktatur Flüchtlinge. Sie wurden in europäischen und anderen Ländern aufgenommen, Länder, aus denen zum Teil Flüchtlinge stammen, die heute in die Bundesrepublik kommen. Die Exilanten von einst blieben in ihren Gastländern unversehrt. Niemand hat sie angegriffen. Das sollte Verpflichtung für alle Deutschen heute sein angesichts  zunehmender Ressentiments und Ablehnung gegenüber den Fremden und einer Verwahrlosung der öffentlichen Debatte über die Flüchtlinge. 

Die Wuppertaler Else Lasker-Schüler-Gesellschaft hat in Erinnerung an die deutschen Exilanten am 9. November 1992 in 16 Bundesländern und danach ein halbes Jahr lang Dichterlesungen in Asylbewerberheimen durchgeführt. Um so deutsche Nachbarn in die Heime zu holen - zum Schutz der Flüchtlinge und zum gegenseitigen Verständnis. Das war nach den Anschlägen von Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Cottbus, Solingen und vielen anderen Städten. Diese Aktion, an der sich Günter Grass, Herta Müller, Wolf Biermann, Reiner Kunze, Sarah Kirsch und mehr als 50 weitere AutorInnen beteiligten, lässt sich angesichts der dramatisch gestiegenen Anschläge auf Asyle und Flüchtlinge nicht wiederholen. 

Nach einer Erhebung des Bundeskriminalamts gab es im vergangenen Jahr 1005 Attacken, Brandanschläge und Gewalttaten auf Asylunterkünfte. Davon haben 901 einen eindeutig rechtsradikalen Hintergrund. Die Zahl hat sich damit binnen eines Jahres verfünffacht: Dies muss zurückgehen. Idealerweise auf Null.

Deshalb gilt es, die deutsche Bevölkerung mitzunehmen im Bemühen, die jetzigen Flüchtlinge nicht nur willkommen zu heißen, was wir begrüßen, sondern sie zu schützen im Namen unserer Flüchtlinge zwischen 1933 und 1945. 

Daran sollten Sie bitte in einer Ihrer nächsten Regierungserklärungen zur Flüchtlingsfrage appellieren - unter Verweis auf die deutschen Emigranten und Exilanten. 

 

Mit freundlichen Grüßen

für die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft 

haben diesen Aufruf die Ehrenmitglieder Ingrid Bachér, George Dreyfus (Melbourne) und Adolf Burger, Prag, unterzeichnet; die beiden Letztgenannten waren NS-Opfer, George Dreyfus Exilant,

Hajo Jahn, Vorsitzender der ELS-Gesellschaft, war als Kind Heimatvertriebener und Flüchtling.

 

 

 

Mit 36 Literarischen Vereinen haben auch die Spee-Gesellschaften von Trier und Düsseldorf den "Offenen Brief" unterschrieben.

 

 

 

  

 

Ein herausragender Speeforscher und Freund

 

Am 14. Januar 2016 ist Dr. Theo G.M. van Oorschot im Alter von 89 Jahren in Daun (Eifel) gestorben. Von 1968 bis 2005 hat er neben vielen Aufsätzen die 4 Bände der wissenschaftlich-kritischen Gesamtausgabe der Werke Friedrich Spees (*1591 in Kaiserswerth) herausgegeben und damit die Erforschung von Leben und Werk  des Jesuitenpaters, Seelsorgers, Dichters und „Hexenanwalts“ auf eine solide Grundlage gestellt.

 

Van Oorschot wurde am 17. Mai 1926 in Den Haag geboren und trat 1945 in den Jesuitenorden ein. Er studierte Philosophie, Germanistik, Russisch und Pädagogik in Nijmegen bzw. in Köln sowie Theologie in Maastricht. 1968 promovierte er über Spees bedeutendes Andachtsbuch, das „Güldene Tugendbuch“.

 

Im Jahre 1985 kam es für van Oorschot zu einer Lebenswende. In diesem Jahr trat er aus dem Jesuitenorden und Priesterstand aus. Er beendete seine Lehrtätigkeit in Nijmegen und heiratete die Germanistin und Speeforscherin Dr. Margret Gentner. Das Ehepaar zog nach Niederstadtfeld (Landkreis Vulkaneifel), später nach Mehren und schließlich in ein Seniorenheim in Daun.

 

Van Oorschot war Düsseldorf und Kaiserswerth eng verbunden. Er war Mitbegründer der Friedrich-Spee-Gesellschaft in Düsseldorf. Ihr blieb er bis zum Schluss als Beisitzer im Vorstand eng verbunden. Zum 70. Geburtstag ernannte ihn die Gesellschaft zum Ehrenmitglied. 2001 folgte diesem Beispiel auch die Trierer Spee-Gesellschaft. Die enge Verbundenheit zu unserer Stadt wird auch deutlich an einer Reihe von Vorträgen und Tagungen, an denen er aktiv teilnahm und bei denen er sein breites Wissen über Spee und seine Zeit einbringen konnte.  1987 erhielt er als erster die vom Heimat und Bürgerverein Kaiserswerth gestiftete Friedrich-Spee-Plakette, gestaltet von dem Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim.

 

Van Oorschot leitete die Redaktion der ersten Jahrgänge des Spee-Jahrbuches. Für die vielen Verdienste wurde ihm 2007 durch den Bundespräsidenten das Bundverdienstkreuz am Bande verliehen. 

 

Seine letzte Ruhe fand Theo van Oorschot auf dem Waldfriedhof in Gerolstein.

 

(HM)

 

 

 

 

 

Friedrich Spees beschwerlicher Wandel im Lustwald deutscher Poesie

Eine Durchsicht gängiger Anthologien

 

lautet die Überschrift des Aufsatzes unseres Mitglieds Dieter Kunze, der im Spee-Jahrbuch erscheinen wird. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl der zitierten Gedichtssammlungen befindet sich in der Studienbibliothek unseres Archivs. Der Aufsatz schließ wie folgt:

Wenn wir das Ergebnis unserer zweifachen Durchsicht zahlreicher Gedichtssammlungen zusammenfassen, ergibt sich rein statistisch: 28 verschiedene Spee-Texte stießen auf das Interesse der Anthologisten. Die Kirchenlieder sind unterrepräsentiert, wohl weil die Herausgeber vorwiegend literaturgeschichtlich und nicht hymnologisch orientiert waren. Zudem waren und sind die Kirchenlieder in ihrer Urheberschaft unklar.

 

Bei den Liedern der "Trutz-Nachtigall" ergibt sich eine deutliche Spitzenreiterstellung von TrN 38 mit 13 und TrN 35 mit 11 "Nennungen". "Bey stiller Nacht" verdankt diese sicher zum Teil der Vertonung durch Johannes Brahms. Das Krippenlied wiederrum ist eng angebunden an das Weihnachtsbrauchtum und hat nur vier Strophen.

 

Für die Spee-Freunde gilt nach wie vor, die Position des Lyrikers Friedrich Spee zu festigen und auszubauen. Editorisch ist vor allem durch Emmy Rosenfeld und Theo G. M. van Oorschot in den letzten 50 Jahren ein sicheres editorisches Fundament geschaffen worden. Sodass wir mit dem Dichter die Hoffnung teilen können, die er in der dritten Strophe eines seiner Lieder im "Güldenen Tugendbuch" ausgesprochen hat:

Nach mir will ich verlaßen

In meinem Testament,

Ein Liedlein schön ohn massen

Zum Gottes lob verwendt.

Daß wird noch wol erklingen.

Ob ich schon storben bin:

Es werdens andre singen,

Wan ich schon bin dahin.

 

 

  

  Ludwig Follen (Bleistiftzeichnung); Hessisches Landesmuseum Darmstadt

 

August Adolf Ludwig Follen (geb. 1794 in Gießen; gst. 1855 in Bern)

Follen nahm als Freiwilliger an den Befreiungskriegen 1814 teil. Zurückgekehrt wurde er einer der führenden Burschenschafter und damit Teil der patriotisch-liberalen Bewegung. Deshalb wurde er von der Universität Gießen religiert. Er erarbeitete einen Verfassungsentwurf für eine künftige Reichsverfassung. 1818 gab er das politisch gemeinte Liederbuch der Deutschen Burschenschaft heraus. 1819 wurde er wegen "deutscher" Umtriebe verhaftet, 1821 krankheitshalber entlassen. Er emigrierte in die Schweiz, kam durch Heirat zu einigem Vermögen. Er betätigte sich als Verleger und war in den folgenden Jahren Stütze für zahlreiche deutsche Emigranten.

Unser Archiv besitzt ein Buch von Follen, das als Lesebuch für Gymnasien gedacht war. Auf Seite 16 druckt er drei Strophen des Eingangsliedes der "Trutz-Nachtigall" ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feuer und Flamme für die Wahrheit

Studientag

Hexenverfolgungen und deren Gegner im 16. und 17. Jahrhundert. Ein Studientag unter besonderer Berücksichtigung von Düsseldorf und Niederrhein

Vorträge – Workshops – Podium

 

Hexenverfolgungen in kirchengeschichtlicher Perspektive

Magie, Hexerei, Schadenzauber – Begriffe für ein neues Feindbild im Spätmittelalter

Verfolgungen, insbesondere gegen Frauen, setzten ein und fanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt in Mitteleuropa. Mitverantwortlich für diese „Hexenjagden“ waren Theologen aus allen Konfessionskirchen. Die inhaltlichen Grundlagen dieser Verfolgungen wurden im Spätmittelalter gelegt, jedoch im 16. Jahrhundert neu aufgenommen und weitergeführt. Wie sahen die theologischen Argumentationen von Gegnern und Befürwortern der Verfolgungen aus? Und worin bestanden die kirchenpolitischen Absichten dieser Theologen?

Referent: Prof. Dr. Andreas Mühling, Universität Trier
 

Der Arzt Johann Weyer und der Theologe Friedrich Spee

Zwei wegweisende Kämpfer gegen die Hexenprozesse am Niederrhein und ihre ökumenische Bedeutung

Die beiden wichtigsten Kampfschriften gegen die schrecklichen Hexenprozesse sind „De praestigiis daemonum“ von Johannes Weyer 1563 und die „Cautio criminalis“ von Friedrich Spee 1631. Beide Autoren haben Beziehungen zum Niederrhein: Der Niederländer Weyer (Wierus) war Leibarzt von Herzog Wilhelm III. von Jülich-Kleve-Berg, Friedrich (von) Spee ist in Kaiserswerth geboren und hat in Köln gewirkt. Weyer und Spee argumentierten ganz unterschiedlich aus medizinischer oder juristischer Sicht, ohne dass die Konfession dabei eine Rolle spielte.

Referent: Prof. Dr. Gunter Franz, Universität Trier
 

„Dass sie lebendig verbrennet würde“ – Der Düsseldorfer Hexenprozess von 1737/38

„Dass sie lebendig verbrennet würde“, wenn bewiesen werden könne, dass sie eine Hexe sei, äußerte der Richter im Hexenprozess Helena Curtens gegenüber drohend. Das 15-jährige Mädchen entgegnete, sie fürchte dies nicht, denn sie sei sicher, „in den Himmel zu kommen“. Gemeinsam mit ihrer Mitangeklagten Agnes Olmans, 48 Jahre alt, starb sie bald darauf im Sommer 1738 auf dem Gallberg in Grafenberg den Feuertod. Mehr Glück hatte Sibilla Olmans, 16 Jahre alt. Man hatte sie mit den beiden anderen Frauen eingekerkert, weil sie aus Lehm und Holz lebendige Tiere wie Mäuse oder Küken gezaubert habe. Sie wurde freigelassen.

Referentin: Dr. Erika Münster-Schröer, Stadtarchiv Ratingen
 

Weitere Informationen und Anmeldung
Ein Flyer mit allen Details ist im Haus der Kirche erhältlich. Da wir für ein warmes Mittagessen (auch vegetarisch) sorgen, bitten wir um Anmeldung bis zum 29.09.2016 mit dem Formular (unten verlinkt) oder bei Frau Nerling,
Telefon 0211/957 57-746,
claudia.nerling@evdus.de

Veranstaltungsort

Haus der Kirche, Bastionstraße 6, Düsseldorf

Leitung

Harald Steffes, Studienleiter

Teilnahmebeitrag
15 € (inklusive Mittagessen)
 

05.10.2016

Mittwoch 10.30 bis 17.00 Uhr

 

 

Drei Kurzvorträge zum 423. Geburtstag Friedrich Spees

 

 

Die diesjährige Geburtstagsfeier fand in der Kulturkirche des Stammhauses der Kaiserswerther Diakonie statt. Die Veranstaltung war, wie auch das Foto zeigt, gut besucht.

 

In der ersten Reihe rechts: Wilhelm Mayer, als einer der Gastgeber, links neben ihm: Erster Kriminalhauptkommissar Ralf Stefan, einer der Vortragenden.

 

Im Mittelpunkt standen drei Kurzvorträge. Prof. Dr. Eckhard Grunewald machte den Anfang mit

Fridericus Spee redivivus -

Die Wiedererweckung der "Trutznachtigall" um 1800

 

Im Zentrum des Vortrags stand die Wiederentdeckung und eigenwillige Neubearbeitung der "Trutznachtigall" durch Ignaz Heinrich von Wessenberg in den Jahren 1801/02. Wessenberg stand mit allen führenden Romantikern in persönlichem Kontakt. Ob diese Kontakte auch die Spee-Rezeption betrafen ist möglich, aber nicht belegbar. Prof. Grunewald analysierte, inwiefern Wessenberg die Speeschen Texte dem Zeitgeschmack anpasste.

Ulrike von Weiß (Sopran) und Winfried Kannengießer (Flügel) stellten drei Wessenbergsche Bearbeitungen quasi in einer Erstaufführung vor.

 

(1774-1860) war ein aufgeklärter römisch-katholischer Theologe aus Schwäbischem Adel. Der österreichische Minister Johann von Wessenberg war sein Bruder. 

Ignaz Heinrich von Wessenberg

 

 

Wessenberg studierte Theologie und empfing die Priesterweihe. Auf dem Wiener Kongress bemühte er sich um die Herstellung einer deutsch-katholischen Nationalkirche unter einem eigenen Primas. Damit stand er im Gegensatz zum Papst. Der dann auch seinen Wahlen zu hohen Kirchenämtern die Bestätigung verweigerte. Bis 1821 konnte ihn die badische Regierung schützen. Danach lebte er in Konstanz als Privatmann. Er verfolgte zahlreiche schriftstellerische und künstlerische Interessen, so geht die Wessenberg Galerie auf ihn zurück. Ebenso die Wessenberg Bibliothek, die heute der Universität Konstanz zu Forschungszwecken dient.

 

Das hier verwandte Portrait fertigte Marie Ellenrieder (1791-1863) an. Sie gehörte zu den wenigen anerkannten und akademisch ausgebildeten Künsterinnen der Zeit und wurde zeitlebends von Wessenberg gefördert.

 

 

Folter vs. Rettungsbefragung -

Spurensuche in der "Cautio Criminalis" nach der ethischen Position Friedrich Spees

 

Erster Kriminalhauptkommissar Ralf Stefan wandte sich in seinem Vortrag der "Cautio Criminalis" zu und beleuchtete den ethischen Unterschied zwischen Folter und Rettungsbefragung, wobei deutlich wurde, dass der Vortragende aus der Perspektive eines Kriminalisten und auf dem Hintergrund jüngster Konfliktfälle argumentierte.

An ausgewählten Textstellen versuchte der Referent die vermutliche Haltung Friedrich Spees zur Rettungsbefragung zu erkunden.

 

Zivilcourage am Beispiel Friedrich Spees

 

Der zweite Gastgeber, Hans Müskens als Vorsitzender der Friedrich-Spee-Gesellschaft Düsseldorf, beschloss mit seinem Vortrag die kleine Vortragsreihe. Es handelte sich um einen kurzen Vorgriff auf seinen im Mai geplanten Vortrag in der Gemeinde St. Margareta in Gerresheim (s.o).

 

 

Die Versammelten beschlossen die Veranstaltung, indem sie gemeinsam das Kirchenlied Friedrich Spees (Gotteslob 585) sangen.

 

 

 

Nachdem nun zum zweiten Mal eine Veranstaltung erfolgreich und befriedigend mit dem gemeinsamen Gesang eines Speeliedes beendet wurde, könnte dies in Zukunft eine ständige Gepflogenheit werden.

 

Literaturwissenschaftler zu Gast

Am 10. Januar 2014 besuchten 8 Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit ihrem Dozenten das Spee-Archiv. Sie sind Teilnehmer des germanistischen Seminars über die "Trutz-Nachtigall" von Friedrich Spee. Entsprechend interessiert und motiviert waren die Besucher. Das Seminar wird geleitet von Dr. Thomas Küpper (3. von links), Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft von Frau Professor Herwig. Mit dabei war Professor ARAI Yoichi ausTokio (rechts), zur Zeit Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität. Nach dem Besuch des Archivs ging es noch zum Epitaph von Bert Gerresheim mit der Darstellung von Friedrich Spee und zur Kaiserpfalz, wo Spee seine Kindheit verbrachte. Die Eintragung ins Gästebuch drückt aus, dass sich der Besuch gelohnt hat: "Herzlichen Dank für die wunderbaren Einblicke in Leben und Werk Friedrich Spees, die Sie gegeben haben."

 

 

 

Die Seminarteilnehmer vor dem Spee-Epitaph, rechts außen Prof. ARAI Yoichi, der Seminarleiter Dr. Thomas Küpper, 3. von links. Von den 8 Seminaristen war zum Zeitpunkt des Fotos bereits eine Studentin zur Universität zurückgekehrt.

 

 

Spee, Marx und die Römer

Hans Müskens führte in Zusammenarbeit mit der Spee-Akademie Wuppertal vom 26.10.2013 bis zum 28.10.2013 in Trier ein Seminar durch, dass die lokale Verbindung von Friedrich Spee, Karl Marx und den Römern nutzte.

 

 

Teilnehmer vor dem kurfürstlichen Rokoko-Palais in Trier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Friedrich-von-Spee-Schule von Paderborn geht maßgeblich auf eine Elterninitiative zurück. Die bereits bestehende Gesamtschule konnte die steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen. Die aufstrebenden Stadtteile Lieth und Kaukenberg (heute Goldgrund) konnte das Entscheidende bereitstellen, nämlich Schülerinnen und Schüler. 1996 konnte das neue Schulgebäude am Weißdornweg bezogen werden.

Das 20-Jährige Jubliäum veranlasste Schüler und Schule, sich auf ihren Namensgeber zu besinnen.

 

 

 

 

Eine Schülergruppe unter der Leitung von Dr. Angelika Gausmann nutzten die Möglichkeiten der Jugendherberge Wewelsburg zu einem Projekt, das Friedrich Spee und sein Werk auf dem Hintergrund zeitgenössischer persönlicher Erfahrungen künstlerisch zu verarbeiten suchte.

 

 

 

 

 

Herr Müskens hat Frau Dr. Gausmann angeschrieben, um die Möglichkeiten eines Kontaktes und einer Zusammenarbeit zu erkunden. Frau Dr. Gausmann antwortete umgehend: "Sehr geehrter Herr Müskens, die Schülerinnen und Schüler wollen gerne im Rahmen eines Ausflugs nach Kaiserswerth kommen, ich werde mit der Schulleitung darüber sprechen, ob wir es am regülaren Wandertag im April oder vielleicht schon eher machen. Gern können Sie auf Ihrer Internet-Seite über uns berichten und zum Beispiel den Artikel dort unterbringen. Seit einigen Tagen gibt es den Workshop auch im Internet! (www.roman-kroke.de Stichwort: Worksshops: Hexenjagd und Cyber-Mobbing)

[...]

Was eine Ausstellung bei Ihnen angeht, so besteht das Problem des Transports, zunächst sind die Werke in der Schule zu sehen, dann ein Teil bei einem unserer Unterstützer.

Vielleicht haben Sie auch Interesse, einen Workshop in Kaiserswerth zu veranstalten? Eine Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte böte sich da an.

 

 

 

Die Wahl der Wewelsburg ist sicherlich der räumlichen Nähe zu Paderborn geschuldet. Darüber hinaus bietet aber die jüngste Geschichte der Burg interessante Anknüpfungspunkte zu Spee.

Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, ließ die Wewelsburg ab 1934 zu einem ideologischen Schulungszentrum und zu einer Kultstätte der SS umbauen.

Heute beherbergt die Burg das Kreismuseum Wewelsburg, eine Jugendherberge, und die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945. Die Projektgruppe der Friedrich-von-Spee-Gesamtschule stand der ehemalige "Obergruppenführer-Saal" der SS mit dem sogenannten "Schwarze-Sonnen-Ornament" im Fußboden zur Verfügung. Die Örtlichkeit ist auf der Fotostrecke des künstlerischen Beraters Roman Kroke gut zu erkennen, ebenso dass einige Schüler diese lokalen Bezüge auch aktualisiert haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Denkmal für die Menschlichkeit

 

 

 

 

Die Rheinische Post stellte unlängst in einer Serie Stadtteil-Kunst vor. Im August war Kaiserswerth mit dem Spee-Epitaph an der Reihe.

 

 

  

 

 

 

Dieter Kunze und Hans Müskens, Foto: Bretz       

 

 

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/stadtteile/ein-denkmal-fuer-die-menschlichkeit-aid-1.3615118

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich-Spee-Messe

 

Für Sopran- und Baritonsolo, Kinderchor, gemischten Chor und großes Orchester

 

Von Klaus Wallrath

 

 

 

 

Ausführende:

Silke Kunz, Sopran

Bernhard Hüsgen, Bariton Chorschule St. Margareta, Basilika-Chor, Kammerchor St. Margareta

neue philharmonie duisburg

 

Leitung:

Klaus Wallrath

Aufführung der Spee-Messe in St. Margareta, Düsseldorf Gerresheim

 

 

 

 

 

 Copyright: marcus pietrek

 

 

 

Klaus Wallrath, Kantor an der Düsseldorfer Basilika St. Margareta in Düsseldorf-Gerresheim, konnte sich aufgrund eines Stipendiums sechs Wochen unbezahlten Urlaub leisten. Diese kreative Auszeit nutze er im Wesentlichen für die Komposition der Messe, die er Friedrich Spee widmete. 

 

Die Messe dauert etwa 40 Minuten. Sie basiert nicht nur auf dem Text der lateinischen Liturgie. Sie integriert ebenfalls Texte Friedrich Spees. Deshalb gab ihr Wallrath den Namen "Friedrich-Spee-Messe". 

 

Ziel des Projektes war die Erweiterung des musikalischen Repertoires für Kirchen. Dem Komponisten war aber ebenso wichtig, dass die Aufführung von unterschiedlichen Generationen gestaltet wurde. So integrierte er auch den Kinder- und Jugenchor neben dem großen Basilika-Chor. Den Orchester-Part übernahmen Profis der Duisburger Philharmoniker.

Der Komponist wollte ein Stück schreiben, das gleichermaßen für Profis und Amateure interessant und zu bewältigen ist.

Er selbst schätzt sein Stück als modern, aber nicht atonal ein. "Ich mag den Stil von Britten, Strawinsky, Honegger und Poulenc".

Die Messe kam am 28. Januar, 29. Januar und 1. Februar 2012 zur Aufführung. 

 

 

 

Die im Wesentlichen positive Resonanz belegt die Kurzkritik der "Rheinischen Post" vom

30. 01. 2012:

 

 

 

 

 

 

  

Der Dirigent und Komponist...

 

 

 

 Copyright: marcus pietrek

 

 

 

 

Hartmut Hegeler in der Stammhauskirche zu Spees Geburtstag

 

Die Spee-Gesellschaft pflegt jedes Jahr zum Geburtstag des Jesuitenpaters am 25. Februar in Kaiserswerth einen Abend zu gestalten. Zu diesem Zweck vereinen sich der Heimat-und-Bürger-Verein Kaiserswerth und die Spee-Gesellschaft. Dieses Jahr traf man sich am Vorabend des Geburtstages, Freitag den 24., in der Kulturkirche des Stammhauses der Kaiserswerther Diakonie.

Redner dieses Abends war der Pfarrer in Ruhe Hartmut Hegeler aus Unna. Hartmut Hegeler hat den größten Teil seines Berufslebens Religionslehrer ausgebildet. Seit 2001 beschäftigt er sich mit dem Thema der Hexenprozesse. Angeregt wurde er dazu durch Fragen von Schülerinnen. Er gründete den "Arbeitskreis Hexenverfolgung" in Westfalen, der sich 2005 in "Arbeitskreis Hexenprozesse" umbenannt hat.

Besonders hat sich Hartmut Hegeler für die Rehabilitation verurteilter Hexen eingesetzt, zuletzt mit Erfolg in Köln. Desweiteren hat er Leben und Werk des Anton Prätorius erforscht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er unterhält zu Prätorius, einem frühen und weithin unbekannten Kritiker der Hexenverfahren, eine Web-Site (www.anton-praetorius.de).

Bei unserer gemeinsamen Veranstaltung versuchte Hartmut Hegeler mit viel Engagement die gängigen Mythen über Hexen und Hexenverfolgung mit dem Mittel historischer Quellenanalyse zu relativieren.

 

 

 

 

Am 30. Juni ist der langjährige Vorsitzende der Friedrich-Spee-Gesellschaft, Professor Dr. Walter Scheele, verstorben. Rund acht Jahre hatte er den Vorsitz inne und in der Gesellschaft eine Menge bewegt. Auf der Jahreshauptversammlung 1997 ließ er sich nicht mehr wählen. Für seine großen Verdienste wurde er von den Mitgliedern zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In einem Interview zum 70. Geburtstag bekannte er freimütig, als er gefragt wurde, warum er sich in die Spee-Gesellschaft eingebracht habe: „Ich wusste eigentlich nichts von dieser Gesellschaft… Aber was mir von Spee bekannt war, faszinierte mich.“ Besonders Spees Unerschrockenheit beeindruckte ihn. „Wäre Spee Opportunist gewesen, hätte er nie die Cautio Criminalis geschrieben. Opportunismus sei für ihn eines der schlimmsten Dinge in unserer bürgerlichen Gesellschaft“. So sah er das Anliegen Spees ganz aktuell auf unsere Zeit bezogen und begründete auch so sein Engagement.

 

Begleiten wir Professor Scheele ein wenig auf seinem Lebensweg, so wie er ihn uns in einem Interview und persönlichen Gesprächen mitgeteilt hat.  

Walter Scheele wurde am 26. Januar 1926 in Düsseldorf geboren. Tiefe Erkenntnisse, aus denen er lebensbegleitende Schlüsse gezogen habe, so berichtete er einmal, machte er schon in der Schulzeit: „Eigentlich haben wir nur fünf Jahre die Schulbank gedrückt, bedingt durch Ausfallzeiten im Nationalsozialismus, besonders während des Krieges.“ Das habe jedoch dazu geführt, dass Lernen nicht eine Frage des Stoffes und der zur Verfügung stehenden Stunden sei, sondern „wie es dem Lehrer gelingt, Interesse zu wecken.“ So habe  er es auch in den Jahren mit leitender Stellung in verschiedenen Werbe- und PR-Agenturen und an der Fachhochschule gehalten: „Bei jeder Wissensvermittlung muss etwas von delectare dabei sein. Kurzweil fördert die Aufnahmebereitschaft der Zuhörer. Langeweile macht schläfrig.“

 

Es ist die Generation, die als junge Menschen – fast noch Schüler – den Krieg am eigenen Leib erlebten. Es folgte die britische Kriegsgefangenschaft in Ägypten mit einer ganz eigenen Erfahrung. Der mehr von der Geisteswissenschaft geprägte junge Mann machte hier „einen Ausflug in die Naturwissenschaften“. Er wurde nämlich Meteorologe bei der Royal Air Force. Gleichzeitig machte er, als die Kameraden im Lager ein „Theater in der Wüste“ gründeten, engagiert mit.

 

Zurück in Deutschland, immatrikulierte er sich in Köln mit den Fächern Soziologie und Volkswirtschaft. Einige Hürden waren in dieser Zeit zu überwinden, so meinte er. Aber wieder kamen ihm, so vermutet man zu Recht, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit zugute. Nach sechs Semestern, „das war damals so üblich“, beendete er sein Studium. Seine erste Arbeitsstelle fand der frisch gebackene Diplom-Volkswirt am Wirtschaftsmuseum im Düsseldorfer Ehrenhof. Es blieb ihm Zeit, die Promotion zum Dr. rer. pol. zu schreiben. Hin und wieder führte er auch Besuchergruppen durch das Museum. Das war für ihn ein gutes Trainingsfeld, seine von vielen Menschen geschätzte rhetorische Begabung zu verfeinern. Wichtig war aber für ihn von jetzt an, Neues zu tun und zu entdecken. Bald bildete er für einen Mineralölkonzern Führungskräfte weiter. Aber, so sagte er einmal: „Ich bin kein Mensch, der auf Dauer in Riesenorganisationen arbeiten kann.“ In der Folgezeit war Walter Scheele in Werbe- und PR-Gesellschaften tätig. Eine von ihm gegründete PR-Agentur avancierte rasch zur größten Deutschlands. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, als die Werbung für politische Parteien professionell startete. So kam er auch viel herum in der Welt.

 

Seiner konsequenten Haltung blieb er auch bei seiner Dozententätigkeit in der Fachhochschule treu, als er in der „68-Ära“ eine opportunistische Anbiederung ablehnte, um eine fragwürdige Beliebtheit zu erlangen. Das schien das Ende der Hochschulkarriere zu sein. Aber da gab es dann die Aktion „Haltet Scheele“, wo innerhalb von zwei Tagen 80 Prozent der Studenten den Aufruf unterschrieben, um so seine Professur zu unterstützen. Für Walter Scheele war das wie eine Auszeichnung, führte aber auch zu einem getrübten Verhältnis zu dem einen oder anderen Kollegen, der in diesen Tagen mangelende Zivilcourage gezeigt hatte.

 

Walter Scheele ist Autor einiger Bücher und mehreren  hundert Veröffentlichungen. Der Schwerpunkt lag für ihn eher in der persönlichen Ansprache: „Ich habe immer ungern geschrieben.“ Mancher Zuhörer hätte gern ein Redemanuskript bekommen. Der Wunsch blieb meistens unerfüllt: „Denn ich mache nur Stichworte, die Rede selbst halte ich frei.“

Wichtig für das Leben von Walter Scheele war seine Familie. 30 Jahre war er mit seiner Frau Annemie verheiratet. Er war dreifacher Vater und vielfacher Großvater mit Überzeugung. So stellte er einmal fest, den vielen Jahren in der Ehe verdanke er „tiefe Erkenntnisse, aus denen er lebensbegleitende Schlüsse“ gezogen habe. In zweiter Ehe war er mit Ingrid Hamm-Scheele verheiratet, eine glückliche Zeit, die auch in die Spee-Gesellschaft hineinwirkte. Seine Frau formulierte in dem bereits oben erwähnten Interview ihre Ansicht über ihren Mann: „Er ist der dynamischste Mensch, den ich kennengelernt habe. Voller Leidenschaft geht er seinen breit gefächerten Interessensgebieten nach, auf halbem Wege stehen zu bleiben, ist seine Sache nicht.“ Interesse und Leidenschaft galten neben seiner Familie der Kunst – er war engagierter Kunstsammler und Freund des Theaters, besonders des Musiktheaters. Er engagierte sich aber ebenso in der Kirche (so u.a. im Katholikenrat der Stadt Düsseldorf).

Auch die Spee-Gesellschaft partizipierte von seiner hohen Einsatzbereitschaft. Zahlreiche Veranstaltungen fanden unter seiner Ägide statt: Tagungen, Vorträge, Ausstellungen; die „Spee-Post“ wurde in dieser Zeit auf den Weg gebracht und in Nachfolge dazu das „Spee-Jahrbuch“. Vieles hat er bewegt und immer wieder Menschen gefunden, die seine Ideen umzusetzen halfen.

 

Bis wenige Tage vor seinem Tod hat er den Kontakt zur Spee-Gesellschaft gehalten. In einem der   letzten Anrufe bedankte er sich für das aktuelle Spee-Jahrbuch, das er Anfang dieses Jahres erhalten hatte. Im Interview zum 70. Geburtstag ließ er durchblicken, dass ihm die Tätigkeit als 1. Vorsitzender Freude bereite. Diese Freude hatte er auch auf die Zeit danach übertragen. Am 20. Juni 2016 ist Professor Scheele verstorben. Wir sind dankbar, dass er uns über viele Jahre begleitete und immer wieder wichtige Impulse für die Arbeit in der Spee-Gesellschaft gesetzt hat.

 

Hans Müskens

(Einige Zitate finden sich im Interview mit Gerd Mauermann: „Voller Leidenschaft und Dynamik – Prof. Dr. Walter Scheele zum 70. Geburtstag“. (Spee-Jahrbuch 1996, S. 21 ff.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen unter: www.sagt-was-ich-gestehen-soll.de

 

 

 

 

 

 

 

Verleihung der Spee – Plakette

 

Die Abendfeier aus Anlass des 428. Geburtstages Friedrich Spees gestaltete sich etwas feierlicher als üblich, galt es doch, den Vorsitzenden der Düsseldorfer  Spee – Gesellschaft HANS MÜSKENS mit der Spee – Plakette zu ehren. Bert Gerresheim, der Schöpfer des Spee – Epitaphs an St. Suitbertus und der zu verleihenden Spee – Plakette war erschienen.

 

 

 

Jan Stoll, Querflöte und Robbie Caroll, Flügel umrahmten den Abend mit Werken Gabriel Faurés. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der Verleihung gehört die Pflicht des zu Ehrenden, einen Vortrag zu halten. Hans Müskens hatte sich FRIEDRICH SPEE – EIN LEBEN IM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEG vorgenommen:

 

Friedrich Spee - Ein Leben im Dreißigjährigen Krieg

 

 

Friedrich Spee ist im Jahre 1618, als der Krieg beginnt, 27 Jahre alt. In dieser Zeit schließt er seine Ausbildung als Priester und Lehrer im Jesuitenorden ab. In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod wird er immer wieder mit den Folgen des Krieges konfrontiert. In Peine (bei Hildesheim) wird ein Attentat auf ihn verübt. Aus Paderborn muss er zusammen mit seinen Ordensbrüdern wegen der Kriegsereignisse flüchten. In Köln erlebt er die Unzahl der Flüchtlinge, die in dieser Stadt Schutz suchen.

 

Trier ist die letzte Etappe in seinem Leben. Als die Stadt unmittelbar vom Krieg heimgesucht wird, nimmt er sich als Pfleger und Seelsorger der Verwundeten und Sterbenden in den Straßen und Häusern an. Er versteckt sich nicht hinter Klostermauern. Die Soldaten, die Trier erobern, schleppen – wie so oft – die Pestseuche mit in die Stadt ein. Auch jetzt noch pflegt Spee die Kranken und Sterbenden und begleitet sie auf ihrem letzten Weg. Dabei infiziert er sich und stirbt am 7. August 1635 im Alter von nur 44 Jahren.

 

Noch 13 Jahre dauert der Krieg, bis endlich 1648 der Frieden von Münster und Osnabrück geschlossen wird. Nun erst können zwei Bücher von Spee aufgelegt und gedruckt werden: das „Güldene Tugend-Buch“ und die „Trutz-Nachtigal“, zwei Werke, die er während der Kriegszeiten geschrieben hatte, und die jetzt Zeichen einer neuen Zeit werden.

 

Friedrich Spee hat sich nicht ausdrücklich zum Krieg geäußert. Trotzdem erfährt man auf eine ganz eigene Weise, wie sehr er unter dem Krieg und seinen Folgen gelitten hat. Es ist auch so etwas wie der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Warum musste das alles geschehen?“

 

 

 

 

 

Callot: Schrecken des Krieges 11 (Wikipedia)

 

 

Eindrucksvoll gegliedert wurde der Vortrag durch die Mezzosopranistin Katharina Greiß, die „Bei stiller Nacht“, „Wann Morgenröt sich zieret“ und „Jetzt wickelt sich der Himmel auf“ sang. Die Laudatio  hielt Wilhelm Mayer, der Vorsitzende des Heimat – und Bürgervereins. Wir geben sie in gedrängter Form wieder: 

 

Hans Müskens wurde 1938 in Düsseldorf geboren. Seit dem ersten Lebensjahr lebt er in Ratingen. Nach der „Mittleren Reife“ erlernte er den Beruf des Industriekaufmanns. Er arbeitete nach der Lehre als Buchhalter. Ab 1961 besuchte er das Abendgymnasium in Neuss und schloss 1965 mit dem Abitur ab.

An der Universität Bonn absolvierte Hans Müskens ein Lehramtsstudium der Fächer Theologie und Germanistik. An das erste Staatsexamen 1969 schloss sich das Referendariat an Essener Gymnasien an. Es folgte 1971 das zweite Staatsexamen.  Er unterrichtete an Gymnasien in Essen und Ratingen – Lintfort. Mit 65 trat er als Studiendirektor in den Ruhestand. Seit 1970 ist Hans Müskens verheiratet, das Ehepaar hat 3 Kinder und 9 Enkel.

Mit Spee wurde Hans Müskens während des Studiums näher bekannt. Seine erste Staatsarbeit schrieb er über den Liederbestand des „Güldenen Tugendbuches“.

Als 1985 die Friedrich Spee – Gesellschaft gegründet wurde, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern. 1990 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Gleichzeitig übernahm er die redaktionelle Mitarbeit an der SPEE POST. Diese Arbeit setzt er bis heute an dem SPEE JAHRBUCH fort. Er verfasste einige Aufsätze für das Jahrbuch und schreibt seit 1997 die Jahresberichte, die die Arbeit vor Ort dokumentieren.

1997 wurde er zum 4. Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Im Jahre 2000 gelang ihm die Gründung des SPEE ARCHIVS. Das Archiv konnte er zu einer beachtlichen Literatur – und Dokumentensammlung ausbauen.

Hans Müskens hat in unzähligen Vorträgen, Führungen, durch Kontaktpflege, durch die Organisation von Veranstaltungen, durch die Veröffentlichung von Schulbüchern und durch kleine, sehr persönliche literarische Beiträge nachhaltig das Andenken Friedrich Spees gepflegt.

 

Hans Müskens mit einer Klasse 8C der Gesamtschule Nettetal.

 

An die Überreichung  der Plakette schloss sich ein Gesangsvortrag an: Robert Schumann „An die Nachtigall“ (Mirjam Stamner und Katharina Greiß)

Prof. Dr. Gunter Franz überbrachte die Grüße der Trierer Freunde und Prof. Dr. Heinz Finger die Glückwünsche der Düsseldorfer Mitglieder.

Mirjam Stamner und Katharina Greiß sangen „Maiglöckchen“ von Felix Mendelssohn – Bartholdy.

Hans Müskens, sichtlich bewegt, sprach einige Worte des Dankes.

 

 

 428. SPEE GEBURTSTAG

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